Tahrir Square 2nd February


Cairo’s Tahrir Square
Black Wednesday

… like a civil war …
2nd February 2011

inconceivable, horrible and unbelievble
3 dead and 639 injured in the Tahrir Square clashes

via NYT (Arab World Faces Its Uncertain Future, 2011/02/02)
via Nation (Winter of Disconten by Leila Lalami, 2011/02/02)

Die Bilder des heutigen Tages sind blutig. Die Schreie der flüchtenden Demonstranten, die Salven aus den Maschinengewehren, die Tränengasgeschosse, von denen nicht klar ist wer sie ab gib, mit Stöcken bewaffnete Symphatisanten Mubaraks,  schockierende Bilder kursieren bei YouTupe und um die ganze Welt.

Hinter dem Antiken Museum Cairo’s fliegen Steine und Molotow Cocktails, mit Pflastersteine in der Hand wehren sich die Einen gegen die Anderen und dazwischen Kinder und Frauen. Was heute Morgen so ruhig begann, ist im laufe des Tages in bitteres Chaos umgeschlagen. Das Militär fordert alle auf nach Hause zu gehen, reguläre Polizeit ist nicht anwesent. Das ist Bürgerkrieg. Journalisten außländischer Medienteams werden gezielt attackiert, jetzt liefern nicht mehr sie die Bilder, sondern die Bürger selbst. Die Aggression eskaliert, was gestern als friedliche Demonstration in die Geschichte eingegangen ist, wird heute zum brutalen und blutigen Infernal.

 

Tahrir Square Protesters foto by elHamalawy

Alarabia,  Ajazeera, Reuters, CNN, BBC berichten seit mehreren Tagen ohne Unterbrechung aus Cairo. ZDF und ARD tun dies erst seit gestern über den Nachrichtenkanal Phönix. Die BIlder von Heute sind ein brutaler Kontrast zu den gestrigen friedlichen Demonstrationen, den musikalischen Sit-ins. Das Regime schlägt brutal zurück, inszeniert Chaos und Anarchie. Diese Ereignisse sind gesteuert, mit angehäuerten Ganoven und Mitgliedern der Geheimpolizei. Mit Pferden und Kamelen, beritten stürmen die gedungenen Schlägertrupps auf den Platz der Freiheit Kairos.

Wie reagiert der Westen? Wie reagiert Europa? Was werden Merkel, Sarkozy und Cameron und was der ungarische Präsident wirklich konkret tun? Die Ereignisse überschlagen sich. Und kommt das alles so überraschend? Nein, unser Außenminister, der sich von niemanden den Schneit abkaufen läßt, hätte bei seiner Urlaubsreise ans Rote Meer, in seinen Weihnachtsferien, nur seine Ohren spitzen müssen, dann hätte er die Klagen der Mütter und Jugendlichen hören können, über die unerträglichen sozialen Zustände und er hätte seine Nase in den richtigen Wind halten sollen, um zu merken, dass hier eine Lunte brennt – höchst Explosiv. Dann wäre er nach Berlin zu rück gekehrt und hätte uns davon berichtet und gesagt, was er politisch nun deshalb unternehmen wird, aber gar nichts ist passiert, heißt das, er hat auch gar nichts gelernt – Reisen soll doch bilden! Seine wissenschaftlichen Mitarbeiter im Außenministerium und beim Bundesnachrichtendienst kennen sich doch ausgezeichnet gut in der arabischen Welt aus. Für mich hat die politische Elite Deutscchlands kein moralisches und ethisches Rückrad mehr, keine innere Selbtsverpflichtung gegenüber den Werten der Menschenrechte. Diese sind austauschbar geworden und kurzfristigen Zielen geopfert worden. „Für wie blöd halten uns die Politiker“, rufen die Demonstranten auf dem Tahrir Square – wir dürften den Slogan übernehmen.

Hypokrit nennen es die wachen und politsich engagierten Bürger der größten arabischen Nation, wie sich der Westen gegenüber dem Diktator Hosni Mubarak verhält. Einerseits die Menschenrechte immer wieder auf die Fahne zu schreiben, aber bei den eigenen Verbündeten, die krassen und unerträglichen Menschrechtsverletzungen schweigend hinzunehmen. Wie lange wollen wir uns das hier in Europa von unserer politischen Elite gefallen lassen, sind wir so satt und apathisch? Der Konflikt im Maghreb findet nicht jenseits unserer Wohnungen statt, sondern im Ursprungsland unserer kulturellen Identität. Es mag sein das von Marceille und Genua die Küste Nordafrikas hinter dem Horizont liegt, aber Hannibal kam aus Kathargo und in Alexandria lebten die großen Astronomen, die unserm Weltbild Wurzeln gegeben haben. Der Maghreb, seine Kultur und Geschichte ist untrennbar mit unserer mitteleuropäischen verbunden. Der Konflikt, die Yasminen Revolution findet in unserem Vorgarten statt und er muß uns etwas angehen – uns kann und darf es nicht gleichgültig sein, was an den südlichen Ufern des Mittelmeers passiert – vom Atlasgebirge bis hin nach Aleppo.

Diese Revolution hat keinen einzelnen Führer. Wem würde man den diesjährigen Friedens Nobelpreis zu sprechen? Mohammed Sidibouzid dem friedferigen, nicht korrupierbaren Gemüsehändler aus Tunesien oder dem zu tote geprügelten Jungen Kahled Said aus Alexandrien? Gestern lief die Frist für die Nomminierung des dies jährigen Friedenspreises ab, die Friedens- und Freiheitsbewegungen halten sich nicht an Fristen aus Oslo. Diese sozialen Unruhen setzen ganz neue Maßstäbe, die Arithmetik alter Machtkäpfe ist nicht mehr gültig, aber auch die Regime antworten mit immer perfideren Methoden. Sie lassen an einem Tag die Leute ungestört demonstrieren, um dann am anderen Tag, gut organisierte „Sympathisanten“, beinahe rücklings über die Demonstranten, wie reudige Hunde her fallen zu fallen. Der heutige 2. Februar wird als schwarzer Mittwoch – black wednesday-  in die Geschichte Ägyptens eingehen. Inzwischen sprechen die Medien von hunderten von verletzten, mit schweren Stich- und Schlagwunden und drei Toten.

 

Kamele im Straßenkampf Tahrir Square dpa

Es ist schwer zu glauben, dass dies der Volkszorn von „Mubarak-Symphatisanten“ ist, das sind keine Symphatiekundgebungen, das ist die brutale, rücksichtslose und gewaltsame Auseinandersetzung und die Fortsetzung alter Politik mit neuen Mitteln, auf einer neuen Bühne. Sie handeln ganz im Sinne des „agente provocateur“ ,  bestellte Schlägertruppen, in Zivilkleidung, aber sie haben vergessen ihre Polizeiausweise zu Hause zu lassen. Im Internet kursieren die ID dieser Mitarbeiter der Staatspolizei.

 

Kamele im Straßenkampf Getty Image

Die Finanz- und Wirtschaftskrise , die 2008 ihren Anfang nahm, waren die Geburtswehen einer sozialen und gesellschaftlichen Krise unserer Zeit. Die Stricke reißen, die die System bisher gehalten haben. Im Maghreb sieht und hört man, wie die Seile und Fesseln reißen. Am Ende dieses gesellschaftlichen Wandels wird nichts mehr so sein wie zu vor, in den nächsten Monaten und Jahren wird im Kontext der weiteren Demokratisierung der Welt, auch durch die Möglichkeiten der Internetkommunikation, der Einfluß der etablierten Machtstrukturen in Frage gestellt werden. Das billig Urlaubsland Ägypten und Tunsien, wird so billig nicht mehr den deutschen Urlaubern zur Verfügung stehen. Denn, wer zahlt dafür, dass diese Länder so billige Urlaubsländer für uns sind? Es sind die Familien, die mit € 1,50 in der Woche auskommen müssen.

Die Wirtschaftspolitik der westlichen Welt ähnelt der Kochkunst einer miserablen Köchin, sie reagieren auch erst, wenn das Essen im Topf angebrannt ist, trotz vieler Warnungen und klarer Prognosen. Riechen sie den verbrannten Braten immer noch nicht? Einst ist die Menschheit von Afrika ausgezogen, die anderen Kontinente zu erobern. Der gesellschaftliche Wandel der jetzt beginnt, den wir Krise nennen, nimmt seinen Anfang im Maghreb und wird von Afrika auf die anderen Kontinente, im Sinne der Globalisierung wie ein Funke im Stroh, die ganze Welt, erfassen. Die Entwicklung des Ölpreises zeigt, wie empfindlich die Märkte auf die Ereignisse in Cairo reagieren. Der Ölpreis liegt am Ende des Tages bei 100 $ pro Barrel – ein neuer Höchststand. Dies ist sicherlich auch die Folge der besonderen geostrategischen bedeutung Ägyptens, mit dem Suezkanal, der Aorta des Ölkreislaufes.

Die Strategie der Militärdiktatur verläuft nach dem Prinzip – „ihr dürft demonstrieren, aber zu entscheiden haben wir“. Mubarak hat in seiner Rede von Dienstag Abend, ja unmissverständlich gesagt, er werde nicht zuürck treten. Er selbst sei durch und durch ein Militär, wie auch sein neuer VP Omar Suleiman and PM Ahmed Shafik. Faktisch ist Ägypten eine „demokratische „Militärdiktatur. Deshalb, Mubarak setzt auf eine militärische Lösung dieses politischen Konfliktes, ganz in der Tradition arabischer Diktatoren. Die eigenen Truppen, camoufliert auf die Straße zu schicken und das Militär schaut tatenlos zu – quasi pseudo neutral. Ein Fußballspiel ist noch lange kein faires Spiel, wenn nur der Schiedsrichter auf dem Platz steht. Was, wann und wie auf die politische Agenda gestellt wird, will der Dikator selber bestimmen und jetzt führt er auch Obama und die ganzen europäischen Staatshäupter vor. Mubaraks Kriegskasse ist gut gefüllt, auf 40-70 Billionen$ wird sein vermögen auf Bankkonten in der Schweiz und den USA geschätzt. Partizipation und Machtteilung sind für Mubarak giftige Wörter. Mubarak will siegen oder Tod aus diesem Konflikt aussteigen, dass sind seine Vorstellungen. „You became what you think about“.


vom Dach des Antiken Museums in Cairo

Ein Auszug der Twitter Nachrichten des heutigen Tages, ich habe seit 13 Uhr bis heute um 20 Uhr  953 Tweets erhalten, mit steigender Tendenz zum Nachmittag und Abend hin und das obwohl ich weit entfernt vom Zentrum dieses Ereignisses bin, quasie am Rande stehe.

Monique Samuel
MCTSamuel Monique Samuel
Sfeer was vanochtend nog heel gemoedelijk, maar wel erg gespannen bij #tTahrir daar broeit het hele dag – nu is het oorlog!#Egypte
Menna Gamal
MennaGamal Menna Gamal

von wildebees
People in Tahrir, please leave the scene for now. We don’t want you killed! Come back and let’s think :S !! #Jan25 PLEASE COME BACK!
Bill Gross
Bill_Gross Bill Gross
RT @NickKristof#Mubarak seems to be trying to stage a crackdown not with police or army, but with thugs. They are armed and brutal. #Egypt
Wessel van Rensburg
wildebees Wessel van Rensburg
I find it impossible to tear myself away from this. These brave people.
Mosa'ab Elshamy
mosaaberizing Mosa’ab Elshamy

von wildebees
They’re attacking all foreigners or those who don’t „look“ Egyptian. A group confronted me but convinced them I’m „with them“. #Jan25
Sarah El Sirgany
Ssirgany Sarah El Sirgany

von Medicalfacts
RT @jonjensen: Doctor at Tahrir field hospital reports 70 injuries, mostly from rocks. #Egypt #Mubarak #jan25
Jan25
HamedEsmail Jan25

von 3arabawy
شباب المنصورة يُقتل من رجال الشرطة والبلطجية الأن أمام المحافظة وفي الميادين#Jan25
benwedeman
bencnn benwedeman
Overheard army officer off Tahrir square. They have no strategy to deal with situation. they are watching passively. #Egypt #Jan25
Andy Carvin
acarvin Andy Carvin
RT @AymanM: I am ok but keeping a low profile for safety reasons#Egypt #jan25 (via phone call)
Andy Carvin
acarvin Andy Carvin
RT @RiverDryFilm: The pro-Mubaraks come charging, throwing rocks and attacking with knives and they’ve just come in with a big truck. #jan25
Garance Franke-Ruta
thegarance Garance Franke-Ruta
In case you missed it, a picture of the camel charge in Tahrir Square: http://bit.ly/i8W5Ut
Andy Carvin
acarvin Andy Carvin
RT @SherineT: right in middle of clashes. I’ve been hit in the face. huge stampedes. Rocks flying. Crazy atmosphere. #egypt #jan25
Andy Carvin
acarvin Andy Carvin
RT @Dima_Khatib: Witness saw men arriving at Tahrir with tear gas canisters, other anti-riot equipment but dressed in civil or army uniforms
Jon Jensen
jonjensen Jon Jensen

von wildebees
Doctor at Tahrir field hospital reports 70 injuries, mostly from rocks.#Egypt #Mubarak #jan25
Sultan Al Qassemi
SultanAlQassemi Sultan Al Qassemi

von wildebees
Goodness. Gun fire shots now in Meydan Tahrir. No word on who is firing or where.
Wessel van Rensburg
wildebees Wessel van Rensburg
AJ correspondent ominously went quiet just after saying the clashes have move to right in front of her…
Sofie Cooper
SofieCooperEG Sofie Cooper

von wildebees
I have been called to the hospital to help . I’m dreading to see what awaits me #egypt #jan25
Sonia Verma
soniaverma Sonia Verma

von wildebees
Groups of men mobilizing, arming themselves with bricks and sticks.
Cuquita
quidam08 Cuquita

von Medicalfacts
RT @ajimran #Egypt: Several people were killed and hundreds injured in clashes in Tahrir Square in central Cairo, sources told Aljazeera.
Nicholas Kristof
NickKristof Nicholas Kristof

von bencnn
In my part of Tahrir, pro-#Mubarak mobs arrived in buses, armed with machetes, straight-razors and clubs, very menacing.
CNN Breaking News
cnnbrk CNN Breaking News
#Egypt’s health minister said 611 people injured in clashes in Cairo’s Tahrir square http://on.cnn.com/ftyMHf
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