Paradoxien


Je mehr, desto weniger…

Je mehr es […] Beschränkungen und Verbote gibt,

desto ärmer wird das Volk […].

Je mehr Gesetze und Verordnungen erlassen werden,

desto mehr treten Räuber und Diebe auf.

Daher sagt der weise [Herrscher]:

Ich tue nichts und die Menschen verändern sich von selbst.

Ich tue nichts und die Menschen werden von selbst wohlhabend.

Lao-Tse


…oder gilt das Folgende ?

Weniger arbeiten“, „besser leben“, „mehr verdienen“,

„schneller zu Reichtum gelangen“,

über Steuern klagen,

aber dem Staat höhere Leistungen abzuverlangen

– das alles kennzeichnet zusammen

eine geistige Verirrung und Verwirrung,

die kaum noch zu überbieten ist und die,

auf die Spitze getrieben,

die Grundfesten unserer gesellschaftlichen Ordnung

zu zerstören geeignet wäre.

Ludwig Erhard


Mein Kommentar:
Beide Zitate endeckte ich auf der Homepage eines liberalen Forums , auf das mich Hermann Otto Solms  via Twitter aufmerksam machte. In Rostock fand an diesem sonnigen und kühlen Maiwochenende der Bundesparteitag der FDP statt, man wählte sich einen neuen Vorsitzenden, wieder einmal ohne Gegenkandidat – alternativlos – ich habe es nach 50 Jahren immer noch nicht verstanden, worin der Charme dieser Art von Wahlmodus liegt.
 
Die Zitate haben es in sich, sind nicht ganz ohne Nebenwirkung – sie wurden in der Absicht platziert liberales Profiel zu zeigen.
Das von Lao-Tse beschriebene Prinzip ist mir aus meiner Beratungsarbeit sehr vertraut.
Je mehr wir bewußt Ziele definieren, desto mehr werden Ziele unwillkürlich zu einer beliebigen Managementgröße oder je mehr wir auf Qualitätsstandarts setzen, desto weniger Gefühl für Qualität stellt sich ein. Wir definieren Lernzielkataloge, um die Ausbildung z.B. unserer Ärzte zu verbessern und gleichzeitig erleben wir, dass die Qualität in der Ausbildung der Mediziner nicht wirklich zu nimmt und die Zahl der iatrogenen Erkrankungen  zu nimmt.
 
Der Staat und insbesondere die Liberalen appelieren an die Eigenverantwortlichkeit der Bürger, z.B. bei der Altersversorgung und meinen nichts weniger, als dass der Staat sich aus der Verantwortung zurück zieht ohne der einzelnen Bürger von Abgaben und Steuern zu entlasten. Der Staat betreibt moderne Wegelagerei bei der Masse der Staatsbürger ungeachtet von Herkunft, Religion, Rasse, Geschlecht und Leistungsfähigkeit. Wie sozialmarktwirtschaftlich ist unser Mehrwertsteuergesetz?
Politiker selbst scheuen Eigenverantwortung und finanzieren ihre Aktivitäten über Sonderzuwendungen, Spesen und Subventionen. Reden von sozialer Marktwirtschaft und betreiben einen für einzelne Branchen spezifischen Staats-Sozialismus. Erhard irrt, seine Analyse taugt dann, wenn er die Personen tauscht , denn er beschreibt das Verhältnis des Staates zu seinen Bürgern. Der Staat klagt über zu geringe Steuereinnahmen, wobei er gleichzeitig dem Bürger höhere Abgaben abverlangt – diese Irrungen und Mißverhälnisse gefährden unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt.
 
Der Staat wurde zum Risikofaktor für unser Gemeinwesen und unser humanes Zusammenleben.  Er wurde zum modernen Raubritter, um seine vielfältigen militärischen Aktivitäten,  seiner asymetrischen Wirtschaftskriege zu finanzieren, er scheut keine moderne  Wegelagerei, um seine Kassen zu füllen. Nie ist ein  Staat in der Mitte Europas  mit solchen finanziellen Möglichkeiten ausgestattet worden und was macht er damit?  Wann werden Politiker uns vor dem Staat schützen und seine ausbeutenden Rechte beschränken?
 
Ludwig Erhard zeigt mit dem Zeigefinger auf die vermeindlichen Nassauer in unserer Gesellschaft und meint damit die Empfänger von sozial Leistungen und übersieht das zwei seiner Finger auf ihn gerichtet sind.  „Wenn du mit dem Zeigefinger auf andere weist, dann bedenke  drei deiner Finger sind auf dich gerichtet!“

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