18.März


18. März 1848, 1990 & 2012

„Cave Idus Martias“

Von den Barrikaden der Märzrevolution in Berlin des Jahres 1848 , über die ersten freien Wahlen in der DDR 1990 bis zur 15. Bundesversammlung sind 164 Jahre vergangen. Diese lange Zeitspanne ist üppig mit Ereignissen in Europa und der Welt angefüllt, vom entstehen des  Deutschen Nationalstaat, über die Shoah bis zum Fall der Mauer. So ist auch der 18. März ein geschichtsträchtiger Tag; vor 22 Jahren konnten erstmals die Bürger in der ehemaligen DDR, in wirklich freien Wahlen ihre Abgeordneten für die Volkskammer wählen. Der Gewinner dieser Wahl (Wahlergebnis) war Lothar de Maizière und seine Allianz für Deutschland. Die  Blockpartei CDU bildet mit der neu gegründeten Ost-SPD und den Liberalen (Blockpartei) im April eine Große Koalition.

In den Iden des März, wird uns ein Unheil ereilen, heute, an diesem 18.März, mit der Kür des konservativen Predigers, des eitlen Freidenkers Joachim Gauck? Vor 20 Monaten war er die erfrischende Alternative zu Christian Wulff, jetzt stand er allein auf der Bühne und die Kandidatin Beate Klarsfeld, hatte allein eine Statistenrolle, die ihr aber genügte, um auf Ihr Lebenswerk aufmerksam zu machen. Eine selbstbewusste Bescheidenheit, die ihr Anliegen über ihre Person stellt.

Draußen blühen die ersten Narzissen, es sind erstmals die 20 Grad am Rhein überschritten und in der Tat der Frühling steht vor der Tür.

Ich frage mich, nach wie vor, wieso in diesem Land, auch der 11. Bundespräsident wieder ein Mann sein musste? Was sagt das über dieses Land, über den Grad seiner politische Reife aus? Frauen bilden die Mehrheit in diesem Land, Frauen waren es, die nach dem Krieg das Land wieder auf bauten, weil die Mehrheit der hitzköpfigen Männer den Krieg wollten, im Krieg getötet wurden oder in Kriegsgefangenschaft gerieten. Und dennoch wurde und wird dieses neue Deutschland von Männern verwaltet und regiert, als ob es ihr natürliches Recht wäre Meinungsmacher und Vollstrecker politischer Macht zu sein. Männer sind in dieser Republik omnipotent präsent, in Kultur und Wirtschaft, im Kino, im Radio und im Fernsehen, Frauen spielen fortgesetzt nicht die Hauptrolle, sondern sind im besten Fall fesche, schön anzusehende Mitarbeiter. Kommen Frauen in dieser Republik über den Assistentenstatus hinaus? Nein!

Hat dieses Land denn nicht genügend geeignete Frauen, um Führungspositionen zu besetzen, fällt die Auswahl so schwer? Nein, wir haben genügend kluge und clevere Frauen, die diese Aufgabe wahrnehmen könnten und sie auch mit neuen Inhalten auszugestalten wissen. (Heiner Geißler 19.02.2012 bei Günther Jauch).

Was verhindert aber die Wahl einer Frau zum Bundespräsidenten? Es scheint mir sprichwörtlich, dass eher ein Kamel durch das Nadelöhr geht, als eine Frau in dieses Amt berufen wird. Chancen gab es genug, Kandidaten wurden aufgestellt, dann aber wurde wieder,  jeweils von den aktuellen Mehrheiten bestimmt,  ein Mann auserkoren. Dabei ist es keine Frage der Parteien, sowohl Christdemokraten, wie auch Sozialdemokraten nehmen sich da nichts, sie bevorzugen Männer in diesem Amt. In den Bundesversammlungen, wurde z.B. statt Annemarie Renger Karl Carstens (CDU), statt Luise Rinser Richard von Weizsäcker (CDU), statt Hildegard Hamm-Brücher Roman Herzog (CDU), statt Dagmar Schipanski Johannes Rau (SPD) und statt Gesine Schwann Horst Köhler (CDU) gewählt. Es ist inzwischen nicht mehr vermittelbar und beschämend, dass auch die letzte Wahl wieder nach dem gleichen Muster verläuft. Was ist bloss los in diesem Land?

In einem Land, dass sich fortschrittlich nennt, werden Frauen in gleicher Position schlechter bezahlt als Männer, werden typisch weibliche Berufe, wie Erzieherin und Krankenschwestern geringer entlohnt, als Männer in typische Männerberufe, obwohl immer mehr Frauen Alleinerziehend sind bzw. Alleinverdiener sind und für eine Familie mit mindestens drei Personen zu sorgen haben. Diese Ungerechtigkeit wird hin genommen, wie ein Naturgesetz. Ich empöre mich darüber und verstehe auch nicht das Schweigen der Mehrheit der Frauen. Ich bin zornig über die Lethargie, auch meiner Generation diese Ungerechtigkeit weiterhin zu dulden. Was sagt uns das über die Psyche und die geistige Qualität in unserem Land aus? Ist das ein blinder Fleck, ist es nur noch psychoanalytisch zu verstehen, eine verkappte Wut auf das Weibliche in unserer Gesellschaft, ist es Angst vor Verlust und Kontrolle der Männer, ist es das Eingeständnis ihres Versagens in den letzten 2000 Jahren – was ist es? Es ist auf jeden Fall unerträglich!

Eine Ausnahme bleibt: Die CDU nominiert 2005 Angela Merkel (2005 – 2012) und wählte sie mit den Stimmen der SPD erstmals zur Kanzlerin und heute sprechen wir davon, dass sie  zur mächtigsten Frau des Kontinents aufgestiegen ist. Am Ende werden es wohl die Männer in der CDU entscheiden, wer die erste Frau im höchsten Amt dieser Republik sein wird. Auf die SPD würde ich mich in dieser Hinsicht nicht verlassen, irgend einen Mann werden sie dann wieder aus dem Hut zaubern, den sie mit diesem Amt ehren wollen.

Armut, Hunger und ausnahmslos alle Kriege wurden von Männern auf dieser Welt verursacht. Wann werden wir aufhören, weiterhin Männern unser blindes Vertrauen zu schenken? Ich setze darauf, dass meine Enkel in einem Zeitalter leben dürfen, mit deutlich weniger männliche Bevormundung. Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Mehrheit der heute lebenden Frauen ein partnerschaftliches Machtmodell anstreben und den Wert ihrer männlichen Zeitgenossen zu schätzen wissen, umgekehrt bleiben meine Zweifel, an der Fähigkeit der Männer, die Klugheit und Kreativität der Frauen zu schätzen.

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