Praxis Schule: Design by Learning


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Die Schule der Zukunft: Design by Learning

„Armselig der Schüler, der seinen Meister nicht übertrifft.“ Leonardo da Vinci

eine Diskussion führte der Philosoph David Precht mit den Neurobiologen Gerald Hüther im ZDF Macht lernen dumm?, am 2.Sep.2012

Göttingen, Gerald Hüther, renommierte Neurobiologe, Hirnforscher und Bildungskritiker, fordert die deutschen Bildungspolitiker auf, unser Schulsystem auf den Prüfstand zu stellen. Denn die Schule, wie wir sie kennen, ist am Ende. Die falschen Leute bringen unseren Kindern die falschen Dinge nach den falschen Methoden bei. Dabei wisse die Hirnforschung heute viel besser, was Lernen ausmacht und was Bildung gelingen lässt. Denn Bildung, so Hüther, ist etwas anderes als das Auswendiglernen von Mathe, Englisch und Deutsch.

„Ohne Gefühl geht gar nichts“  Gerald Hüther

Doch was steht einer dringend notwendigen, umfassenden Bildungsrevolution im Weg? Warum ist unser Bildungssystem so wenig lernfähig? Warum bringen wir unsere Schulen und Hochschulen nicht auf die Höhe unseres Wissens über das Lernen?

Vielleicht liegt es daran, dass ein völlig verändertes Bildungssystem, das nicht nur jedem eine gerechte Chance gibt, sondern kreative, eigenständige und unbequeme Persönlichkeiten hervorbringt, zugleich eine ganz andere Gesellschaft voraussetzt oder entstehen lässt? Das jedenfalls meint Richard David Precht.

Es gibt mindestens zwei Ebenen des deutschen Schulsystems das grundsätzlich reformiert werden müsste. Einmal die Ebene des methodischen Vorgehens und die Ebene der strukturellen Lern-Architektur, eingerahmt von einem systemsichen Ansatz der Bildungspolitik. Es ist das System das in erster Linie eine weiter Entwicklung erfahren sollte und dann die handelnden Personen. Die Partnerschaft zwischen Schülern und Lehrern braucht eine neue Basis und neue Verabredungen. Der systemische Ansatz ersetzt den stupide frontalen Unterrichten des Lehrers durch die Kunst des co-operativen Lernens, die schon an vielen Schulen praktiziert wird und sich in der Praxis bewährt hat. Die Lern-Architektur, der Raum wird zur Werkstatt des Lernens, das mono-funktionale, rechteckige Klassenzimmer wird durch einen multifunktionale Raum ersetzt, der unterschiedlichen Lerninhalten entsprechen geformt und ausgestaltet ist. Nicht dahin platzierte Möbel, die wie Barrikaden den Raum teilen bestimmen die Lust am Lernen der Schüler, der Schüler selbst bestimmt, wie er und mit was er lernt, sitzend oder stehend. Der Arbeitsplatz des Lehrers ist definiert in einer Lernlandschaft, deren Architektur, die Schwerpunkte des Lehrers, seine Talente widerspiegeln und der sich der Schüler, neugierig mit seinen Bedürfnissen stellt und den Input des Lehrers nutzt, um sich weiter zu entwickeln.

Das Klassenzimmer besteht aus Lern-Inseln. Weil jeder Schüler anders lernt und die Gleichschaltung von Lernphasen, durch die gemeinsame Synchronisation im Forum ersetzt wird, sind die einzelnen Lern-Inseln deutlich gekennzeichnet. Hier der Platz für den Input durch den Lehrer, dort der Platz für die Arbeitsgruppe, hier der individuelle Arbeitsplatz für den Schüler, dort der Computertisch für die Arbeit im Web, an anderer Stelle die Hardwarebasis für den Drucker, dort das interaktive Board, neben der Kreidetafel, für ein gemeinsames Brainstorming. Der Leher hat einen festen Arbeitsplatz, sein Rüstzeug muss er nicht von Klassenzimmer zu Klassenzimmer tragen, er ist vor dem Schüler an seinem Arbeitsplatz, er ist ansprechbar für Fragen der Schüler und verfolgt die Lernprozesse, kontrolliert die Lernziele, die er mit den Schülern zuvor verabredet hat, überprüft die gestellen Anforderungen an die Schüler, auf ihre Wertigkeit für unser Gemeinwesen, dokumentiert die Ergebnisse und schafft die Rahmenbedingungen für die Präsentation der Lernergebnisse der Schüler.

„Vision is more than knowledge“ Albert Einstein

Das ist keine Utopie, sondern eine an vielen Orten praktizierte Wirklichkeit, wenn der Klassenraum nicht mehr nur Obdach dem Schüler bietet sondern Spiegel eines dynamischen Lernprozesses wird. Wo Lehrer und Schüler eine Partnerschaft leben, die Stärken und Schwächen in den Mittelpunkt rücken und die Vielfalt der Schüler nutzt um Talente und Defizite miteinander zu verbinden.

Beobachte das Schwimmen der Fische im Wasser und du wirst den Flug der Vögel in der Luft begreifen. Leonardo da Vinci

Die deutsche Bildungspolitik ist von einer Sturheit infiziert, die sich jeder strukturellen Neuerung aus ideologischen Vorbehalten widersetzt. Seit 2005 versuche ich das Thema, „Das Klassenzimmer der Zukunft“, an die Schulen zu tragen und stoße außer wohlfeiles Schulterklopfen in den Lehrerzimmern  nur auf Lethargie und ein unerträgliches Phlegma. Als ob Moses auf dem Sinai, ein göttliches Gebot erhalten und speziell den Deutschen, ganz persönlich ausgehändigt hat: Lieber blöd, als begeistert. Die deutschen Schüler sind mit dieser Bildungspolitik, die sich noch nicht von ihren faschistischen Wurzel getrennt hat, bestraft und gleichzeitig unterfordert. Jede schlechte Note letztendlich ein Aufschrei eines Schülers der sich unterfordert fühlt, jeder Abbrecher ein “Widerstandskämpfer” der gegen ein System opponiert, das ihn nicht als co-kreativer Partner akzeptiert. Kein Schüler lernt nicht, lernen ist uns angeboren, wir können gar nicht, nicht lernen. Mit dem Lernen ist es wie mit dem Essen, man kann einem den Appetit verderben, so sagte das schon vor 500 Jahren Leonardo da Vinci.

„I Pencil“, einem sehr lesenswerten Essay von Leonard E. Read entsammt folgendes Zitat.

The lesson I have to teach is this: Leave all creative energies uninhibited. Merely organize society to act in harmony with this lesson. Let society’s legal apparatus remove all obstacles the best it can. Permit these creative know-hows freely to flow. Have faith that free men and women will respond to the Invisible Hand. This faith will be confirmed. I, Pencil, seemingly simple though I am, offer the miracle of my creation as testimony that this is a practical faith, as practical as the sun, the rain, a cedar tree, the good earth.

Leonard E. Read (1898-1983) founded FEE in 1946 and served as its president until his death. „I, Pencil,“ his most famous essay, was first published in the December 1958 issue of The Freeman. Although a few of the manufacturing details and place names have changed over the past forty years, the principles are unchanged.

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2 thoughts on “Praxis Schule: Design by Learning

  1. LOB 2012/09/02 / 3:10 PM

    „Ich würde mehr für die Fähigkeit zahlen, mit anderen Menschen umzugehen, als für alle anderen Fähigkeiten unter der Sonne.“ (John D. Rockefeller)

  2. LOB 2012/09/03 / 4:20 PM

    Ein Vortrag macht kein Gespräch
    Man merkt, dass Richard Precht lieber selbst gefragt wird und einem dann erklärt, wie die Welt funktioniert, statt der Frager in einem Gespräch zu sein, der interessante und spannende Erkenntnisse zu Tage fördert. Es war langweilig, zwei Männern zuzuhören, die verschwörerisch über einen kleinen Tisch gebeugt sich gegenseitig den Niedergang des Bildungswesens bestätigen – auch wenn die meisten Aussagen stimmen. Dieses Format nimmt den vielen nachdenklich machenden Aussagen leider seine Wirkung, denn es ist belehrend, besserwisserisch, schulterklopfend. Und reißerisch: 100.000 Stunden Unterricht im Leben bei 12 Jahren Schule? Das sind 8300 Stunden in jedem Schuljahr oder 200 Stunden in jeder Schulwoche bzw. 40 pro Schultag – da bleibt keine Zeit mehr zum schlafen. Oder solche Sendungen anzuschauen. Steve Jobs würde sagen: die haben’s total vergeigt.
    Christoph Schlenzig

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