3.Oktober:1573/74 vs.1990


Der dritte Oktober Tag:
Leidse Onzet vs. Deutsche Einheit

Das Datum des dritten Oktobers ist ein Meilenstein, eine besondere Landmarke. Immer ein Tag im jungen Herbst, einmal habe ich ihn mit Schnee erlebt und geheiratet, einmal war er so warm, dass wir in Domburg auf Zeeland am Strand liegen konnte und meinten wir hätten einen Julitag verbracht.  Google Deutschland eröffnet passend zum heutigen Tag mit einem speziellen Screen für die Deutschen.

Für mich ist dieser Tag auch in privater Hinsicht eine Landmarke, weil ich jeweils an einem dritten Oktober meinen Herzensdamen I & II, mit denen ich gemeinsam drei Kinder habe,  meine große Liebe erklärt. Hier treffen für mich private und historische Ereignisse zusammen. Ich denke an meine Herzensdamen und das Land meiner Mütter. Und ich erleben wie in den Niederlanden, die Stadt Leiden-, in der Provinz Holland, das Ende der Belagerung der Stadt durch die Spanier im 80 jährigen Krieg – vor 338 Jahren, feiert. Und ich erlebe die Feierlichkeiten zum Vollzugs des Beitritt der DDR am 3. Oktober 1990, nach Artikel 23 des GG der Bundesrepublik Deutschland.

Während also die Einen das Ende der Belagerung der Stadt mit Weißbrot, Hering und Hutspot gedenken, gedenken die Anderen dem Ende der DDR und den Beitritt Ostdeutschlands zum Geltungsbereich des Grundgesetzes, mit wohlgesonnenen Sonntagsreden.

Ich erinnere mich, wie der russische Cellist M.L. Rostropowitsch, nach dem Fall der Mauer, am 11.November 1989, am Check Point Charly ein legendäres Konzert gab, um das Ende dieser gewaltigen Aussperrung eines ganzen Volkes zu feiern. Und ich erinnere mich: Anders als es sich die Väter und Mütter des Grundgesetzes gedacht hatten, wurde die deutsche Einheit nicht durch ein Votum des gesamtdeutschen Volkes vollzogen, sondern durch die Anwendung eines juristischen Winkelzugs, über den Beitrittsartikel, der im Kern nicht für die Wiedervereinigung der beiden Staatenteile konzipiert war.

Dieses Verfahren trägt die Handschrift von Wolfgang Schäuble, der mir persönlich damit die Möglichkeit nahm, per Volksentscheid meine nationale Einheit selbstbestimmt und in freien Wahlen zu finden. Wolfgang Schäuble symbolisiert für mich die Spitze eines Eisbergs von deutschen Politikern, die uns Deutschen selbst nicht zugetraut hat, über die eigene Verfassung und die staatliche Einheit zu entscheiden, wie es die Gründungsväter unserer Republik 1949 vorsahen. Dieser  Typus von Politikern meint nach wie vor, wir – das gemeine Volk, seien dazu nicht in der Lage und müssten bevormundet werden. Die heutigen Feiern sind mir fremd und die in meinen Augen aufgesetzte Nationallaunigkeit lenkt von einem ganz entscheidenden Geburtsfehler dieser Republik ab. Für mich ist es eine Zangengeburt und nicht eine selbstbestimmte Wiedervereinigung beider Staatenteile.

Für die Menschen im Osten, wir nannten sie gerne unsere Brüder und Schwestern im anderen Teil Deutschlands, änderte sich alles und für uns im Westen wurden die politischen Strukturen, in ihrer ganzen Verkrustung, von der Kohl-Administration auf dem Status Quo eingefroren. Ende der achtziger Jahre war vielen in der Bundesrepublik klar, die Demokratie in der bisherigen Ausprägung wies einen erheblichen Reformstau auf und hätte einer Anpassung und Modernisierung bedurft. Doch dazu sollte es nicht kommen, denn Kohl, wollten die Bundesrepublik, wie sie in den fünfziger Jahren konzipiert wurde, unter allen Umständen erhalten. Keine Erweiterung von plebiszitären Elementen, keine Diskussion über die Erweiterung und Stärkung der Bürgerrechte, keine Diskussion über die Mängel des föderativen Modells insbesondere im Bezug auf eine kompatible Bildungspolitik. Nicht einmal im Ansatz wurde darüber nachgedacht, ob wir etwas vom System der DDR positives hätten übernehmen können – a priori war alles von Drüben für uns im Westen bullshit und nicht auf unsere Verhältnisse hin anwendbar.

Für mich ist der dritte Oktober kein Feiertag, er ist ein Tag der Ernüchterung und der Erkenntnis über die Verweigerung an Teilhabe und der Bevormundung des Bürgers durch einen großen Teil unserer Politikerkaste.

Gut, dass in unserem westlichen Nachbarland, an diesem Tag des Endes der Belagerung einer Stadt gedacht wird. Ich wünsche mir, dass wir Deutsche uns eines Tages in freien Wahlen und von der fürsorglichen Belagerung eines Typus von westdeutschen Politikern befreien dürfen, die meinen uns fehle es an der Einsicht und Reife über unser Schicksal selbstbestimmt zu entscheiden. Und für mich ganz persönlich, wird der dritte Oktober Tag, immer der Tag meiner beiden Herzensdamen sein, die mir  wunderbare Kinder „schenkten“.

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