Samuel Estragon

Kultur fordert Verzicht und gebietet Leistung. Zum einen fordert sie den Verzicht auf Ansprüche des Es. Die aggressiven nach außen gerichteten Sexualtriebe müssen unterdrückt oder in Kulturleistungen sublimiert werden. So werden sie vielfältig geformt, umgeleitet und gerichtet. Gleichzeitig gebietet Kultur das Gehorsam gegenüber dem Über-Ich; einer Instanz, die im Ursprung aus sozialer Angst (der Angst des Kindes vor Liebesentzug) und der Schuld ob des Verbrechens gegen das Gesetz, gegen den Urvater, hervorgegangen ist. Eigentlich gesellschaftliche Ansprüche werden so zu inneren transformiert und treten dann, zunächst als mächtige psychische Forderungen, dem Ich gegenüber. Aus dem Über-Ich mahnt das „du musst arbeiten” und das “du sollst nicht töten” versagt dem Es seine drängenden Wallungen.

Dem sowieso beschädigten, verstümmelten und hin und her gezerrten Ich gelingt der Umgang mit diesen übermächtigen Geboten und Triebansprüchen nur, indem diese zum Teil oder ganz ins Außen projeziert werden. Im Antisemitismus werden diese verinnerlichten Ansprüche pathisch auf…

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