Papst Franziskus: Jorge Mario Bergoglio und die Junta


AFP
AFP Die beiden Päpste 2007

Die Zeit der zwei Päpste beginnt:
Pp. emeritus Benedictus XVI et Pp. Franziskus

Rom – caput mundi: Es regnet und es ist für die Jahreszeit zu kühl, kurz nach Sieben Uhr abends, es ist dunkel am Himmel überm Tiber und weißer Rauch qualmt üppig über der Sixtinischen Kapelle, die Glocken von San Pietro läuten – wir haben einen neuen Papst. Die Sedisvakanz ist beendet und ein neues Pontifikat, mit dem Pontifex Francesco hat begonnen (13.03.13).  Die beschirmten Römer eilen und rennen über die Tiberbrücken, drängen auf die, von Bernini’s Kolonnaden umarmte Piazza San Pietro, um den neuen Papst zu sehen.

Was wissen wir von dem neuen Papst? Es gibt auf Wikipedia nicht viel, auch nicht in Spanisch – jetzt wird jeder Stein umgedreht. Scharen von Journalisten werden nach Argentinien reisen und bohrende Fragen stellen, nach seiner Rolle während der Junta des Diktators Jorge Rafael Videla.

But there was silence on the obvious question that should be asked about any senior cleric from Argentina: What was Bergoglio doing during the “dirty war,”  Robert Parry.

„According to „El Silencio“/ „The Silence,“ a book written by journalist Horacio Verbitsky, Bergoglio withdrew his order’s protection of the two men after they refused to quit visiting the slums, which ultimately paved the way for their capture.

Verbitsky’s book is based on statements by Orlando Yorio, one of the kidnapped Jesuits, before he died of natural causes in 2000. Both of the abducted clergymen survived five months of imprisonment.

„History condemns him. It shows him to be opposed to all innovation in the Church and above all, during the dictatorship, it shows he was very cozy with the military,“ Fortunato Mallimacci, the former dean of social sciences at the Universidad de Buenos Aires, once said.

Those who defend Bergoglio say there is no proof behind these claims and, on the contrary, they say the priest helped many dissidents escape during the military junta’s rule.“

Hat das Konklave einen unbelasteten Papst gewählt?

Sie haben sich für einen Italo-Amerikaner entschieden, einen Argentiner mit doppelter Staatsangehörigkeit. Buones Aires war Ziel vieler italienischer Auswanderer im 19. Jahrhunderts, wie u.a. G.Garibaldi. Er kehrt zurück und wird bis zum Ende seiner Tage in Rom bleiben. Ein Papst mit Migrationshintergrund, wie für viele Menschen in der neuen und alten Welt. Wird er seine Stimme erheben für die Wirtschaftsflüchlinge, die ihre Heimatländer verlassen, weil dort Perspektivlosigkeit und Armut herrscht?

Nomen est omen: Wird er seine roten Schuhe gegen Sandalen eintauschen?

In ersten Kommentaren wird der Jesuit, Jorge Mario Bergoglio seiner Bescheidenheit wegen gelobt. Auf der Loggia bat er, für ihn zu beten und im weiteren gedachte er dem zurückgetretenen Papst und betete mit der Menge ein patre nostre für Pp. emeritus Benedictus, bevor er abschließend den Anwesenden und der Welt den Segen Urbi et Orbi erteilte. 

Auf der Loggia trat ein Mann auf, ohne große Geste, mit  zurückhaltender Presents, hinter seiner modischen Hornbrille. Schmunzelnd, andere meinten gar scherzend, führte er den Dialog mit den Menschen vor dem Petersdom. Er, der fast vom Ende der Welt her berufen sei, werde jetzt der Stadt Rom als Bischof dienen. (#vengo_del_fine)

Die einen lobten ihn dafür und fanden das eine epochale Neuerung, das kann auch anders gedeutet werden. Das Konklave hat nicht für einen Neuanfang gestimmt, sondern für die Kontinuität. Ein Pontivikat von 20 Jahren ist unwahrscheinlich. Nach dem Konklave, ist vor dem Konklave.

Es bleiben viele Fragen: Wird dieser 76 Jahre alte Mann die Kraft haben den Vatikanstaat zu reformieren. Vielleicht helfen ihm seine Erfahrungen im Umgang mit der Junta, wenn es um den Umgang mit Intrigen und Seilschaften geht. Seit Beginn des Jahres sind die Bancomaten im Vatikanstaat außer Betrieb und ist die Kreditkartenabrechnung unterbrochen, weil der Finanzplatz ein Eldorado für dubiose Finanztrasaktionen ist (FAZ, Gott, Geld und die Machtvon Dirk Schümer, vom 13.03.2013). Was für Konsequenzen wird der neue Papst aus dem Ergebnis, des von seinem Vorgängers in Auftrag gegebenen Untersuchungsberichtes zur Vatileaksaffaire, ziehen? 

  • Hörenswertes Telefon Interview mit dem F.A.Z.-Korrespondent Jörg Bremer aus Rom! (hier)

Verhältnis zur Militärdiktatur

Bergoglio wurde verschiedentlich eine zu große Nähe zur Militärdiktatur 1976–1983 vorgeworfen, die ca. 30.000 als „subversiv“ eingestufte Personen entführen und ermorden ließ. Der Menschenrechtsanwalt Marcelo Perrilli warf dem in Argentinien als „Kardinal der Armen“ verehrten Bergoglio 2005 vor, in das Verschwindenlassen der Jesuiten Franz Jalics und Orlando Yorio im Jahr 1976 verwickelt gewesen zu sein. Perrilli erstattete deshalb Anzeige gegen Bergoglio bei einem Gericht in Buenos Aires. Ein Sprecher des Kardinals bezeichnete die Anzeige als Verleumdung. Nachdem sie wieder freigekommen waren, sagten Jalics und Yorio gegenüber dem Ordensgeneral Pedro Arrupe in Rom aus, sie seien von Bergoglio denunziert worden. Noch während die beiden Priester verschwunden waren, hatte Bergoglio Arrupe brieflich mitgeteilt, Jalics und Yorio seien aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen worden.

Während der Militärdiktatur kam es zu weiteren Entführungen und Misshandlungen von Seminaristen, Mitarbeitern des Colegio Máximo San José und politischen Aktivisten in San Miguel, einige davon unter Beteiligung des Jesuitenpaters Martín González. Betroffene und Zeitzeugen sind der Ansicht, dies hätte nicht ohne das Wissen Bergoglios geschehen können, der während seiner Amtszeit als Ordensprovinzial seinen Sitz im Colegio Máximo hatte.

2010 erklärte der ehemalige Jesuit Miguel Ignacio Mom Debussy, der Bergoglio als Chauffeur gedient hatte, dieser habe sich während der Diktatur mehrfach mit dem Juntamitglied Emilio Massera getroffen. Bergoglio habe gesagt, es sei ihm bei den Treffen darum gegangen, den Jesuitenorden und seine Novizen zu schützen. Bergoglio habe „nicht ablehnend“ über Masseras politische Pläne gesprochen.

Unvorstellbar wäre, dass das Konklave einen Kardinal zum Papst kürt, der nicht unbelastet ist. Die Publikation – „El Silencio“, des argentinischen Journalisten Horacio Verbitzky sollte ernst genommen werden! Es wäre ein Eigentor der katholischen Kirche, von eigener Güte, wenn sich Verbitzky’s These bewahrheiten, fast unvorstellbar -, aber vielleicht nutzt ja der neue Papst sein Amt, um Buße zu tun!

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