Pope Francis: Welches Schuhwerk wird er tragen?


Ein Contra Papst: In Sandalen oder roten Schuhen?

Am ersten Arbeitstag besuchte der neue Pontifex die Basilika Santa Maria Maggiore, brachte einen Blumengesteck mit und betete zum Bildnis der jungen Frau Maria -, es soll, so wird berichtet, dort zu Fuß hingegangen sein.

Die Berichterstattung zum neuen Mann, sagen wir, dem neuen CEO, an der Spitze des Weltkonzerns – Il Gruppo Cattolica, bildet, am Ende des ersten Arbeitstages, ein zweispältiges Bild ab. In Zusammenfassung, eine Summe von Wiedersprüchen, bis hin zur Schizophrenie, in einer Person vereint. Am Anfang steht die Überhöhung jedes ersten Schrittes, jeder ersten Geste – eine Überzeichnung die unweigerlich überfordert und am Ende des Weges, ganz menschennah, in Enttäuschung endet.

Der Mensch Jorge Mario Bergoglio geht den letzten Abschnitt seines Lebens, er wird sich neu erfinden und neu inszenieren – vielleicht tatsächlich in der Tradition eines Dienenden, im Geiste von Francesco d’Assisi. Sollte es ihm dabei gelingen, die roten Schuhe gegen Sandalen einzutauschen, schreibt er Kirchengeschichte.

Alles unter einem Hut. Was soll dieser Mann heute nicht alles sein? Ein Priester und Manger; ein Italo-Amerikaner und ein Americo-Europäer, der sowohl in der neuen, als auch in der alten Welt zuhause ist. Er kennt den Himmel und die Hölle beider Hemisphären gut, besser als viele andere. Er ist in Personalunion Argentinier und Italiener, in Rom wird er der Italiener aus Buoenos Aires sein und in der Welt, der Papst aus Argentinien. Er will Manager des Weltkonzerns – Il Gruppo Cattolica und Armenseelsorger zugleich sein. Er wird ein Mensch zum Lieben und zum Fürchten sein, touchable und unfehlbar.

Wir nennen ihn den lateinameriklanischen Papst. (Hätten wir gesagt: Horst Köhler ist der erste polnische Bundespräsident Deutschlands, weil er in Skierbieszów, ganz im Osten Polens geboren wurde?) Wem gehört der Papst?

Er ist ein Kind von Wirtschaftsflüchtlingen, die ihr Heimatland verlassen mussten, um in der neuen Welt am Rio Plate, der Perspektivlosigkeit und Armut Italiens zu entkommen. Vielleicht wird er sich dessen erinnern und den Millionen von Wirtschaftsflüchtlingen, in der weiten Welt, seine Stimme geben und für mehr Empahthie für ihre Situation werben?

Mit seiner Wahl zum Pontifex – Il Gruppo Cattolica – kehrt er nun, als Teil der größten comunita cattolica americana, entgültig zurück ins Land seiner Eltern, in die barocken Hallen des Vatikans und auf den Prunkthron des letzten, absolutistisch regierten Staates der Welt.

Der Pontifex ist, unteil- und unfehlbar, ist die Spitze des katholischen Esthablishments, ein Komplize der Macht, der Seilschaften und Ränkespiele und er soll ein Retter der Unerhörten, Schwachen und Ausgestossenen sein. Was für eine Überhöhung – wie barock!

Jetzt soll er im Vatikanstaat der Richter und Henker sein, der Bewahrer und Neuerer, der machtbewusste Herrscher und demütige Diener, der Macher und Kontrolleur, der ehrliche Büßer und der emphatische Philanthrop in einer Person?

Da wird der Papst schon die Schuhe wechseln müssen, denn baarfuß wird er nicht gehen. Er wird sich entscheiden müssen, oder gar am rechten Fuß den roten Schuh des Papstes und am linken Fuß die Sandale des Francesco d’Assisi tragen.

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