Samuel Estragon

Wer in der Schule lernt, das lyrische Ich wäre nicht mit der Autorin in eins zu setzen, ist erstaunt und dann stolz. Es liegt zunächst näher, sehr wohl genau davon auszugehen – besonders bei Gedichten oder bei biographisierender Prosa. Diese Vorstellung abzulegen, bedeutetet einen Abstraktionsschritt: stolz sind wir, weil wir uns freuen, dass wir zu ihm fähig sind. Aber irgendwie ist das Verhältnis von Autorin und lyrischem Ich – respektive auch von Erzählerin und Autorin – verwobener und seltsamer. Sie lassen sich im Grunde nicht so recht auseinander dröseln.

Vor allem gilt das, bei einem Roman, der in der Ich-Form erzählt wird. „Wie ich mir darüber klar wurde, war es schon zu spät. Ich hatte mich wohl zu sehr mit dem Gedanken angefreundet, mir keine Gedanken machen zu müssen.“ Wer sagt diese Sätze? War ich es und falls ja, wer ist ich? „Ich, Samuel Estragon, schreibe diesen Satz.“ Wer schreibt…

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