Rolf Hochhuth: …


Rolf Hochhuth: „McKinsey kommt – Molières Tartuffe“

Auszug:
Ein freundlicher Richter läßt uns hier reden,
weil das nichts bewirkt. Seit Gründung Bonns
war in unserer Verfassung nicht eingeplant,
daß dem Individuum auch wirtschaftlich Gerechtigkeit
zuteil wird. Wirtschaftlich hängt in unserem Staat
der einzelne nicht am Tropf der Justiz,
sondern an dem des Kapitals.
Wird mir ein Portemonnaie geklaut, kann ich vor Gericht
Gehen, wird einem der Arbeitsplatz geklaut,
gucken die Gerichte weg.
PETENTIN, aus der hintersten Reihe – der Reihe des Wetzels ge-
Genüber-, ist aufgestanden:
Nicht die Justiz – die Wirtschaft ruiniert den einzelnen!
Eine Verfassung, die mit keinem Paragraphen
Vor wirtschaftlicher Willkür schützt, ist Makulatur!
HILDE: Hohes Gericht! Felonie nannten unsere Vorfahren die Treulosigkeit des Herrn gegen seinen Knecht!
WETZEL: Untreue des Herrn gegen den Knecht ist, wenn Siemens 12 000 Stellen abbaut, doch zugleich eine
Gewinnsteigerung um 20 Prozent ausposaunt!
2 Milliarden in einem Jahr: Raubtierkapitalismus!
Hätten unsere Mitbürger noch Ohren, hätten sie auch
Angst, daß morgen sie „freigesetzt“ werden!
Wir sind eine nicht kleine Gruppe, die unserer Verfassung
Den Krieg erklärt: Die wurde vor einem halben Jahrhundert
Zwar guten Glaubens geschrieben, doch ohne Blick dafür,
daß die Rechte des einzelnen auch vor der Wirtschaft unter Verfassungsschutz gestellt werden müsse!
Niemand sah die heutige Allmacht der Wirtschaft
Auf den Nachkriegstrümmern voraus.
(via Ottmar Schreiner 1946-2013, YouTube 2011)

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