„I want my money back“


Hayek_Thatcher_Letter_1984

Margaret Thatcher ist tot, die eiserne Lady ist 87 Jahre alt geworden. Sie hat Britannien von 1979 bis 1990 als Premierministerin regiert. In den Nachrufen der konservativen Presse wird insbesondere hervorgehoben, dass sie das marode Land wieder auf die Beine gestellt und die verkrusteten Strukturen aufgebrochen hat, dass sie die vormals staatliche Institutionen privatisierte und die Macht der Gewerkschaften (Bergarbeiter) begrenzte.

Jetzt soll sie nach den Vorstellungen des heutigen PM David Cameron und Parteifreund ein Staatsbegräbnis zweiten Grades erhalten, dieses soll nach Schätzungen des Guardian zwischen 8 bis 10 Millionen £ kosten (=11.737.089,20€) – fürwahr ein bescheidenes Begräbnis.

Thatcher’s coffin will be drawn on a gun carriage of the King’s Troop Royal Horse Artillery from St Clement Danes church – the church of the Royal Air Force in the Strand – to St Paul’s cathedral. (Thatcher’s funeral)

Die Baronesse Thatcher soll mit 19 „gun salute“ geehrt werden und auch die Queen wird neben 2000 Gästen anwesend sein.

Thatcher galt als kompromisslose Politikerin, als Vertreterin der konservativen Sache, als eine Verfechterin des Ordoliberalismus, wie ihn u.a. Friedrich Hayek vertrat.

economic policy was to be consistent with market principles and adhere to the principle of subsidiarity – what can be regulated by the market should be regulated by the market”. (Speech Jens Weidmann)

Wirtschaftspolitisch wird in ihrer Regierungszeit der Begriff Thatcherism („mixed economy“) geprägt. Wäre es nicht in ihrem Sinne, wenn die Kosten für ihr Begräbnis von privater Hand getragen würden und nicht vom Staat?

Sie ging nach Brüssel und rief den Europapolitiker zu „I want my money back“ und handelte für die Insel Sonderkonditionen (Britenrabat) aus. So flossen bis dato 85 Milliarden £ zurück an die Schatzkanzler in London. 

Selbstverständlich ist auch die Politik von Margaret Thatcher nicht frei von Widersprüchen. Ein Blick auf die Kosten des Falklandkrieges sei erlaubt, er  wird auf 2,5 Milliarden £ beziffert. Ein Markenzeichen rechts-konservativer Politik ist es einerseits für das Haushalten bei den Sozialausgaben die Lanze zu brechen und andererseits bei den Ausgaben für die Sicherheit keine Grenzen zu kennen.

In Abwandlung des Satzes „I want my money back“, würden mehr als 100 Mütter und Ehefrauen in England sagen: „I want my son back“ of „I want my husband back“. Der Krieg im fernen Südatlantik war ein symbolischer Kampf, es ging nicht um die Verteidigung existentieller Interessen des Königsreichs, er war absurd und unsinnig. Der Nutzen der einst so umkämpften arktischen Inseln rechtfertigt nicht den finanziellen Aufwand und die aktuellen Unterhaltskosten, die mit den 500 Millionen £ p.a. an gegeben werden. Mit dem Geld könnten andere, wichtigere Maßnahmen für die Infrastruktur des Vereinigten Königreichs finanziert werden.

Margaret Thatcher behielt den besonderen britischen Blick auf die Welt, bezog sich auf den Kriegs-Premier Winston Churchill, wie anmaßend das auch immer war, sowohl bei ihrer Europapolitik, bei ihrer Haltung zur deutschen Wiedervereinigung, als auch bei der Entscheidung einen Haufen von Quarzitfelsen im Südatlantik zurück zu erobern. Schon aus Prinzip konnte sie nicht ohne Widerspruch den wachsenden Einfluss Brüssels, die Phantasien Kohls und Mitterands, und den Überfall der argentinischen Junta hin nehmen, auch wenn sie viel von der Härte in Verhandlungen letztendlich aufgab, wie bei der Frage der Wiedervereinigung Deutschlands.

Sie konnte sich einen völlig überflüssigen Krieg leisten, denn sie hatte die Rückendeckung der britischen Öffentlichkeit, anders als der spätere Premier Tony Blair, bei seiner Beteiligung am völkerrechtlich fragwürdigen 2. Irakkrieg.  Mit der Privatisierung der Staatsbetriebe wie z.B. British Telecom, British Petroleum oder British Airways, und dem mit der EU ausgehandelten Britenrabatt, hinterließ sie am Ende ihrer Amtszeit einen ausgeglichenen Staatshaushalt, bei einer Inflationsrate von 10%.

Die Briten waren für oder gegen sie, was jetzt auch in der Woche der Trauer deutlich wird. Sie war für die einen die Hexe, die Inkarnation einer dunklen Macht und für die anderen die Lichtgestalt des Aufbruchs in eine neue Zeit.

Wenn Thatcher jemals wankelmütig gewesen ist, so konnte sie diese gut kaschieren. Entschlossenheit und der zu Schau getragene Eigensinn waren ihr Markenzeichen. Eigene Unsicherheiten, Zweifel und die Dilemmata der Realpolitik, die der Natur der Sache nach bestanden, verbarg sie vor der Öffentlichkeit. Für diese behielt sie immer die Kontrolle und Orientierung, sie schien sich im Gestrüpp der Politik nie zu verirren, obwohl auch sie den Gesetzen der Entropie und Unschärferelation unterlag. Selbstverständlich irrte M.T. in ihren Analysen und war nicht gefeit vor dem Scheitern, doch sie thematisierte es nicht öffentlich. Es kondensierte vielleicht an den Rettungsmaßnahmen und Interventionen, wenn es galt dem Sohn oder der Tochter zur Seite zu stehen.

Margaret Thatcher inszenierte sich, sie betrat die Bühne mit einer Haltung die von einer zuvor bestimmten Absicht bestimmt war, ihre Auftritte waren professionell geplant, so war sie sich der medialen Wirkung bewusst und überließ diesen nicht dem Zufall. Beim Amtsantritt, auf den Stufen von Downing Street 10 zitierte sie Francesco d’Assisi. („Wasser predigen und Wein trinken!“)

„Where there is discord, may we bring harmony. Where there is error, may we bring truth. Where there is doubt, may we bring faith. And where there is despair, may we bring hope.“ (BBC On this Day 4.May 1979)

Sie überließ es nicht anderen ihre Politik zu erklären, sie führte das Wort und bestimmte den Ton, behielt die Zügel in der Hand, bis ihre Parteifreunde diese ihr nach 15 Jahren wirklich aus der Hand nahmen. Das Kohl sie fürchtet ist nachvollziehbar, seine politischen Charakter schien sie zu durchschauen und sie ließ sich auch nicht von seinem Impetus blenden.

In dem von Männern dominierten Politikbetrieb bewies sie Menschenkenntnis und eine Klarheit, die von Furchtlosigkeit gegenüber den Männern geprägt sein musste. Sie beherrschte die Klaviatur der Männer, von Reagan bis Gorbatschow, sie wurde von ihnen respektiert und gefürchtet.

In den 80iger Jahren war sie, wie Merkel heute, die mächtigste Frau der Welt. Der Führungsstil der beiden Frauen kann nicht unterschiedlicher sein. Von Merkel wissen wir, das sie sich Katharina II. von Russland zum Vorbild genommen hat. Margaret Thatcher scheint keine Blaupause gebraucht zu haben, – sie war sich wohl selbst genug in ihrer Unerschütterlichkeit. Ob sie ein Mythos war, werden die nächsten Jahre zeigen. Vorerst trauert und feiert ein Teil der britischen Öffentlichkeit das definitive Ende ihrer Ära. RIP M.T. 

But last not least, that is very british! (read more)

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