Ernster Genuss


Samuel Estragon

Turgenjew beschreibt in seiner Erzählung Gespenster eine Frau, die eine italienische Arie singt. Sie lächelt und doch trägt ihr Ausdruck Züge von Ernst und Strenge. Diese werden als Kennzeichen vollkommenen Genusses bezeichnet. Und er hat wohl recht damit. Der unmittelbare Genuss der sinnlichen Reize von Kunst reicht nie heran an den Genuss – eine Art Genuss zweiten Grades – der durch den ernsten und konzentrierten Nachvollzug der Dynamik des Werkes abfällt. Er springt gewissermaßen nebenbei heraus, denn den Nachvollzug verlangt das Werk ohnehin, nicht um des Genusses willen.

Dieser Genuss ist der Lust am Denken eng verwandt. Denn auch Denken macht erst Spaß, wenn es im Ernst ist. Wenn es – so scheint’s fröhlich – vor sich hin denkt, ist es eine öde und langweilige Beschäftigung. Deshalb wohl die Skepsis gegenüber denen, die sich wünschten dumm zu sein, die Denken traurig macht.

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