Neutralisation


Samuel Estragon

Identifikation mit Kunst ist mitunter eine Gestalt der Abwehr. Wer von einem Werk sagt, es gefalle ihr, deren Urteil ist gefällt. Wer entschieden hat, muss nicht mehr prüfen und wägen und denken. Das Urteil bildet den scheinbaren Abschluss der Reflexion, lässt sie meist aber gar nicht erst aufkommen und wäre noch dann mit Skepsis zu betrachten, ginge ihr ernste Beschäftigung voraus.

Indem gedanklich ein Ranking erstellt wird, nähern sich die Werke virtuell einander an, werden gleich gemacht, um vergleichbar zu werden. Ihnen wird ein Niveau oder dergleichen zugeschoben, das zu besitzen sie mit allen anderen Werken gemeinsam hätten, das bestimmt werden könne und dann erlaube, die Stücke zu ordnen. Findet sich kein verbindliches Kriterium, taugt dazu – und das ist kein Zufall – der Preis.

Das gegenteilige Verhalten wäre übrigens genauso falsch: die Werke einfach für das zu nehmen, was sie sind, ihnen vorurteilslos und mit neutraler Miene gegenüberzutreten. Ihre…

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