1. September 2013: „There you go again!“


There you go again„, war die Antwort Ronald Reagans auf Jimmy Charters Ausführungen über die Notwendigkeit der Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung. Reagan gewann die Debatte und die Präsidentschaftswahlen 1980. Die US Amerikaner sollten erst 30 Jahre später mit Obama 2010 eine Health Care Reform erhalten (PPACA).

Heute jährt sich zum 74. Mal der Beginn des 2. Weltkrieges. Selber stehen wir vor einer neuen Kriegsgefahr im Nahen Osten und in 22 Tagen können 62 Millionen Deutsche einen neuen Bundestag wählen. Die Kanzlerin trifft ihren Herausforderer zum sogenannten TV-Duell.

Aber duellieren sich hier zwei Kontrahenten? Steigen sie wirklich in den Ring zu einem offenen Schlagabtausch?

Nein, denn was wir erleben werden ist kein Duell sondern ein Duett. Die beiden stimmen sich ein auf die kommenden vier Jahre. Was mecker‘ ich? Muss ich hier den Miesepeter spielen? Ist ein Duett nicht allemal besser, als ein Duell?

Nein, denn mir ist jetzt schon übel, mein Mund voll und ich weiß nicht welchen Brocken ich zu erst ausspucken soll, wenn ich an das Duett von heute Abend denke.

Die beiden Hanseaten kennen sich gut, schon einmal hielten sie wie Pech und Schwefel zusammen, als sie uns in voller Inbrunst „alle Spareinlagen der Deutschen seien sicher“ vor sangen. Die Garantieerklärung war eine PR-Finte, wie die Rettungsschirme für Griechenland, das Wachstumsbeschleuniges-gesetz usw.

Später korrigierte die promovierte Kanzlerin ihre Garantieerklärung, so wie sie es wirklich gemeint hatte, denn nur im politischen Sinne wären die Einlagen sicher. Schön das wir darüber geredet haben.

Wie war das nochmal gemeint, wir haben am 22. die Wahl – ganz bestimmt nicht! Bin ich im Stummfilm, dürfen wir nur Gesten machen, aber bitte ohne Ton? Was wir noch zu sagen hätten, dauert mehr als eine Zigarette und ein Glas im Stehen.

Hier braut sich was zusammen, wird eine Mixtur vorbereitet, die wie ein Wolkenbruch über uns nieder gehen wird. Der damit verbundene Niederschlag wird uns ordentlich einnässen. Wir stehen vor der Banken- und Finanzunion, die diese beiden Protagonisten unbedingt brauchen, um ihre Vorstellungen von einer politischen Union Europas wahr werden zu lassen. Dabei spielen wir Bürger Deutschlands eine lustige Statistenrolle. Die des Wirtschaftsprimus und des Bösewichts.

Die Adjutanten haben dieses Duell gut vorbereitet. „There you go again“, wird nicht der Schlüsselsatz sein, der den Peer ins Kanzleramt katapultiert. Alles entscheidet sich an den Fragen, hat einmal die Kanzlerin gesagt, da hat sie recht! Wer die Fragen kontrolliert, hat auch die Themen unter Kontrolle. Die Story zählt und nicht die Fakten.

Welche Rolle spielen in diesem Stück die Journalisten? Küppersbusch statt Raab wäre ein netter Anfang gewesen. Mr. Gute Laune und immer einen flotten Spruch auf der Zunge, wird die Erwartungen an ihn enttäuschen, weil es werden die Pferde mit ihm nicht durchgehen, denn er wird sich nicht trauen, alles aufs Spiel zu setzen. Wird er vor 20 Millionen wirklich mal nicht die Goschn halten beim Thema Wahlversprechen und Politlügen? Stefan Raab ist kein Beppe Grillo, kein Adriano Celentano. Raab ergreift nicht Partei, es sei denn für sich selbst und das ist hier gute Tradition. Deshalb verwette ich meinen Allerwertesten, am Montag reden wir nicht über einen Eklat den Raab vom Maschendrahtzaun gebrochen hat, sondern davon, dass Peer und Angie gleich auf waren und der Herausforderer besser abschnitt, als erwartet. Und natürlich, wir haben uns alle lieb!

62 Millionen Wahlberechtigte werden am Nasenring herum geführt, wie der Ochse über den Markt. 20 Millionen werden sich verweigern und an den Wahllokalen vorbeigehen und der Rest wird im „Circus Maximus“ applaudieren. Wozu Teilhabe und Mitbestimmung, wenn wir es alleine doch viel besser können? Raab wird nicht beißen, Anne Will und die anderen schon gar nicht. Er wird auch nicht fragen, wer 2014 EU-Präsident wird und ob die Deutschen in einem Referendum über die Banken- und Finanzunion entscheiden.

Wir leben in postdemokratischen Zuständen, die Strom- und Benzinpreise steigen weiter, der Krieg in Syrien bekommt mehr Zunder und treibt noch mehr Menschen in die Flucht und ob ich nun wählen gehe oder nicht, ändert daran rein gar nichts.

Heute Abend habe ich die Wahl, ich werde dem Leben immer einen Whisky voraus sein.

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