It’s my fault – die Qual der Wahl


Es war mein Fehler. Wieso sind Wähler so beratungsresistent?
Wieso haben wir den schön eingefärbten Plakaten der Liberalen nicht geglaubt,  die uns doch so selbstlos vor rotrotgrün retten wollten, damit wir Schwarz-Rot-Gold bleiben –, goldig sind die Liberalen, goldig ihre Jüngelchen, die wie aus dem Ei gepellt sind. Wieso haben wir dem redseligen OPA nicht glauben wollen, der unter Aufopferung seiner letzten Kräfte uns vor dem Verlust unserer letzten Bürgerrechte behüten wollte? Wieso?  Mit der zweiten Stimme wählst du Merkel –, gut das er uns das noch einmal in Erinnerung gerufen hat. Es hat gewirkt, die Mehrheit hat mit der Zweitstimme nicht für die Kanzlerin gestimmt, aber auch nicht für die Alternative. So ist’s, wenn sich der Wähler als beratungsresistent erweist, wenn der Wähler nicht hören will.

Wer hat da jetzt die Qual der Wahl? Wie aufgescheuchte Hühner rennen jetzt die Politiker durch die Sandbüchse, manche werden sich wohl im Grunewald verlaufen oder gar im Schlachtensee in den Tod stürzen wollen. Herr der Märkte, bewahre uns vor diesem flatterhaften Federvieh, möchte man da sagen. Aber welchen Herrn rufe ich da an? Wer ist so blank & fein, wer sind hier die grauen Herren, die ominösen Demokratiediebe?

Sie sagen, die Stücklohnkosten seien in Deutschland immer noch zu hoch. Sie sagen, das Bündnis der Grünen sollte mit den Schwarzen koalieren. Sie sagen, die Sozialdemokraten sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Sie sagen, mit denen nicht.  Sie sagen, die Freiheit das sind wir. Sie sagen, das ist der Auftrag der Wähler. Das Wir entscheidet. Ach so, und so geht es weiter. Wir sind der Wohlstand. Wir sind das Glück. Mit uns geht es auf- und sogar vorwärts. Das Wir, ist Herr des Verfahrens! Wer hat’s gemacht? Das Wir!

Es war unser Fehler. Wieso sind Wähler so beratungsresistent?
Wir haben uns dieses Parlament gewählt und jetzt wissen wir, wie sie das gemeint haben, mit dem Wir. Wir sollten sie immer beim Wort nehmen und nicht denken, das sind leere Worthülsen oder nur griffige Slogans.

Wir haben euch den Schönredner Peer vor die Nase gesetzt, wie die moralinsaure Katrin, die besser wissende Renate, die empörte Claudia, den zwiespältigen Jürgen und ihnen gegenüber steht die diskrete und wohlwollende, uneigennützige Angie. Ihr hattet die Wahl. Ihr musstet euch nur bedienen, wie wenn ihr am Kühlregal nach Fertigprodukten greift.

Die Haare immer schön und die Kette immer passend, die Kostüme, wie die der König von England pastellfarben. Wenn wir die Wahl haben, mit wem wir übers steinig Geröllfeld gehen, ob mit dem Peer oder der Angie, dann folgen wir lieber dem Engelsgesicht. Das haben wir gelernt, nimm nicht von dem Vater, nimm das. Die Kinder der vaterlosen Gesellschaft wählen nicht Peer, wenn sie doch Angie wählen können. Wären sie als Duo angetreten, dann hätte beide die absolute Mehrheit bekommen – ups, ach das haben sie ja! Das Volk wählte sein Tandem. Und wieder ist es der „lonsome-man“, der es nicht einsehen will und lieber davon reitet und die Familie sich selbst überlässt, weil er ja die Welt retten muss, so verschwindet Peer im rot verfärbten Horizont einer hügligen Bergkette im Westen.

Helmut Schmidt hatte ihn uns ans Herz gelegt, wie einst die Pershing II Raketen in die Bunker des deutschen Hochwalds. Und wie damals, hatte er nicht recht, weil es dann doch anders kommt, als die hellmutigen zu denken wagten.

Es war unser Fehler. Wieso sind Wähler so beratungsresistent?
Wir wissen doch alle, wenn wir wirklich die Wahl hätten, dann wählten wir uns einen König oder sogar die ganz mutigen einen Kaiser. Die Wulfs hätten wir geadelt, wie einst die Schweden den französischen Bürger Bernadotte zum Thronfolger erklärten. Noch besser die zu Guttenbergs, mit der Enkelin aus dem Hause Bismarks – beide wurde von bösen Kräften verbannt. Die ersten zerriss es und die letzteren leben im amerikanischen Exil. Die Verbannten kehren in der Regel zurück und der Wunsch nach unserem König wird niemals verblassen, besonders wenn er reich und schön ist. So stark ist die republikanische Seele in Deutschland nicht. Schon wegen des Prunks und Protokolls stände es uns gut an, irgendwann wird ja auch das alte Schloss der Preußen wieder auferstehen und dann, wenn Berlin das anerkannte politische Zentrum Europas wird, dann wird es auch Zeit, für Deutschlands König, der neben der europäischen Präsidentin herrscht. Alles Unsinn, alles Quatsch – ja, das Wir spinnt sich eine Welt zu recht, wie es ihm gefällt und wir schauen mit Spannung, wo das Wir in 25 Jahren steht?

Die Guttenberg‘schen werden zurück gerufen werden und sie werden uns zu neuen Ufern führen, auch weil wir Berlins Glamour lieben. Berlin erwacht, wenn es glänzt und glitzert. Berlin ist nicht dafür gemacht nüchtern zu sein. Und die Amerikaner und die Russen werden es lieben – they love it. Die Wahre Macht ist die Achse Berlin-Moskau-Peking, das ist die Eurasische-Union des 21.Jahrhunderts. Geprägt vom Geist Karl Marx und Ludwig Ehrhards.

Es war unser Fehler. Wieso sind Wähler so beratungsresistent?
Und glaubt ihr wirklich das Schicksal Deutschlands entscheidet sich an der Frage der sozialen Gerechtigkeit, am Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, an der Mietpreisbremse, am Mindestlohn von € 8,50 oder doch an der Frage, wer kontrolliert die Geldsysteme, wer ist Herr über Gold und Geld?

Das Wahlergebnis vom 22. September ist kein Irrtum, ist kein Zufall, keine wirkliche Überraschung. Die Republik ist schwarz, mit roten Inseln in der Mitte, Linksaußen und gut abgegrenzt im Osten. Schwarzrot so ist das Land, goldig gar nicht mehr. Und die Wähler sind beratungsresistent.

Nichts geht, wenn es nicht europaweit geregelt wird, nichts macht Sinn, wenn es nicht in Gesetze gegossen ist, die für ganz Europa gelten –, denn eine Mietpreisbremse, ein Mindestlohn, die Lösung der Frage der Gerechtigkeit wird keinen Sinn machen, wenn es keine europäische Regierung gibt, die diese Fragen transnational ausagieren. In acht Monaten steht die Wahl zum Europaparlament an. Wer dieses Land regiert macht Deutschland fit für Europa. Dafür braucht es grundsätzliche Entscheidungen, braucht es eine Zweidrittel Mehrheit und die haben CDU und SPD, und das in beiden Kammern. So macht man Politik. Offen bleibt nur noch, wie die damit verbundenen Entscheidungen an den Wähler verkauft werden, ohne die Mehrheit zu verschrecken. Da sind dann wieder Begriffe gefragt, die wie Öl den Motor, die Hirnwindungen schmiert. Begriffe die mit Schirm, Brücke, Mantel, Bremse oder gar Impfung enden. Begriffe die unser Aller Sicherheitsbedürfnis ansprechen.

Apropos soziale Gerechtigkeit. Welchem Geist entspringt die Idee, die Welt könne gerecht sein? Wer euch das eingeredet? Mephisto? Eines ist doch klar, wenn diese Welt etwas nicht sein kann, dann ist sie nicht gerecht. Hunger und Armut -, ohne Gier keinen Hunger, ohne Reichtum keine Armut -, sorry, das ist so was von redundant. So war’s eben ‚immer‘ schon, so wird’s eben auch ‚immer‘ sein. Die Schicksalsfrage des Planeten wird nicht mit dem Überleben auf dem Mars entschieden. 

Es war unser Fehler. Wieso sind Wähler so beratungsresistent?
Erfolgreich ist, wer diskret und risikofreudig handelt, wer ins Gewinnen verliebt ist, wer mutig und dominant statt moralinsauer, schönredend und besser wissend daher kommt. Wer dann auch noch unaufdringlich und medienscheu rüber kommt hat die Macht auf seiner Seite, darf Herr des Verfahrens sein.

Es war mein Fehler. Wer würde nicht gerne so sein, verliebt ins Gewinnen statt die Qual der Wahl zu haben? Denn wir wollen jubeln, weil jubilieren so viel besser ist, als alles andere, als klagen und bedauern. Lasst uns jubilieren und triumphieren. „An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit“

Wir sind Deutschland. Wir sind Europa. Wir sind die Freiheit. Wir sind stark. Wir sind Hoffnung, Licht und Glückseligkeit. Das Wir ist fru(ur)chtbar. Wir sind wir.

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