Denk ich oder fühl ich, also bin ich!


René_Descartes

Ich will jetzt meine Augen schließen, meine Ohren verstopfen und alle meine Sinne ablenken, auch die Bilder der körperlichen Dinge sämtlich aus meinem Bewusstsein tilgen, oder doch, da sich dies wohl kaum tun lässt, sie als eitel und falsch gleich nichts achten; ich will mich nur mit mir selbst unterreden, tiefer in mich hineinblicken und so versuchen, mich mir selbst nach und nach bekannter und vertrauter zu machen. (via satyamnitya)

Ein Text der dem breiteren Publikum eher unbekannter ist. Die Zeilen offenbaren den zweifelnden Philosophen. Ein ganz andere Satz ist uns von ihm vertraut: “Cogito ergo sum”. Mich hat dieser Satz nie wirklich überzeugt, ich empfinde ihn als plakativ und beliebig. Ich will von Aussagen angestiftet werden weiter zu denken, nachzulesen, zu bohren und neue Fragen zu stellen.

Denken heißt also über die bloße Interpretation hinaus die Wirklichkeit zu beschreiben. Denken ist prozess-, handlungs- und sachorientiert. Der Satz von Descartes soll, so die philosophische Rezeption, den Menschen aus der mystischen in die reale, selbstbestimmte Welt führen; und er findet wohl seine Vollendung letztendlich in Kant’s kategorischem Imperativ. Also, den Menschen von der Mystik befreien und sein eigenes Urteilsvermögen ins Zentrum rücken, doch inzwischen wissen wir, dass dies, gut belegt durch die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung, ein vergebliches Unterfangen ist, denn was das eigene Urteilsvermögen betrifft, sind wir Knechte unseres Unterbewussten, das längst entschieden hat, bevor wir uns dessen ursächlich selbst bewusst werden. Selbst ausgeklügelte Methode sind von unserer ganz individuellen Art und Weise der Betrachtung beeinflusst.

Ein  Wimpernschlag und uns steigt die Röte ins Gesicht. Ein Augenblick, was kann der nicht alles auslösen. Wie oft hab ich das schon in der Straßenbahn gemacht, im Vorbeigehen und wie oft hat mich das Zwinkern des Anderen innehalten lassen und alle anderen Gedanken vom Tisch gewischt. Ach ja, wer bin ich, wenn ich bin und nicht aufhöre zu sein?

Waaaas soll das bedeuten in fremden Gärten zu wildern? Haben wir keinen eigenen Garten, fällt uns nichts mehr ein, was wir anbauen könnten? Haben wir Probleme  mit der Erkenntnis? Ach nein, es ist ja schon alles gesagt, insofern sind alle Rückgriffe erlaubt.  Und ach ja, die Welt neu erfinden, nicht neue Weltbilder, sondern die Bilder neu. Mal losgelöst von der Einheit von Raum, Zeit und Personen, zerschlagen wir die Bilder und setzen sie neu zusammen. Ist nicht alles Medium, auch wir, Du und Ich, wir Trägermaterial und Kondensationsfläche? Der Ruf nach der Mystik folgt dem Ruf nach der Ratio und umgekehrt. Alles zu unserer Bequemlichkeit eingerichtet. Wir überschauen und durchblicken nichts, nur in Vergleichen erkennen wir, mal weniger, mal mehr. Hochmütig und jämmerlich zu gleich – wie kann das sein? Anthropozentrische Lautmalereien. Brauch ich Weltbilder, Religionen um mein Leiden, meine Schmerzen beim Namen zu nennen? – Ich fühle, also bin ich. 

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