Auch eine Faust war einmal eine offene Hand


I/2
Von Dreien oder Vieren im Zimmer

Von Dreien oder Vieren im Zimmer
steht immer einer am Fenster.
Muß das Unrecht sehen zwischen Dornen
und die Brände am Hügel.
Und wie Menschen, die tags unversehrt ausgingen,
abends zurückgebracht werden wie Restgeld nach Haus.

Von Dreien oder Vieren im Zimmer
steht immer einer am Fenster.
Über den Gedanken sein dunkles Haar.
Hinter ihm die Worte.
Vor ihm wandernde Stimmen ohne Gepäck,
Herzen ohne Wegzehrung, Prophezeiungen ohne Wasser
und große Steine, die zurückgebracht wurden
und verschlossen wie Briefe, die keine
Adresse haben, keiner empfängt sie.

II/2

Der Ort, an dem wir recht haben

An dem Ort, an dem wir recht haben,
werden niemals Blumen wachsen
im Frühjahr.

Der Ort, an dem wir recht haben,
ist zertrampelt und hart
wie ein Hof.

Zweifel und Liebe aber
lockern die Welt auf
wie ein Maulwurf, wie ein Pflug.

Und ein Flüstern wird hörbar
an dem Ort, wo das Haus stand,
das zerstört wurde.

Yehuda Amichai

Aus dem Hebräischen von Lydia und Paulus Böhmer
mehr Lyrik von Yehuda Amichai via @poemhunter;
z.B. Love of Jerusalem oder die Transkription aus dem
Hebräischen ins Niederländische von Asher ben Avraham

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