Fairplay und der Fall Hitzelsberger


“Sport ist Körperkult und wer dem Keuschheit unterstellt, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann.”

„Das ist der Grund, weshalb der Sportler nur schlecht über Sexualität sprechen kann. Der Sportler ist an Fairness interessiert und fürchtet sich vor der Unfairness des Publikums, denn seiner Unfairness ist er hilflos ausgesetzt. Das hängt damit zusammen, dass man Fairness nicht durchsetzen kann. Fairness entsteht nicht durch Kampf, sondern wird grundlos geschenkt und sie wird genauso grundlos versagt. Darum spricht er nicht über Sexualität, weil gerade die Sexualität Fairness weder schenkt noch raubt. Sexaultität ist nicht zivilisierbare Gier, Fairness ist dagegen Realutopie aller Zivilisierung.“
via @KlausKusanowsky

Nachrichten werden gemacht. Auch die vom Outing des Fussballers Hitzelsberger. Protagonisten dieser Nachrichten waren die Zeit und der Guardian. Bisher ist mir Hitzelsberger, mit seinem sozialen Engagement für Kinder im Township Khayelitsha vor den Toren Kapstadts aufgefallen. Fußball spielend ist er mir nicht präsent und das liegt auch daran, dass ich diesem Mannschaftssport nie wirklich etwas abgewinnen konnte. Diese Jagd nach einem Ball, Pille genannt, der in ein übergroßes Tor, Kasten genannt muss und diese ganze Gesänge, ich meine die Brüllerei auf den Rängen. Aber darum geht es gar nicht.

Nachrichten werden gemacht. Auch die Nachricht vom Hitzelsberger’schen Outing, eigentlich einer Kommunikationsstörung des Mannes, begleitet von überschwänglichen Lobgesänge des mediale Establishment. Ausnahmslos begrüßen sie diesen Schritt, als ob es darum ging den 100 jährigen Krieg zu beenden. Es fehlen nur noch spontane Autokorsos auf dem Kuhdamm und dem Köllner Ring, mit Hupkonzert und flatternden Regenbogen Flaggen.

Das Netz reagiert abwechseln mit Spott und Applaus. Tragen wir es mit Humor, siehe Bundes-Jogi. Und was ist mit mir, bin ich Homophob? Bestimmt, sowie die politische Kaste Anarchophob ist und wenn das damit zu tun, dass Privates in aller Öffentlichkeit, wie eine Monstranz vor sich her getragen wird. Wer, wen, wann, wie, wo fickt ist mir gleich, Hauptsache die Liebe ist nicht gewalttätig und erniedrigt nicht. Nur bei meiner Mutter, meiner Frau und meinen Kindern ist es mir nicht egal, wer, wie wen wo, was und weshalb f..

Die ganze Inszenierung dieser Nachricht, inklusive der völlig überflüssigen Kommentare ist aufdringlich und unangemessen. Was für eine Mission treibt die Redaktionen? Ich musste abschalten, um mir diesen Stuss nicht anhören zu müssen, was ist das für eine Nachricht – es grüßt das Boulevard mit erhobenem Zeigefinger! Demnächst flattern uns mulible choice Fragen ins Haus, wie beim Mikrozensus und wir werden dahin gehend überprüft, ob wir unsere Toleranzlektionen gelernt haben.

Leider habe ich Angst vor Bürgermeistern, vor Außenministern, vor all jenen, ob Weib oder Mann, die ihre sexuellen Präferenzen nicht bei sich behalten können. Ich freue mich für alle, die ihre Liebe gefunden haben und glücklich sind, als politische Botschaft sind mir solche Nachrichten ein Graus und unerträglich. Und wer dann auch noch von Mut spricht, schlägt dem Fass den Boden aus. Was, bitte ist daran mutig? Droht Meister Hitzelsberger 20 Jahre Haft, die Ausweisung aus dem Vereinigten Königreich, die Enteignung durch die Fifa oder Berufsverbot durch den DFB. Nix da, der Mann ist nicht mutig, der Mann ist Mittel zum Zweck. Eine Vorlage für eine dummdreiste Kampagne, die nichts mit Toleranz und Freiheit zu tun hat. Man kann im Leben soviel verpassen, wieso muss ich mir diesen Schmarn gefallen lassen? Nein diese Lobgesänge sind unerträglich und zum kotzen.

Aber, wie immer im Leben, hat auch dieser Unsinn sein Gutes. Deshalb auch das Zitat am Anfang des Textes, der aus dem Dialog mit dem Autor des Blogs stamm, den ich über meine Timeline kennen gelernt habe. Ein kluger Artikel zum Thema, den ich wärmstens empfehle, auch wenn ich von der Deutung letztendlich nicht überzeugt bin. Aber lesen sie selbst Homosexualität und Fussball – über sexuelle Kommunikation und Sport.

Und wie immer im Leben taugt die Realität für allerlei Projektionen. diese ist um so interessanter, weil ich anzweifele, das es Sportlern bei der Ausübung ihres Sportes um Fairness geht. Fairness ist das letzte was Sportler antreibt. Ich sag nur Tour de France, was hat Lance uns da ordentlich zum Narren gemacht. Fairness und Fairplay sind Nebelkerzen, sind Ausreden, für ein ganz elegantes Täuschungsmanöver. Auf dem Siegertreppchen steht einer, obwohl er das Meisterstück gar nicht alleine vollbracht hat, Eine ganze Entourage hilft beim Siegen. Und sie singen – „So sehen Sieger aus“, aber die wirklichen Helden des Erfolgs bleiben im verborgenen. Fragen wir Toxikologe, was sie zum Sport zu sagen haben und mit dem Thema Fairplay sind wir schnell am Ende.

Wenn Sport Religionsersatz  ist, dann hat der Faschismus sein Ziel erreicht, dann sind die Vorstellungen einer Leni Riefenstahl wahr geworden. Wer meint Sport sei keusch, wie ein Säugling, der glaubt auch an die unbefleckte Empfängnis. Es mag ja Politiker und Sportfunktionäre geben, die dem Sport diese Rolle andichten, aber andererseits auf den Rängen sitzen Menschen denen es Freude und Lust bereitet, zu zusehen, wie Männer hinter einer Pille her rennen und dabei immer wieder obszöne Gesten machen, sich in die Beine krätschen und vor Freude umarmen. Wer liegt da nicht alles wem, nach jedem Treffer in den Armen, wer sucht da nicht Körperkontakt und Nähe, wer befriedigt da nicht alles seine unerfüllten Wünsche nach Überwindung alles trennenden. Nähe ist alles und das Tooooor, ist eine beruhigende Rechtfertigung einander anzufassen. Das macht Lust auf mehr und wer auf den Sportplatz und die Arenen geht, der sucht genau diese Nähe zu Männern, wenn es anders wäre, dann säßen da überwiegend Frauen und nicht Männer. Der ganze Mannschaftssport ist eine einzige Ersatzbefriedigung, für nicht befriedigte Lust und das ist gut so. Und noch ein Mal Klaus Kusanowsky:

„Über Sport zu sprechen ist sehr leicht und muss leicht sein, was für Sexualität nicht gilt.“

Worum geht es bei diesem Eiertanz? Natürlich geht es um Kommunikation, und um das Wissen und die Tatsache, dass alle es wissen, aber keiner über das Wissen sprechen will. Unterschieden wird die öffentliche und private Kommunikation. Sex ist privat und Sport öffentlich. Sanktioniert wird nicht die Tat, die Liebe zwischen zwei Männern, sondern die Verletzung der Privatsphäre. Es geht keinesfalls um den Inhalt, es geht um die Form. Privat bleibt privat und die sexuellen Vorlieben gehören nicht in den öffentlichen Raum. Und genau darum geht es – wird das Private immer mehr verdrängt, werden wir demnächst in Bewerbungsbögen angeben müssen, ob wir bi, hetero oder homo sind? Es gibt Transparenzfetischisten die genau das wollen – ich will das nicht!

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