Pädophilie zwischen Opferschutz und Täterhilfe


„öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht oder herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist,
einzuführen oder auszuführen unternimmt“

Wer pornographische Schriften, die sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern zum Gegenstand haben, verbreitet macht sich strafbar. Strafbar macht sich auch, wer „bewusst und gewollt eine Internetseite mit kinderpornographischem Inhalt aufruft und auf seinem Bildschirm betrachtet.“ (Quelle FAZ, 15.02.2014)

Das ist eine recht weitgehende Strafbarkeit. Wieso sind die Neugierde und das Wissenwollen strafbar? Mit dieser Rechtsprechung wird die Neugierde bestraft, schon das Wissen wird damit zu einer strafbaren Handlung. Meines Erachtens wird hier über das Ziel hinaus geschossen.

Nacktbilder der eigenen Kinder, ein No-Go

Andererseits bleiben der Austausch und die Verbreitung der Nacktfotos der eigenen Kinder straffrei. Wieso? Dabei könnte man hier, zu recht und ohne wenn und aber fragen, ob nicht auch hier schon Persönlichkeitsrechte des Kindes verletzt werden. Halten wir Inne und fragen uns, in welchem Zeitraum entwickelt sich das Schamgefühl von Kindern? Welches Kind will schon gerne nackt fotografiert werden? Was ist das für eine elterliche Haltung, wenn die eigenen Kindern nackicht im Garten tollen und der Vater/ die Mutter dann die Kamera zückt und das Treiben fotografiert? Wer ist da der Voyeur? Ist das im besten Interesse des Kindes?

Wir sollten lernen anders über dieses sehr fragile Thema zu reden und aus der Sicht des Kindes die Strafbarkeit zu bestimmen. Wieso sollte die Weitergabe von Nacktbildern der eigenen Kinder keine Verletzung der Persönlichkeitsrechte darstellen, ist das religiös begründet? Nein, es ist meines Erachtens Ausdruck der Desensibilität der Eltern für die kindliche Intimität.

Stellen wir uns die Neugierde von Jugendlichen im Alter von 12-21Jahren vor, die sich zu diesem Thema informieren wollen und per Klick absichtlich oder unabsichtlich auf diese Seite gelangen, machen diese sich dann strafbar? Ich hoffe nicht!

Sperren und diskriminieren

Andererseits sollten Seiten mit solchen Inhalten gesperrt werden. Algorithmen sollten diese selektieren können und anzeigen. Außerdem sollten jegliche persönliche Bilder von Kindern nicht im Netz veröffentlicht werden dürfen, da wir nicht sagen können, dass dies mit Zustimmung der Kinder selbst erfolgt. Wieso nicht das strafbewähren?

Über das Schamgefühl

Das Schamgefühl ist ein sehr diffiziles Gefühl. Was für den einen schamlos ist, ist es für den anderen nicht. 80% der Kinder will nicht einfach fotografiert werden, strecken die Zunge raus, wenden den Kopf ab und machen im besten Fall Faxen, um nicht fotogen zu erscheinen. Eltern sollte sich dessen bewusst sein. Auch der Besuch eines FKK Events mit Kindern kann das Schamgefühl von Kindern verletzten. Die Idee von u.a. den Grünen, ausgesprochen und vertreten von der Berliner Abgeordneten Renate Künast, solche Fotos aus diesem Kontext zu tolerieren ist fragwürdig. Was ist hier mit der Subjektstellung des Kindes? Es sollte klar sein, ohne die bewusste Einwilligung der Kinder sollten solche Fotos nicht weiter verbreitet werden und hier sind die Eltern gefragt sensibler mit dem Schamgefühl ihrer Kinder umzugehen. Auch in der Kunst haben solche Ablichtungen nichts zu suchen, solange sie nicht den Künstler selbst abbilden.

Mädchen und Buben sind keinesfalls Freiwild der Eltern, insbesondere für die Rechte am Bild sollten die Eltern ein besonderes Verantwortungsgefühl entwickeln und sich in die Situation ihrer Kinder versetzen. Ich will jedenfalls keine Nacktaufnahmen aus meiner Kindheit im Netz wiederfinden, weil es ja so lustige Schnappschüsse, aus einem vermeintlich geselligen Urlaub waren!

Im Bundestag

Niemand gehört als Volksvertreter in den Bundestag, der meint über Server des Bundestages pornografische Inhalte konsumieren zu müssen, genau so wenig gehören Daniel Cohn Bendit und Volker Beck in ein Parlament, die ihre eigene sexuelle Präferenz zur politischen Thema machen, dann sollen sie als Lobbyist ihr Geld verdienen, aber solche Leute sollten nicht die Ehre widerfahren Volksvertreter sein zu dürfen. Haben Abgeordnete keinen Ehrenkodex? „Ich mache nicht meine persönliche Bedürfnisse und Interessen zur Programmatik meines politischen Handelns, weil ich dem Allgemeinwohl verpflichtet bin!“
Heute wird von DAX Unternehmen verlangt, dass sie eine Business Social Compliance formulieren. Wieso höre ich da nichts von Volksvertretern? Mandatsträger sollten einen vergleichbaren Kodex, einer Political Compliance unterschreiben.

Sebastian Edathy soll als Abgeordneter Zeit gehabt haben, über den Server des Bundestags, seinen Pädophilen Interessen nachgegangen zu sein. Wenn das so stimmt, ist das eine Frechheit! Wie es auch eine Frechheit von jedem anderen ist, wenn er sich im Rahmen seines Mandates auf Kosten des Steuerzahlers pornografische Inhalte anschaut.

Es braucht eine unabhängige außerparlamentarische Kontrolle, die rücksichtslos aufklärt, was über die Server des Bundestags von Abgeordneten abgefragt wird.

Was sind das bitte für Abgeordnete, Strafrecht hin und her, die meinen den Bundestagsserver dafür benutzen zu müssen? Wer sich erlaubt, in seiner Funktion als Abgeordneter Nacktbilder von Kindern bestellen zu müssen, gehört nicht in den Bundestag!

Opferschutz statt Opferhilfe

Spüren sie den feinen Unterschied, zwischen Schutz und Hilfe. Hilfe nimmt man in Anspruch, wenn man darum fragt, Schutz bekommt man, sie ist am sinnvollsten, wenn sie strukturell verankert ist. Ein Kindergarten, eine Schule, ein Sportverein schaut genau hin, was seine Mitarbeiter tun, besonders die ganz smarten, mit den lieblichen Mundwinkeln und den überzogenen Ansprüchen.

Mich interessiert nur eins, wie geht es den Kindern. Wer sind sie und wussten sie von der Veröffentlichung? Wie kann eine Gesellschaft ihre Interessen so stark machen, dass sie nicht lebenslang durch die Veröffentlichung gezeichnet sind? Wenn die Bilder, im Fall Sebastian Edathy, illegal entstanden und dann auf dem Markt angepriesen und verkauft worden sind, dann gehört der Mann vor Gericht gestellt, dann hat er zu erklären, wieso er es für nötig befand, dies im Kontext seines Mandats zu tun. Edathy erklärt, er hätte die Bilder legal erworben, vielleicht sollte er die Frage beantworten, ob er sich vorher vergewisserte, ob die Bilder legal entstanden sind!

Opferschutz beginnt in der Familie, und hört nicht in der Schule auf. Solange wir den Satz „Sex sells“ goutieren wird es skrupellose Geschäftsleute geben, die damit ihren Reibach machen. Hier können wir als Eltern, als Konsument Einfluß nehmen, schauen wir genau hin, wie jemand sein Geschäft macht und auf wessen Kosten. Vom Vorsitzenden des NSU Untersuchungsausschusses hätten wir erwarten dürfen, dass er diese Regeln auch für sich in Anwendung bringt.

Täterhilfe kein Täterschutz

„Stellen sie sich einen Fluss vor, bei dem an einer Stelle immer wieder Kinder hineingeworfen werden. Ist es wirklich die sinnvollste Rettungsaktion, sich einfach flussabwärts aufzustellen und die Vorbeischwimmenden wieder herauszufischen? Oder sollte man nicht eher den Menschen, der die Kinder hineinwirft, daran hindern, das zu tun? (Quelle Ulrike Lehmkuhl)

Vor mehr als 10 Jahren lernte ich im Rahmen einer Weiterbildung zum Thema „Tätertherapie ist aktiver Kinderschutz“ den niederländischen Psychotherapeuten Ruud Bullens aus Amsterdam kennen. Obiges Zitat stammt von ihm und es zeigt worum es bei diesem Komplex geht. Es geht nicht darum die Täter zu schützen, sondern sie für ein Therapiekonzept zu gewinnen, die Kinder vor ihren Übergriffen schützt. Die Kinder und Jugendpsychiaterin Ulrike Lehmkuhl aus Berlin hat in ihrem Lehrbuch Ethische Grundlagen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Bullens Therapiekonzept – Stufen der Gruppentherapie nach Ruud Bullens, ausführlich beschrieben. Im Weiteren zitiert Ulrike Lehmkuhl „Das Dilemma des pädophilen Menschen“, wie es Gunter Schmidt beschrieb.

Pädophilie ist eine Krankheit. (ICD 10-/DSM IV-Code). Pädophile leben unter uns, in allen Bevölkerungsschichten, sie sind im Alltag von Schulen, Kliniken, Kindergärten und Sportvereinen zu finden. Unter uns, heißt dann aber auch, dass wir uns dieser Erkrankung vorurteilsfrei stellen sollten. Wir sollten unterscheiden, was die Kinder brauchen und wie wir den Kranken begegnen. Opferschutz hat Vorrang, Krankheit hat Vorrang und muss von ausgebildeten Spezialisten behandelt werden. Spezialist für die Heilung ist nicht, wer selbst betroffen ist. Ja sie oder er sind kompetent und im Sinne einer klientenzentrierte Selbsthilfe für andere Täter kokreative Helfer. Doch Selbsthilfe ist kein Ersatz für die Therapie.

Auf der Therapieseite brauchen wir Professionals, die die Tricks und Manipulationen der Täter kennen und wissen, wie die Täter sich Opfer aussuchen und ermächtigen.

Es wird zu wenig für die Opfer getan und es gibt zu wenig Tätertherapeuten, die dort am Fluss stehen, wo die Kinder in den Fluss geworfen werden.

Wir werden dieses Thema nicht allein mit dem Strafrecht in den Griff bekommen. Wir müssen dafür Geld in die Hand nehmen und unsere Kinder dafür sensibilisiere, wie sie von Erwachsen manipuliert werden können und darin bestärken zu sagen, Nein, das will ich nicht und sich souverän aus der Situation befreien. Täter, so Bullens, erschleichen sich die Aufmerksamkeit liebes- und zuwendungshungriger Kinder. Satte Kinder werden auf dieses Spiel nicht eingehen. Opferschutz beginnt bei den Eltern. Wie bestärken Eltern Kinder in ihrem Willen Nein zu sagen, oder konditionieren sie die Kinder so, dass aus dem Nein, das will ich nicht ein Nein, das möchte ich nicht wird? Der Unterschied ist eindeutig! Es darf eben nicht heißen, das möchte ich nicht, sondern das will ich nicht, Finger weg, lass mich in Ruhe!

Beratungsstellen wie in Essen und Berlin tappen im Dunkeln, irren, wenn sie meinen Tätern kostenlose Angebote machen zu müssen. Der Abgeordnete Sebastian Edathy ist nicht arm, der kann sich eine Therapie leisten, wenn er denn die Einsicht hat, dass er krank ist und sich therapeutische Hilfe holen sollte. Therapie für Pädophile scheitert nicht an der Geldfrage. Pädophilie ist keine Frage des Prekariats. Ein kostenloses Therapieangebot ist aus systemischer Sicht ein No-Go. Die Gesellschaft muss nicht in Vorleistung treten damit Täter eine Therapie startet. Wer sich die Therapie tatsächlich nicht leisten kann und eine Therapie machen will, sollte, analog zu BAFÖG Regelung, einen zinslosen Kredit erhalten, wenn eine Therapie an der Finanzfrage scheitern sollte.

Der Fall Edathy offenbart, wie wir mit Thema Pädophilie und Sexualität in unserer Gesellschaft umgehen. Er zeigt das Dilemma zwischen Opferschutz und angemessener Täterhilfe. Das Strafrecht ist nicht der Hebel der hier erfolgreich regulativ eingreift.
Edathy dürfte sich über die Tragweite seines Handelns bewusst gewesen sein, es hat ihn nicht daran gehindert sein Verhalten zu bagatellisieren. Er hat sich scheinbar keine Gedanken gemacht, wie die Fotos zu Stande gekommen sind, es war für ihn nebensächlich, er hat eine Ware erhalten, die ihn befriedigte und das war gut so – für ihn.
Die Kinder und Jugendlichen spielten dabei für ihn keine Rolle! Wenden wir uns den Kindern zu und stellen wir uns an die Stelle des Flusses, wo die Kinder in den Fluss geworfen werden!

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