„Unser Leben … ist das Ganze!“


Diese Einheit aus Wissen, Fühlen und Handeln, die wir als unser eigentliches Wesen bezeichnen, kann unmöglich in einem bestimmten Augenblick vor nicht allzu langer Zeit aus dem Nichts entsprungen sein. Vielmehr ist dieses Wissen, Fühlen und Handeln seinem Wesen nach ewig, unveränderlich und eins bei allen Menschen oder besser gesagt bei allen empfindenden Lebewesen. Aber nicht in dem Sinn, dass wir ein Teil, ein Stück, ein Aspekt oder eine Modifikation eines ewigen und unendlichen Wesens sind, wie etwa im Pantheismus von Spinoza, denn wir sollten uns auch fragen: welcher Teil, welcher Aspekt sind wir? Was unterscheidet uns objektiv von den anderen? Nein, so unverständlich es auch für das normale Denken sein mag, wir – und alle anderen bewussten Wesen als solche – existieren in einem. Deswegen ist unser Leben, das wir leben, nicht lediglich ein Teil der gesamten Existenz, sondern in einem gewissen Sinn das Ganze. Dieses Ganze ist aber so beschaffen, dass es nicht mit einem einzigen Blick übersehen werden kann.

Wir können uns deshalb flach auf den Boden werfen und uns auf Mutter Erde ausstrecken und dabei die feste Überzeugung haben, dass wir eins sind mit ihr und sie eins mit uns. Wir sind ebenso fest und unverwundbar wie sie, ja sogar tausende Mal fester und unverwundbarer. So sicher, wie sie uns morgen verschlingen wird, so sicher wird sie uns neu schaffen und uns neuem Streben und Leiden aussetzen.  Dies wird nicht “eines Tages” geschehen, nein, jetzt, heute, jeden Tag bringt sie uns hervor, nicht einmal, sondern tausende und abertausende Male, so wie sie uns jeden Tag tausende Male verschlingt. Denn das, was ewig und immer besteht, ist nur das Jetzt, ein- und dasselbe Jetzt; nur die Gegenwart allein ist unendlich. ~ Erwin Schrödinger (1887-1961)
(Quelle:
Mein Leben, meine Weltansicht. Verlag Zsolnay, Wien 1985)

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