Der Steuersünder und der staatstragende Anstand


„Das entspricht meinem Verständnis von Anstand,
Haltung und persönlicher Verantwortung“
Uli Hoeneß 14.03.2014

Tag Eins nachdem Uli Hoeneß das Urteil seines Richters akzeptierte.
Auf allen Kanälen wurde die Causa Hoeneß diskutiert. Es wurde kein Kommentar von der empörten und moralisierenden Öffentlichkeit ausgelassen. Natürlich hat jeder zur Causa eine Meinung und wer sich nicht scheut, sich der Lächerlichkeit preiszugeben, schreibt seine Meinung auf und teilt sie mit. Die Selbstsicherheit der Foristen aller Orten erstaunt und natürlich fehlt es auch nicht an Spot und Häme. „Das Runde muss ins Eckige!“ , geht‘s noch? Was da jetzt alles an Expertentum aus dem Ozean der Meinungsvielfalt auftaucht lässt er ahnen, wie sich das Geschrei und Anprangern auf Markplätzen des Mittelalters angehört haben muss. Ich dachte wir wären dieser Zeit lange entrückt. Ich irrte.

Die ehrwürdige FAZ meint: „Hier hat ein Mensch die Kontrolle über seine Biographie verloren.“ Dick aufgetragen! Auf allen Kanälen tribunalisiert die Journaille. Die Dummheit entblößt sich und die Unanständigkeit schwitzt aus allen zivilisatorischen Poren.

Natürlich fehlt es im protestantisch geprägten Deutschland nicht an Diskussionen zum Anstand. Ein Text, unter vielen hat mich angespornt diesen Kommentar zu schreiben. Mea culpa! Hier der Text.

Was ist Anstand? Kann es denn überhaupt im Verhältnis des Staates zu seinen Bürgern geben? Ist Anstand nicht nur denkbar im direkten und realen Verhältnisses zweier Menschen zueinander oder des Menschen zu den anderen Geschöpfen (Primaten)?

Die Empörung ist groß, das Vertrauen in die Person U.H. klein. Die Empörung ist aufrichtig. Vorweg: Ich verteidige und kommentiere nicht das Verhalten von U.H. Ich habe überhaupt keinen Grund Herrn H. zu verteidigen, zu rechtfertigen oder für ihn Partei zu ergreifen. Ich kenne den Mann nur aus den Medien, ich werde mich nicht mit seinem Schicksal gemein machen oder mir sein Drama zu Eigen machen.

Was die Religion den »Sünder« nennt, das nennt die Humanität den »Egoisten«.
~ Max Stirner (1806-1856)

Also, wenn schon der Anstand herangezogen wird, dann erlaube ich mir das folgende zum Anstand zu sagen: Das was ich sage hat seinen Ursprung bei Tao te King, nach zu lesen hier, und seine Ausführungen über das Selbstverständnis eines Staates zu seinen Bürgern. Wer, wenn nicht der Staat könnte hier Vorbild sein. “Behandele und wertschätze deine Bürger so, wie du von ihnen behandelt und wertgeschätzt werden willst.”

Ich vermisse, dass bei dieser Diskussion nicht die Systemfrage gestellt wird. Was für ein Steuerselbstverständnis hat unser Staat, unsere Regierung, ihre Ministerien und unsere Verantwortung tragenden Politiker? Das Mittelalter lebt, die Moderne ist tot.

Ganz sicher, wir sind begnadet mit diesem deutschen Steuersystem, es ist einmalig und vorbildlich, es kennt alle Tiefen und Untiefen. Es ist gerecht, es ist transparent und es ist einfach. Alles andere ist doch nur billige Polemik. Wer in so einem System Fehler macht, hat sich selbst ans Messer ausgeliefert.

Nein, dieses System muss gar nicht neu gedacht werden, es ist absolut plausibel und wer sich selbst anzeigt, muss es halt nur vollständig machen. Vollständigkeit ist kein dehnbarer Begriff. Vollständig ist vollständig. Was Juristen darunter verstehen können, haben wir bei Helmut Kohl und Roland Koch gesehen und die wußten was brutalsmögliche Vollständigkeit bzw. Aufklärung bedeutet.

Reden wir über Anstand. Anständig ist für mich, wenn niemand den anderen ins offene Messer laufen läßt, er Schaden vom anderen abwendet und hinguckt, wenn jemand Fehler macht. Unanständig ist, wenn Politiker große Reden schwingen und gleichzeitig mit der Mafia gemeinsame Sache machen.  Politiker die alles unterlassen bzw. dafür tun, dass deren Wirtschaftskriminalität nicht angemessen bekämpft wird und andererseits das Denunziantentum feiert, was meint, im Namen des Anstandes, unterwegs zu sein.

Darüber empöre ich mich. U.H. ist mir unbekannt, für mich ist er nur ein Träger eines Symptoms, für ein krankes bzw. gestörtes System. Nie hat ein Staat, auf deutschem Boden, so viele Steuern eingenommen und kommt doch nicht damit aus. Wieso wohl, weil er so anständig, so vorbildlich ist? Reden wir über Anstand und der beginnt beim Verhältnis des Staates zu seinen Bürgern.

Tao te Kind hat das schon vor über 1000 Jahren im alten China auf den Punkt gebracht und Kant hat es vor 250 Jahren ins Stammbuch der Deutschen geschrieben. Und ich beziehe mich ausdrücklich nicht auf das Westerwell‘sche Credo, er hat die Begriffe durch Ignoranz verbrannt.

Unser Steuersystem ist anständig transparent, anständig gerecht und anständig einfach!

Viva la correttezza! Long live the propriety! Vive la régularité!
Es lebe der staatstragende Anstand des Bürgertums!

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