Anja Niedringhaus- … statt auf Menschen zu schießen


„(..) Wir glauben im Westen immer noch, dass man Frieden mit Militär und Waffen herstellen kann. Aber damit erreicht man nichts. Ich bin zur größten Pazifistin geworden, seit ich in diesen Gebieten arbeite. Mit Panzern löst man keine Probleme.“ via SZ

Mein Anliegen ist eigentlich, die Menschen in diesen Ländern zu zeigen. Es geht mir nicht um die Militärmaschinerie, oder wie groß die Waffen sind, wie schnell der Panzer ist, sondern was eigentlich danach passiert, nachdem geschossen wird. Und deswegen ist es meistens so, dass an der Frontlinie für mich der uninteressanteste Punkt ist. Der interessanteste Punkt ist, was ist eigentlich da, wo es einschlägt? ~ Anja Niedringhaus

Umgangssprachlich werden Photos geschossen, eigentlich wird eine Oberfläche/ früher ein Film belichtet. Eine Kamera hat einen Auslöser, hat einen Bajonettverschluss und doch ist sie keine Waffe womit wir Menschen töten können. Es ist eine Waffe der Aufklärung, sie ersetzt die Skizze und stellt Zeit und Raum in Echtzeit dar. MIt Photos können Regime ins Wanken gebracht werden. Photos rütteln auf, stellen vor und vermitteln Realität. Photos sind Momentaufnahmen, festgehalten in Sekunden, sie spiegeln und setzen in Szene, was  der Mensch hinter der Linse wahrnimmt und für einen Augen blick fokussiert. Die Kamera ist wie eine Blackbox, sie zeichnet auf, was der, der sie bedient visuell erfasst. Jedes Photo ist eine Erzählung und trägt die Handschrift des Erzählers.  Die Macht der Bilder ist unbegrenzt, weil „ein Bild mehr sagt als 1000 Worte!“. Kameras aller Variationen werde in Echtzeit zum Chronisten unseres Alltagslebens. Heute wurde die Photografin Anja Niedrighausen im Osten Afghanistans, in ihrem Auto erschossen. Ihr «Schwerter zu Pflugscharen» Credo war, «Maschinengewehre zu Spiegelreflexkameras». Ihre Kriegsreportagen waren ihre Homage an das Leben, ob auf dem Balkan, im Irak oder in Afghanistan. Für sie war die kamera eine „kleine Schutzschicht“, um das Das Risiko dabei selbst verletzt und gar getötet zu werden kannte sie und sie hat auch das mit wachem Blick ins Auge gefasst, weil sie vor dem Grauen des Kriegs nicht die Augen verschließen wollte, Sie wusste, dass sie die unmissverständliche Wahrheit über den Krieg nicht ohne das Risiko getötet zu werden haben konnte. Sie hat auf die Frage: „Wie stehen Sie dazu, dass Fotografen draufhalten und Bilder schießen?“ Ihre Antwort: „Ganz schlimm. Draufhalten heißt von den Menschen was wegnehmen. Schießen heißt, sie erschießen, das ist ein Gewehr. Aber ich habe kein Gewehr. Ich habe eine Kamera, ich habe einen Fotoapparat, und mit dem fotografiere ich. Aber das Wort schießen, da ziehen sich bei mir die Nackenhaare hoch, das ist ganz schrecklich.“ Ihr Blickwinkel für das Grauen wird fehlen, ihre Bilder werden uns darin erinnern, wie sie das Grauen dokumentierte ohne den Menschen dabei aus dem Blick zu verlieren.  RIP😉.

Ja, dass man nicht aufgefressen wird, das ist das, worüber ich immer dankbar bin, oder meiner Kamera sehr dankbar bin. Ich glaube, wenn ich ein schreibender Journalist wäre und würde diese ganzen Dinge sehen, hätte ich ein größeres Problem. Durch die Kamera konzentriere ich mich auf Bildaufbau und bin so eins mit der Kamera und habe so ein bisschen dann zwischen mir und dem was passiert ist, so eine kleine Schutzschicht. A.N.

Bilderkrieger Arte-Doku aus dem September 2013 (hier)

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