Anmerkungen zum ESC – „der“ heilige Jungfrau Conchita


Die heilige Jungfrau Conchita aus Oberösterreich

die_heilige_jungfrau_conchitaSicher ist, ihr Hymen ist ungebrochen. Auch ich kann nicht still bleiben. Ich bringe meine Empörung. meine Anmerkungen zum ESC 2014 auf den Schirm. Es kann nicht unangemerkt und kommentarlos bleiben, soviel Trivialität braucht Protest und Widerspruch.
Was da im Namen der Toleranz und des Friedens in einen Topf geschmissen wird, erregt in mir Abscheu.
Es ist nicht bloße Kasperei, wie wenn sich einer Gurken in die Nasenlöcher oder seinen Kopf in einen Mülleimer steckt.

Dem ganzen Hype fehlt nur noch das dramatische Ende, denn die Kunstfigur Conchita wird von der Bühne abtreten, so spektakulär, wie sie in Kopenhagen aufgetreten ist, sie wird stürzen und das kann nicht komödiant enden, wenn es den Regeln der Marketinglogik folgt. Zwischen Drogentod und Autounfall wird sich der Abgang der Jungfrau aus Oberösterreich selbst inszenieren. Ohne Drama geht das nicht.

Der ESC präsentiert uns Österreich, eine Melange 2.0 aus Wiener Schmäh, schwülstigem Katholizismus und einem Ästhetizismus, wie es einer Leni Riefenstahl gefallen hätte. Conchita transportiert einen Lifestyle, der das naive, süßliche und schrille in den Mittelpunkt rückt. Da sehne ich mich nach meinem Caravaggio und seinen zerbrechlichen und androgynen Jünglingen. Up side down – jetzt trägt Frau Bart und der unfreie Mann lange, geschwärzte Haare.

Ich suche meinen Hemingway, meinen Picasso, sehne mich nach Clint Eastwood, nach Bruce Willis, nach Omar Scharif, nach Götz George. Von mir aus auch nach Luis Trenkers Bergidylle, um mich vor diesem Geschwafel von Toleranz, Friede und Freiheit zu schützen.

Die Kunstfigur Conchita Wurst ist in jeder Hinsicht trivial, pseudo politisch und pseudo religiös. Ich vergesse das ich bin, so einmalig, so einzigartig, wenn ich diesen Klamauk erblicke. Es ist mir unerträglich und ich rette mich, wenn ich mir meinen Bernhard aus dem Schrank ziehe, um wieder bei mir zu sein, um diese Zumutung vergessen zu können, um mich im Erwin Wurm‘schen Sinne als „one minute sculpture“ z.B. im Städel wieder zu finden, mit zwei Milchtüten auf den Schuhspitzen posieren oder Teil eines Flash mops zu sein, mit einem Schuh am Ohr. LOL.

Conchita eine kollaborativ entstandene Kunstfigur, geprägt von einem Heer von Stylisten, mit aller Übertreibung geschmückt, die ein Paar dunkle Augen und zwei Lippenwülste vertragen können, mit einem Lied auf der Zunge, von 4 Autoren geschrieben, die Strafe statt Rache rufen und eine Wiedergeburt beschwören, als ginge es um die Verkündigung eines neuen Evangeliums, das des Thomas, des anderen Österreichers mit Bart.

Wer steigt da, wie Phönix aus der Asche? Ein Retter, ein Opfer, ein Verfolgter?
Der ESC feiert 14 Tage vor den Wahlen in der EU das sog, tolerante, freie Europa.
Ein Schelm der böses dabei denkt. Wenn das, das Europa ist, von dem die freie Welt träumt, dann Adieu liebe Welt. Der nimmer satte Kommerz der Musikbranche kreiert seine Hochglanz Puppen. Das Lied erfahre ich als eine auditive und visuelle Zumutung, als eine Strapaze und nicht als Genuss oder Spaß. Ich kann und will hiermit nicht meine Toleranz unter Beweis stellen, hier sage ich Nein – MYOB.

MYOB wird ja auch am Ende im Lied besungen und das Gegenteil vorgelebt. Wenn das die Umsetzung des Gandhi‘schen Credos „Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünscht!“, dann schütze mich mein Verstand vor diesem Narzissmus.

Und erstehe auf wie ein Phönix
Aus der Asche heraus
Suche ich lieber Strafe als Rache
Du wurdest gewarnt
Wenn ich mich einmal verwandelt habe,
Werde ich wiedergeboren
Du weisst, ich werde auferstehen wie ein Phönix
Aber du bist meine Flamme.
Kümmere dich um deine Angelegenheiten
Tu, als ob du frei wärst
Keiner könnte bestätigen,
Was du mir angetan hast“ (Quelle)

MYOB – meint Conchita Wurst das wirklich, denn die Kunstfigur macht sich lustig über Frauen mit Damenbart! Weiß der Zögling eigentlich, was das für eine Tortur für die Betroffenen ist? Was ich da wahrnehme ist sowohl frauen-, wie auch männerfeindlich, dekadent, jegliche Normalität wird auf den Kopf gestellt und durch pseudoreligiöse Kaspereien ersetzt. Die Kunst der Travestie kannte auch schon einmal bessere Zeiten.

Ich gehe meinen Watzlawick und Thomas Bernhard lesen.
Das Lied ist nicht einmal ein Ohrwurm – Europa schafft sich selber ab, angeführt von einer germanophilen Musikertruppe. Am deutschen Schlagerwesen soll die Musik Europas genesen und sie schwingen die rot-weiß-rote Flagge, oh liebes Österreich, im Armengrab vermoderte Mozart und das mit der kollektiven Identität einer Nation, ist schon ein Kreuz!
Ja, auch wir tun uns nördlich der Alpen schwer, mit unsern Helden, bei uns heißen die Narzissten u.a. Lindenberg, Nena, Nuhr und Bohlen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s