Jeden Sommer wieder: die Beautyterroristen!


Ich bin vielleicht so ein Beautyterrorist, wie er im Blog, der von mir sehr geschätzten Hobbyweltverbesserin Katrin Hilger skizziert wird, und ich muss mich immer wieder zusammen reißen, damit mir kein suffisanter Kommentar über die Zunge rutscht , wenn ich wieder einmal den Fressterroristen über den Weg laufe, die keine Meile gehen können, ohne sich irgend etwas zwischen die Zähne zu schieben.

…zwischen massenhaft übergewichtigen Touristen. Eine nachhaltig grauenhafte Erinnerung. Fettberge und Speckwürste. Menschen, die aussehen wie angespülte Walfische. Bei manchen ist der Rücken genau so rund und dick wie der Bauch.“ (so die lästernde Natscha Knecht von ihren Ferien auf den Balearen Gehen Sie in die Badi im Tagesanzeiger)

 

Sicher ist es alles eine Frage des Maßhaltens, maßvoll „essen und trinken“ oder sollte es besser heißen maßvoll „fressen und saufen“. Die Innenstädte unserer Großstädte haben kaum noch Buchläden, auf der Zeil in Frankfurt gibt es keinen einzigen mehr, aber eine Imbisbude folgt auf die andere, gehe ich durch die Fressgasse in Mainhatten, dann werde ich den Eindruck nicht los, dass es sich dabei um eine Maststadion handelt. Die Bilder von Übergewichtigen, als Folge von Völlerei, geparrt mit Bewegungslosigkeit, sind kein Ausdruck von Luxus, sondern von spätrömischer Dekadenz und einem tiefen Verlangen nach ständiger oraler Befriedigung – und gleichzeitig kommen mit unweigerlich die Bilder von hungerden Kindern in den Sinn. Da läuft was falsch, statt Maß zu halten, werden wir immer maßloser.

Und ich, ich bin auch in 92 kg Mann, bei 1,83 und ich laufe jeden Tag mindest eine Stunde zwischen 8 – 10 km, damit ich einen Ausgleich habe, für die 6 Stunden, die ich am Schreibtisch sitze, gerne am Schreibtisch sitze und gerne eine Stunde pro Tag laufe.
Es fehlt mir was, wenn ich nicht laufe und wenn ich nicht arbeite, wie mir der Schlaf und die drei Mahlzeiten am Tag fehlen…. Kein Museum, kein Bahnhof, keine Station auf dem Weg wohin auch immer, ohne Fressmeile. Allgegenwärtig der orale Trost. Angebot folgt auf Angebot und fördert die Nachfrage. Etwa um die 100 kcal verbrenne ich, wenn ich 1km laufe, esse ich eine Pizza habe ich locker für 8 km Energie getankt. Voll ist voll, wann haben wir noch Zeit, all das zu verbrennen, was wir uns auf die Rippen legen?

Gegen gutes Essen, slowfood – ist nix einzuwenden. Unvergesslich ist mir ein Festmahl in der Toskana, in Colle di Val d’Elsa, wir waren zu Fünft und aßen von 17 Uhr bis nach Mitternacht, in meiner Erinnerung wurde nichts ausgelassen, was die toskanische Küche von der prima piatti bis zum dolce aufzuwarten hatte.

Mein Credo Maß halten – ganz im Sinne von „Maß für Maß!“ á la Shakespear.

Sprich zum Leben so:
Verlier ich dich, so geb‘ ich hin, was nur
ein Tor festhielte. Sprich: Du bist ein Hauch,
abhängig jedem Wechsel in der Luft,
der diese Wohnung, die dir angewiesen,
stündlich bedroht. Du bist nur Narr des Todes;
den durch die Flucht strebst du ihm zu entgehn
und rennst ihm ewig zu. Du bist nicht edel;
denn alles Angenehme, das dich freut,
erwuchs aus Niederm. Tapfer bist du nicht;
du fürchtest ja die zartgespaltne Zunge
des armen Wurms. Dein bestes Ruhn ist Schlaf.
Den rufst du oft und zitterst vor dem Tod,
der doch nichts weiter. Du bist nicht du selbst;
denn du bestehst durch Tausende von Körnern,
aus Staub entsprossen. Glücklich bist du nicht:
Was du nicht hast, dem jagst du ewig nach,
vergessend, was du hast. Du bist nicht stetig:
Dein Seelenzustand wechselt seltsam launisch
mit jedem Mond. Reich, bist du dennoch arm.
Dem Esel gleich, der unter Gold sich krümmt,
trägst du den schweren Schatz nur einen Tag,
und Tod entlastet dich. Freund‘ hast du keine;
denn selbst dein Blut, das Vater dich begrüßt,
die Wirkung deiner eignen innern Kraft,
flucht deiner Gicht, dem Aussatz und der Lähmung,
daß sie nicht schneller mit dir enden.
Du hast zu eigen Jugend nicht noch Alter,
nein, gleichsam nur ’nen Schlaf am Nachmittag,
der beides träumt; denn all dein Jugendglanz
hat nichts voraus und fleht vom welken Alter
die Zehrung sich: Und bist du alt und reich,
hast du nicht Glut noch Triebe, Mark noch Schönheit,
der Güter froh zu sein.
Quelle: Maß für Maß III, 1. (Herzog) William Shakespear

 

 

 

Hobbyweltverbesserer Blog

„Boah eh, das die sich das traut“ „Also ich würde nicht so rumlaufen und ich bin zwei Nummern kleiner“ „wie übel. Leute wie die sollten im Sommer echt daheim bleiben.“ „Cellulitisalarm“ – wer kennt die Sprüche nicht? Wir lesen sie in den sozialen Netzwerken, hören sie im Freibad, in der Bahn, überall. Manchmal ist man gemeint. Die Zischer und Gröhler sind überall. Ich nenne sie Beauty Terroristen. Die gehören leider zum Sommer wie die Wespe auf dem Zwetschgendatschi und sind genauso lästig und überflüssig.

Was wird nicht alles bemängelt: Dicke sollen keine Röcke tragen, Dicke sollen keine kurzen Hosen tragen, Dicke sollen keine Querstreifen tragen, Frauen sollten möglichst keine Zellulitis haben, Frauen über 40 sollen kein Bikini tragen, keine Minis, keine leichten Tops. Männer dürfen nicht in Sandalen rumlaufen und auch nicht in Kurzarmhemden. Alte, Dicke, Unperfekte sollen das Freibad meiden, sollen sich bitte verhüllen. Unperfekte Füße sollen bitte weiterschwitzen…

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