Europa – „Die Nation ist ein Sakrament….“


Die Europawahl steht vor der Tür – was soll ich blos wählen und wen?
Ich bringe mich in Stimmung, jetzt mit Kurt Tucholsky und Randy Newman.

Wie macht ihr das? Die Parteiprogramme lesen ist eher eine Abschreckungsstrategie als ein Einladung zur Wahl. Da der Olaf Henkel, dort Nigel Farage, Geert Wilders, Le Pen und dazwischen Schulz und Junker und die süße Ska Keller und aus Italien schickt Beppe Grillo seine amicis. Mir fällt ein Satz ein, der mir nicht mehr aus dem Sinn geht: „Ich weiß nicht was soll das bedeuten, dass ich so“.. unentschieden „bin“.

Nicht wählen gehen, auch wenn man gar keine Wahl hat. Die Kleinen unterstützen, damit die Diversität im Europaparlament zunimmt? Ist das eine Option, – quasi eine pseudo therapeutische Intervention für den Patienten Europa. Keine Therapie ohne Hilfsfrage!

Will die EU überhaupt den mündigen Bürger und von ihm Hilfen annehmen?
Schulz und Junker sind durch Europa gezogen und haben eine Europastunde nach der anderen gehalten. Mich haben sie nicht überzeugt, besonders weil sie auftreten wie Vertreter einer Versicherungsagentur. Es fehlt nur noch, dass sie uns was zur Unterschrift vorlegen und den Sack zu machen. Viele Versprechen, viele Ankündigungen und Beschwörungen, viele Warnungen und wenig konkrete Lösungen. Was sind wirklich ihre Pläne, z.B. um die Beteiligung der Bürger an Europa zu stärken und wie wollen sie die Demokratiesomnolenz anpacken?
Das Beste was ich zu Europa gelesen habe kam von der Denkerin Ulrike Guérot (googelt mal), aber will man das in Brüssel wirklich hören. Stört meine Kreise nicht, damit die Direktoren business as usual machen können. Auf die nächsten 5 Jahre!

Jetzt das  Gedicht ….

Europa

  1. Am Rhein, da wächst ein süffiger Wein –

der darf aber nicht nach England hinein –

Buy British!

In Wien gibt es herrliche Torten und Kuchen,

die haben in Schweden nichts zu suchen –

Köp svenska varor!

In Italien verfaulen die Apfelsinen –

laßt die deutsche Landwirtschaft verdienen!

Deutsche, kauft deutsche Zitronen!

Und auf jedem Quadratkilometer Raum

träumt einer seinen völkischen Traum,

Und leise flüstert der Wind durch die Bäume …

Räume sind Schäume.

Da liegt Europa. Wie sieht es aus?

Wie ein bunt angestrichnes Irrenhaus.

Die Nationen schuften auf Rekord:

Export! Export!

Die andern! Die andern sollen kaufen!

Die andern sollen die Weine saufen!

Die andern sollen die Schiffe heuern!

Die andern sollen die Kohlen verfeuern!

Wir?

Zollhaus, Grenzpfahl und Einfuhrschein:

wir lassen nicht das geringste herein.

Wir nicht. Wir haben ein Ideal:

Wir hungern. Aber streng national.

Fahnen und Hymnen an allen Ecken.

Europa? Europa soll doch verrecken!

Und wenn alles der Pleite entgegentreibt:

dass nur die Nation erhalten bleibt!

Menschen braucht es nicht mehr zu geben.

England! Polen! Italien muß leben!

Der Staat frißt uns auf. Ein Gespenst. Ein Begriff.

Der Staat, das ist ein Ding mitm Pfiff.

Das Ding ragt auf bis zu den Sternen –

von dem kann noch die Kirche was lernen.

Jeder soll kaufen. Niemand kann kaufen.

Es rauchen die völkischen Scheiterhaufen.

Es lodern die völkischen Opferfeuer:

Der Sinn des Lebens ist die Steuer!

Der Himmel sei unser Konkursverwalter!

Die Neuzeit tanzt als Mittelalter.

Die Nation ist das achte Sakrament –!

Gott segne diesen Kontinent.

( Theobald Tiger Die Weltbühne, 12.01.1932, Nr. 2, S. 73. via textlog)

und nun noch einen Song von Randy Newman! Auf eine gute Wahl.

 

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