Lesererfahrung: Satire funktioniert


Wieso, weil sie lügt und doch die Wahrheit hervorbringt. Wie das? Weil die Welt belogen werden will und je größer die Lüge, desto glaubhafter. Nehmen wir nur das Christentum, es lebt von einer Geschichte die sich phantasievolle Geister 80 Jahre postmortum ausgedacht haben, ohne das auch nur ein einzige schriftlicher Fetzen authentisch überliefert ist. Na das mit der Jungfräulichkeit war ja auch nur ein Übersetzungsfehler aus dem Griechischen. Aber der Fehler hält sich.

Doch komme ich zurück zu meiner Lesererfahrung. Es geht dabei um die FAZ und ihren Umgang mit kritischen Lesern. Gut, der Leser hat kein Recht auf Veröffentlichung seiner Kommentare, aber die Zeitung lebt davon, denn oft genug sind Kommentare lesenswerter, als der Ausgangsartikel. Anlass meines Kommentars war der Aufruf der Deutschen Zeitungsverleger und die damit verbundene Karikatur. Nein, die FAZ hat keine Karikatur von Charlie Hebdon reposten, sondern Klaus Stuttmanns Karikatur. Nun mein Kommentar kritisiert die Instrumentalisierung des Anschlags von Paris, so wie ich ihn sinngemäß hier in meinem Blog beschrieb. Die FAZ hat meine Kritik am Herausgeber gelöscht und dafür eine Handvoll Kommentare, die in ihrem Sinne diesen Aufruf würdigen, mit dem grünen Punkt geschmückt. Und da dachte ich mir, was die können, das kann ich auch, Lobhudeln und applaudieren. Applaus ist eben doch alles! So einfach will ich sie nicht davon kommen lassen, einfach meinen Kommentar im Virtuellen Nichts verschwinden zu lassen.

Also habe ich folgenden satirischen Text geschrieben und prompt wurde  er veröffentlich und bekam auch seinen grünen Punkt. Freude kam auf, weil Satire funktioniert.

Wehrt den Anfängen
Mutig und couragiert. Jetzt endlich erheben die Zeitungsverleger ihre Stimme, die Zeit war reif. Die Karikatur trifft den Nagel auf den Kopf. Neu ist, dass sich hinter dieser Zeichnung keine Einzelmeinung des Karikaturisten Klaus Stuttmann, oder einer Redaktion verbirgt, sondern der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger. Das ist eine neue Qualität, beispiellos und ein Appell, der seines gleicheins sucht. Die Satire ist eine Lüge, die die Wahrheit hervorbringt! Dank an den BDZV & an die FAZ Herausgeber.

Der Griffel, die Tuschefeder, der MagicMaker werden in der Hand des Journalisten und Karikaturisten zur Waffe, die niemanden tötet, den Autor das Leben kosten kann, aber den Adressaten physisch unversehrt lässt. Satire ist verbal und visuell aggressiv, sie ist eine Form der Kunst und wie Picasso sagt: „Die Kunst ist eine Lüge, die die Wahrheit gebiert.“

  • Eine weitere Kritik „Wundern wir uns“, im Blog von Gutjahr – gut erklärt und
    schön dargestellt, lesenswert.
  • Sreenshot vom 10.01.2015, FAZ Leserkommentare

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  • Nachtrag 11.01.2015, 15 Uhr: Wie von mir erwartet, hat inzwischen die FAZ mir den grünen Punkt wieder aberkannt und ebenso die 10 Top Beiträge auf drei reduziert, insgesamt hat es bis zu diesem Zeitpunkt über 500 Leserkommentar zum Aufruf der Zeitungsverleger gegeben. Die Mehrheit der Kommentar sieht den Aufruf kritisch und hält dem Verband vor mimosisch zusein.

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