Nachlese zur #didacta oder 35 € fürs Phrasenschwein


„Parkour der Möglichkeiten im Klassenzimmer“; „ko-kreativer Unterricht“; „Partner im Bildungsprozess“; „Digitale Medien flankieren den Lernprozess“; „interaktive Prozesse“; „individuelles, selbstorganisiertes Lernen“ //
Herr Oppermann, bitte 35 Euro ins Phrasenschwein.
(Martin Schmidt in der FAZ)

Heute endet in Hannover die #didacta, Wassilios Fthenakis hat in seiner Eröffnungsrede für den Einsatz digitaler Medien eine Lanze gebrochen und im Netz werden die Mythen zum Thema Bildung diskutiert. In einschlägigen Lehrerblogs demontieren sich die Gegner und Befürworter.

Langsamerhand verliere ich die Zuneigung zum Thema, weil die Verweigerung am Status Quo etwas zu ändern, was längst reformiert hätte werden müssen, so hartnäckig ist, dass man sich lieber neue Ziele setzt, als der Diskussion weiter zu folgen.

Es ist Fthenakis Handschrift, die der hessische Bildungsplan für die frühkindliche Erziehung in den Kindertagesstätte des Landes trägt, alle oben genannten Phrasen sind 1:1, aus seinem Maßnahmen und Kriterienkatalog entnommen, keiner der Beschreibungen ist auf dem Mist des Kritisierten  gewachsen. Dabei beschreiben die Begriffe einen Paradigmenwechsel im Selbstverständnis des Bildungsbetriebes. Hier sind die Protagonisten einerseits die Hirnforscher (Singer & Hüter) und andererseits die Enwicklungspsychologen um das Münchner Institut von Fthenakis. Initiativen, wie das Archiv der Zukunft, um den Journalsiten Reinhard Kahl und Schule im Aufbrauch (Lernkultur der Potenzialentfaltung), sind dafür umtriebige Beispiele. In aller Munde „Wertschätzung“ und „Potenzialentfaltung“ in Schule und Kita. (Sie fehlen noch in der obigen Liste.)

Es bleiben die unbeantworteten Fragen: Wie sieht der Schulabsolvent der Zukunft aus und natürlich, wie der Lehrer, die Lehrerin der Zukunft? Ich stelle mir eine nackte Schaufensterpuppe vor (unisex) und fange an sie mit den Attributen zu bekleiden, wie der Leher der Zunft aussehen wird. Mit iPad in der Hand, mit Knopf im Ohr, Rotstift und Kreide in der Brusttasche, immer noch im T-shirt?

Was sind die Kardinalkompetenzen die Schule vermitteln soll? Was für Erwartungen tragen die Erfordernisse der Gesellschaft an die Schule heran? Ist der sicher Umgang mit dem Apostroph in der deutschen Sprache ein Akzeptanzkriterium und wieso tun sich die Deutschen mit dem Dreisatz so schwer? Sind Lernziele und das Erstellen von Lernzielkatalogen, wie es im Medizinstudium internationl zum  Standard wird, wirklich zielführend? Ersetzt das LernLab die Lehre am Krankenbett? „It’s only support“ werden die Einen sagen und die Anderen nenen es „parte de temps“!

Wer Tests besteht, sagt mehr über seine Befähigung aus, dass er Test besteht. Ist die Glückseeligkeit der Schulabsolventen in der Kunst und Forschung, im öffentlichen Dienst oder in der freien Wirtschaft zu finden? Wir können nicht allein „Einstein“ ausbilden, wenn man so etwas überhaupt mit Bildung erreichen kann?  Hier stehen sich zwei an sich bewährte Bildungskonzept diamitral gegenüber, da „Learning by doing“ und dort das simulierte Training unter Laborbedingungen. Laborbedingungen die denkbar defizitär sind, wenn man sich u.a. die Ausstattung und die Infrastruktur für die 40.000 Schulen in Deutschland anschaut. Aber das ist ein ganz anderes Thema oder doch nicht?

In diesem Zusammenhang müsste mehr der Bergriff Lernarchitektur in die Diskussion eingeführt und weniger über die Vergleichbarkeit von Prüfungen und Abschlüssen gesprochen werden. Der Begriff wird gemieden, obwohl er wunderbar beschreibt, was Schüler brauchen und Lehrer leisten können. Heute sind Lehrer unterfordert, sie agieren unter ihren Möglichkeiten. Das Ergebnis, viele unterforderte Schüler, die ihre Möglichkeiten nicht entfalten können. Das Schulen Talentschmieden sind, ist klar, aber Talente werden nicht in Schulhäusern geboren, Talent kommen in die Schule und wenn es gut läuft, haben sie sich während der Schulzeit mächtig entfaltet. Die Organisation Schule „leidet“, nicht aber die Lust der Schüler  aufs Lernen und die Lust der Lehrer am unterrichten.

Bildung funktioniert nur, wenn in Bildung investiert wird. Die Wertschöpfung ergibt sich, wenn Kompetenz das Geschäftsleben bestimmen, wenn Talente Wachstum und  Beschäftigung sichern. Die Klügsten unter uns werden aber selten Bänker, vielleicht die Füchse unter den Schülern. Inzwischen haben die Physiker, die keine Stelle in der Forschung finden, die Mangementpositionen im Dienstleistungsgewerbe erobert, es wimmelt nur so von promovierten Physikern im deutschen Mangement. ist das zielführend oder Ausdruck fehlgeleiteter Bildung?

Wenn die #didacta ein Markt der Bildungsmöglichkeiten ist, dann hoffe ich, dass sehr viele Impule davon ab kommenden Montag, in den Bildungsalltag an Schule und Hochschule fließt und irgendwann auch die Politik mehr leistet als schöne Sontagsreden, mit gefälligen Phrasen. Kritik sagt mehr über den Kritiger selbst aus und wie sagte die Kritikerlegende Fritz J.Raddatz „Ohne die Liebe, ohne Bewunderung, ohne die Gabe, sich erschüttern zu lassen, (…) , ist alles nichts.“ Er meinte das Lesen von Büchern und das Betrachten von Kunstwerken, ich meine die  Kinder, Schüler und Studenten.

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