Der Kümmerer vom Main


Für Andreas Kümmert, den Musiker, der sich selbst als einen „kleinen Musiker“ beschreibt, war die Vorentscheidung zum ESC, vergangenen Freitag, seine mediale Sternstunde. Er hat die Chance genutzt, hat sich konfrontiert und wie Marcel Reich-Raniski einst, Charakter bewiesen und die Annahme eines Preises abgelehnt. Es gibt wenige Musiker, die sich ähnlich aufstellen würden. Auch wenn er nicht wollte, er hat gewonnen, er hat das Publikum mit seiner Stimme überzeugt, gerade weil ihn sein „Schmerbauch“, sein Outfit, nach gängigen Imagevorstellungen, nicht zum Gewinner stilisiert.

Er nahm sich die Freiheit, der Mitstreiterin Ann Sophie den Vortritt zu lassen. Sein Name ist Programm. Er wird es nicht gern hören, es wird ihm auf den Sack gehen, aber authentischer kann einer seinen Altruismus nicht leben. Hoffen wir, dass er seine Bandmitglieder, bei seiner Entscheidung nicht übergangen hat, die ja Teil der Erfolgsgeschichte von Andreas Kümmert sind. Wie in vielen Fällen, gibt es mindestens zwei Seite, eine belichtete und eine dunkle Seite. Was bleibt hier im Dunklen und was steht im Licht?

In der Welt der Juristen gibt es den Tatbestand des Einlassungsbetruges, inwieweit dieser Tatbestand Anwendung findet, darüber können sich Anwälte und Richter streiten. War das eine spontane Entscheidung, oder Absicht, ist er unzuverlässig und unberechenbar? Für Manche ist er das, sie werden ihm Arroganz & Frechheit gegenüber dem Publikum unterstellen. Mit seiner Entscheidung läßt er die Frage zu, ob im ESC noch drin steckt, was außen drauf steht? Wahrscheinlich wird ein Anwalt ihn vor Gericht zerren und zur Verantwortung ziehen, weil es bei diesem Geschäft um viel Geld geht.

Man kann ihn dafür zu recht kritisieren und mit Fragen unter Druck setzen. Er wußte worauf er sich einließ. Wollte er wirklich nach Wien gehen? Oder gibt es einen ganz anderen, sehr zwingenden Grund für seine Entscheidung?

Wer will findet Wege, wer nicht, findet Ausreden.

Wieso hält er inne, wenn er doch den großen Reibach hätte machen können? Sein Innehalten kann ein Ausdruck von Größe sein, weil es mit Geld zu tun hat. Die hübsche Hamburgerin, Ann Sophie wird sich daran erinnern, als Andreas Kümmert zur Seite tratt, um ihr den Vortritt zu lassen. Er wird voraussichtlich der einzige Mann bleiben, der für ihre Karriere, freiwillig Platz machte. Eine hobbitartiger Kavalier, – ungewöhnlich. Irgendwie, der Antityp zum Raab-Typus.

Ein freier Mann

By the way, vielleicht hat er mit dem Sieg gar nicht gerechnet? Es heißt, „no risk no fun„. Andreas Kümmert beweist, mit seinem Verhalten, seine Eigenständigkeit und steht zu seinen Grenzen, was heute selten ist. Wie frei er ist, zeigt er, wenn er auf den ganz großen Auftritt, das internationale Publikum verzichtet. Er nimmt sich die Freiheit, mit Nein zu antworten. Er hat die Wahl und entscheidet sich für den Verzicht, so handelt der, der frei ist. Ein Unikum im deutschen Business, ein wahrhaft freier Mann. Respekt. Andreas Kümmert, kümmert sich in erster Instanz um sich – also, der ganz normale Wahnsinn des Showbusiness!

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