Stadtentwicklung 2030: Die braunschweigsche Lösung


Eine Stadt ist ein Parcours der Möglichkeiten.

Gesucht werden junge Familien, mit und ohne Migrationshintergrund. Was gewünscht wird sind Bürger mit allerlei Talenten, weltoffen, kinderreich, kaufmännisch oder betriebswirtschaftlich gebildet, mit Gefühl für Nischenkompetenzen, fachspezifisch, ordentlich zertifiziert. Doch das Profil passt nie ganz zum durchschnittlichen Absolventen mit neoakademischer, anwendungsorientierter Bildung, weil die Mädels und Jungs der neuen Generation, keine oder erst spät Kinder bekommen. Gesucht wird die „blended“ Bürgerschaft. „Die Aufgeklärten haben immer weniger Kinder und die religiös fanatisierten Familienclans sorgen für den Nachwuchs“, meint, mit spitzer Feder, Michel Houellebeq, in seinem Bestseller „Submission“.

Kindereich sind die Migranten aus Anatolien, oder aus den Krisenländern, vom anderen Ufer des europäischen Burggrabens, jenseits protestantischer und katholischer Leitbilder. Die beste Wahl des Ortes, ist eine Kommune, ist eine Stadt, mit mannigfaltigen Optionen für Arbeit, Sport und Spiel.

Die perfekt inszenierte Kampagne –„the best choice“-, der Stadt Braunschweig zeigt, wie man sich selbst bewirbt, eine Blaupause für jede Gemeinde Deutschlands. Natürlich sind wir innovativ, natürlich sind Beruf und Freizeit in unserer Stadt fußläufig zu realisieren, rutsch hier nicht der Blick auf Job und Familie aus dem Fokus. Innovativer Job und inspirierende Stadt. Think global, act local. Slogans bewerben die beruflichen und kulturellen Optionen, während, vor und nach der Arbeit.

Doch es gibt Gründe, weshalb sich die Suche so schwierig gestaltet, denn das Elend mit den Bürgern ist: Es gibt einfach zu wenig Bürger mit Spezialwissen, mit Gefühl für Nischen, risikofreudig und dann auch noch kinderreich. Ein weiterer Grund, die Nachfrage nach solchen Bürgern ist größer als das Angebot und schlussendlich besitzen, die Bürger, die wir haben, zu wenig Fachkenntnisse, sind nicht risikofreudig und innovativ genug. Was „Ottonormal“ sucht, insbesondere die neue Jugend, sind sichere, unbefristete Arbeitsplätze bei Großunternehmen oder bei Dienstleistern, die öffentliche Hoheitsaufgaben erfüllen. Denn nur wenige der neuen Bürger, wollen sich selbst um Arbeitsaufträge kümmern, oder gar hinter der Bezahlung gelieferter Leistungen herlaufen. Wer will nicht von einer staatlich lizensierten Gebührenordnung profitieren? Karriere machen bei BA, AOK oder GEZ.

Für die Kommunen und ihre Stadtentwicklung 2030 heißt es attraktiv sein, voraus denken, den demografischen Wandel mitdenken, niemand will ein Ghetto von Alten, Gebrechlichen aus den Babyboomjahren.

Die Stadtentwicklung sucht paradoxerweise Bürger mit eher traditionellen Rollenbildern. Die Männer gehen arbeiten, führen das Business zu neuen Ufern, die Frauen sind bestenfalls halbtags beschäftig, als sachkundige Spezialisten liefern sie medizinische oder juristische Gutachten in Heimarbeit, während sie zwischendurch die Kids von einem Bildungsevent zum anderen, im Zweitwagen oder per Rad kutschieren, weil Schwimmen, Musizieren und robustes Sporten zum Handwerk jedes zukunftsfähigen Neubürgers gehören soll.

Die Stadtentwicklung der Zukunft will ein Prozess sein, weil „belended“ im Content, weil multifunktional, weil quasi ergonomisch und gesund, weil dynamisch und robust.

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