Der Supermoderator Jauch bringt es nicht auf den Punkt


Deutschland diskutiert den Auschwitz-Prozess von Lüneburg und die Jauchegrube, die sich auf tut, stinkt, sie stinkt so moralinsauer. Anlässlich der Siebzigjahrfeiern zum Kriegsende in Europa wird geheuchelt und das Ausmaß der Scheinheiligkeit ist erschreckend und unerträglich.

Am Sonntag fragte Günter Jauch – „Der Fall Gröning – was bringt der Auschwitz-Prozess von Lüneburg?“ – und die Sendung ist für mich ein weiteres Beispiel, für ein strukturelles Versagen im Umgang mit den Überlebenden der nationalsozialistischen Verbrechen.

So blieb es Eva Mozes Kor überlassen, gegen Ende der Sendung, auf einen feinen Unterschied hinzuweisen, wenn Jauch sagt: „sie sind nach Auschwitz gekommen“ und die Überlebende  ihn dann energisch unterbrach – „ich bin nicht hingekommen, ich bin nach Auschwitz gebracht worden“ (56:23). Sicher ein feiner Unterschied und ein Lapsus des Supermoderators.

Mich empört die Art und Weise, wie mit den Überlebenden und den Opfern der Verbrechen zwischen 1933-1945 umgegangen wird.

Deutschland stolpert nicht über die Namen der Täter, Deutschland stolpert über die Namen der Opfer. Stolpert vor den Wohnadressen der Deportierten, wo sie aus ihren Wohnungen von Schlägertrupps gewaltsam vertrieben wurden. Deutschland soll mit Kopf und Herz stolpern, weil ein Bildhauer und Lehrer aus Köln das so will. Namen sind wie Schall und Rauch und der Talmud hat nicht immer recht. Es ist das eine zu erinnern, aber das andere, an was wir uns erinnern.

Wie wir uns erinnern ist nicht entschieden, aber das Wie ist entscheidend. Deutschland braucht mehr den je eine Kultur der Wiedergutmachung, für das was nicht wieder gut gemacht werden kann.

Demings Messingschilder können nur ein Teil dieser Kultur sein. Ich beuge mein Knie vor dem Leid der gequälten und geschundenen Menschen und ich bin nicht bereit die Täter, die dafür verantwortlich sind, ungeschoren davon kommen zu lassen. Und ich zolle denen Respekt, die eigeninitiativ tätig werden und den Überlebenden zuhören und den ermordeten eine Stimme geben.

Wir schützen die monolithischen Bauten Speers, weil wir sie als Zeitzeugen einer Epoche für wichtig erachten, wir finanzieren den Wiederaufbau des Stadtschloß der Preußen in Berlin und doch sind wir nicht Willens die 2000 zerstörten Synagogen wieder aufzubauen. Wieso nicht?

Die zerstörten Synagogen wieder aufzubauen wäre Teil einer Wiedergutmachungskultur unserer Zivilgesellschaft, die es ernst meint mit dem Erinnern, weil den Worten Taten folgen.

Die Diskussion bei Jauch brachte es nicht auf den Punkt. Nannte nicht Roß und Reiter, ob nun Buchhalter oder Wächter. Die Täter der Verbrechen sind auf eine unheimliche Art und Weise vor Strafe immun. Bisher, so Jauch, sind nur 49/6500 Tätern verurteilt worden, d.h. Täter wurden mit Nachsicht durch die Geschichte getragen, auch weil nach wie vor, der harte Kern der Justiz gleichsam als „Hure“ der Macht dient und nicht die Schwachen vor den Starken schützt. (Georg Büchner schrieb schon vor 170 Jahren scharfzüngig: „Die Justiz ist in Deutschland seit Jahrhunderten die Hure der deutschen Fürsten.“ /Hessischer LandboteIn der Diktatur von 1933-1945 hat sie den Beweis erbracht, dass sie die Hure jeder Obrigkeit sein will und kann und das Nachkriegsdeutschland tut sich, bis dato schwer mit diesem Erbe.

Wo sind die Stolpersteinen, die die Täter anprangern? Die Vollstrecker des Massakers von Wola 1945, wo 6000 SS Schergen 40 TSD Zivilisten in nur 2 Tagen ermordeten. Für diese ungesühnten Kriegsverbrechen brauchen wir Stolpersteine, Schwellen, die uns inne halten lassen und die Frage stellen, wieso diese Kriegsverbrechen bis heute nicht geahndet wurden. Wir betreiben einen Opferkult, der viel zu oft, wie ein feilschender Wettstreit buhlender Opfer erscheint, um Anerkennung und die ausbleibende, berechtigte Aufmerksamkeit.

Wie soll eine Kollektivhaftung funktionieren, wenn nicht einmal die Täter glaubhaft, ohne Rücksicht auf Stand und Ansehen verfolgt und zur Rechenschaft gezogen werden.

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