Es ertrinkt der Mensch und kein Flüchtling


Er ist da, der Nord-Süd-Konflikt, auch wenn das politische Establishment in Europa dies der Öffentlichkeit verschweigt und er wird mit harten Bandagen ausgetragen. Es ist eine asymmetrische Auseinandersetzung, der Frontverlauf unklar; nicht Territorien sind das Ziel, sondern Einflusssphären, die von ideologisch-religiösen und ökonomischen Interessen geprägt sind.  Der Interessenkonflikt wird skrupellos auf dem Rücken der Menschen ausgetragen, die deshalb zu Recht die Flucht ergreifen. Willy Brandt hat ihn vorhergesehenen, tun wir also nicht so, als seien wir überrascht darüber, was uns an sozialer Frage aus Afrika entgegen strömt. Trotz des Engagement vieler, u.a. von Bob Geldof hat sich die wirtschaftliche und soziale Situation in Afrika nicht entscheidend verbessert. Die Verhältnisse sind von militärischer Gewalt und soziale Ungleichheit bestimmt.

Genauer gesagt, wir sind der Nord-Süd-Konflik. Er ist da und offenbart sich u.a. im Gewand von verzweifelten Menschen, die lieber ihren Tod riskieren, als in ihren Heimatländern zu bleiben. Wie perspektivlos müssen die Aussichten auf ein gedeihliches Leben sein, wenn Eltern ihre Söhne und Töchter auf diese ungewissen Reise schicken? Es machen sich junge Menschen auf den Weg, weil sie hoffen, eine Chance ergreifen zu können, für ein besseres Leben in der Fremde. Dabei dürfte den meisten klar sein, dass es ein langer Weg ist, sich in der Fremde zu etablieren und schneller Reichtum und Wohlstand nicht zu erwarten sind und erst die nächste Generation, die Früchte des Mutes ihrer Eltern ernten darf.

Sie kommen nackt, unbewaffnet über das Meer und werden wie feindliche Angreifer den tödlichen Tiefen des Mittelmeers überlassen. So wird die See zum unüberwindbaren und tödlichen Burggraben Europas, weil es die europäische Politik so will. Die Empörung aus dem letzten Jahr, über die 20000 Toten in 10 Jahren ist verhallt und wieder sterben Hunderte in überfüllten Booten. Statt mit der Einreise der Menschen Chancen zu verbinden, sehen Politiker schwarz, weil Neid und Missgunst und keinesfallsl christliche Nächstenliebe das Miteinander in Europa bestimmt. Europa ist ein Menetekel für die Weltgeschichte und kein Glücksfall.

„All die Menschen, die da an den Stränden sterben – ich wäge meine Worte: Wenn es Weiße wären, die ganze Welt würde erzittern.“

So der aktuelle Aufschrei der senegalesischen Schriftstellerin Fatou Diome im französischen Fernsehen und er ist mehr als berechtigt. Europa versagt und hat nichts aus seiner Geschichte gelernt. Das haben schon ganz andere, zu anderen Zeiten gesagt, wie das folgende Zitat belegt:

„Verlassen wir dieses Europa, das nicht aufhört, vom Menschen zu reden, und ihn dabei niedermetzelt, wo es ihn trifft, an allen Ecken seiner eigenen Straßen, an allen Ecken der Welt. Ganze Jahrhunderte hat Europa nun schon den Fortschritt bei anderen Menschen aufgehalten und sie für seine Zwecke und seinen Ruhm unterjocht; ganze Jahrhunderte hat es im Namen seines angeblichen ‚geistigen Abenteuers‘ fast die ganze Menschheit erstickt…. Frantz Fanon 1961 Die Verdammten dieser Erde

„Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?“ so haben wir Fangen gespielt. Wie unerhört dieser Satz ist und wie tief verankert er im europäischen und deutschen Bewusstsein ist, wird mir immer bewusster, besonders dann, wenn ich mir anhöre, wie die führenden Politiker in Deutschland die offenen soziale Frage Afrikas und die damit verbundene humanitäre Krise handhaben. Was sind das für Zustände? „Es regiert die Unterwelt“ , wie Anne Frank geschrieben hat und schon gar nicht die Humanität, was sich im Mittelmeer abspielt beweist die Scheinheiligkeit des Parteienkartells von Sozial- und Christdemokraten in Europa. Sie haben die Mehrheit und die Lösung des Nord-Süd-Konfliktes liegt mit in ihrer Hand. Sie sind es die, die Agenda bestimmen und das Thema nach vorne bringen können.

Es gibt vernünftige Vorschläge, sie liegen auf dem Tisch, kein Mensch muss auf dem Weg nach Europa sein Leben riskieren.

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