Baltimore ist überall


Der ehemalige Polizeireporter David Simon ist der Autor der FernsehserieThe Wire, die sich heute wie eine Blaupause der Unruhen in Baltimore liest, er hat nach den Straßenschlachten den folgenden Aufruf auf seinem Blog gepostet:

Baltimore – first things first

Yes, there is a lot to be argued, debated, addressed.  And this moment, as inevitable as it has sometimes seemed, can still, in the end, prove transformational, if not redemptive for our city. Changes are necessary and voices need to be heard.  All of that is true and all of that is still possible, despite what is now loose in the streets.

But now — in this moment — the anger and the selfishness and the brutality of those claiming the right to violence in Freddie Gray’s name needs to cease.  There was real power and potential in the peaceful protests that spoke in Mr. Gray’s name initially, and there was real unity at his homegoing today.  But this, now, in the streets, is an affront to that man’s memory and a dimunition of the absolute moral lesson that underlies his unnecessary death.

If you can’t seek redress and demand reform without a brick in your hand, you risk losing this moment for all of us in Baltimore.  Turn around.  Go home.  Please 

Ich habe zwei Botschaften an den Journalisten David Simon. Erstens möchte ich ihm ein Zitat von Goethe in Erinnerung rufen: „Die Geister die ich rief, werde ich nun nicht mehr los!“; und zweitens: man kann diesen Aufruf, mit leichten Veränderungen, neu adressieren. Statt im Namen des Opfers könnte da auch im Namen der Öffentlichen Ordnung stehen und der Aufruf ein Appell sein, an die Polizei, die Ausübung ihres Gewaltmonopols zu überdenken, denn die Polizei der USA läuft Gefahr, mit diesen sich wiederholenden Exzessen, gegenüber den in Gewahrsam genommenen afroamerikanischen Delinquenten, das letzte Vertrauen in ihre Arbeit zu verspielen.

Der Aufruf, den er vor drei Tagen veröffentlicht hat, findet breite Zustimmung und viel Applaus, er wurde 2000 Mal auf Twitter gepostet und 840 Mal kommentiert. Die Resonanz ist gigantisch und die Kommentare eine lesenswerte Auseinandersetzung. So schreibt ein Kommentator:

How are people supposed to get anything? what’s wrong with fighting back? You decry the destruction of their neighborhood. But doing nothing, looking to politicians and business leaders to solve their problems for them is a joke. It boils down to looking to the very same people for a solution who have been destroying jobs, education, housing in their greedy search for ever greater profits. As for violence: how many people do the cops kill every year, people who are unarmed. How many lives are destroyed by throwing people in prison? Yet, you condemn the people who are trying to fight against that. Very, very sad.

Die Missstände im US amerikanischen Gemeinwesen sind so drastisch, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann an und wo neue Unruhe ausbrechen und die Nationalgarde gerufen werden muss, um die öffentliche Ordnung wieder herzustellen. Es wird spannend wie die brennende soziale Frage den US amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf im nächsten Jahr bestimmen wird. Wie werden die Republikaner und wie die Demokraten mit dem Thema umgehen?


Die Analyse von einem, der es wissen muss: The #Wire-Autor David Simon. Lesenswert: http://www.theguardian.com/media/2015/apr/29/david-simon-baltimore-police-army-occupation

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