Nachlese zum 8. Mai 1945


“Wir müssen uns daher fragen,
was wir haben, wo wir stehen?”

Diese Frage und seine Antwort dazu habe ich aus dem Netz gefischt, sie stammt aus der Feder des Wiener Historikers Wolfgang Schmale. (Lesenswerten Blog)
Ich erweitere die Antwort mit dem Folgenden: Ja, die Frage ist 70 Jahre später eine berechtigte Frage und es gibt eine Menge Antworten darauf, die deutschsprachigen Feuilletons sind voll davon, sie sind so vielfältig, wie die Wirklichkeit die dazu gehört.

Wobei zu fragen ist, wer denn mit dem „wir“ gemeint ist? Die SPD hat im letzten Bundestag mit dem Slogan geworben – das „Wir“ entscheidet. Ja, es hat entschieden, aber anders als es sich die SPD gedacht hat. Das „wir“ bleibt häufig genug wage, manchmal erscheint es mir wie eine Ablenkung, eine Abwehr, um die wahre Person nicht benennen zu müssen. Aber wir kommen nicht um hin diese „wir“ zu definieren. Wer ist mit wir“ gemeint? Wer mit „die Deutschen“?

Die Deutschen oder auch die Österreicher? Das „wir“ ist, so verwendet, vereinnahmend und da wird so mancher in einen Topf gesteckt, der da gar nicht hinein gehört. Die Nazis das waren zeitweise, nicht nur eine Bande von Kriminellen, sondern eine Massenbewegung, mit der sich viele im deutschen Reichsgebiet und darüber hinaus solidarisch erklärt haben, insbesondere vor Kriegsbeginn 1939. Das änderte sich schlagartig, als der Terror die Nachbarschaft erreicht und die Masken fielen und dann war es zu spät, dann waren die Nazis überall dort, wo auch die Macht gesteuert wurde, insbesondere bei der Polizei und Justiz.

Gefangen in der Diktatur rannte die sogenannte Volksgemeinschaft in ihr Verderben und konnte nur vom Diktator befreit werden, indem die ganze Nation militärisch in die Knie gezwungen wurde. Die Erlösung kam mit der Vernichtung.

Wer ist also das „Wir“? Die Deutschen und die Österreicher?

Abgesehen von dieser Kleinigkeit stelle ich fest, die alte Dame – die 7 Jahrzehnte, seit der Kapitulation – hat die Zeit gut genutzt. War Deutschland (West-und Ost-D.), in Rechtsnachfolge, mit der ganzen Welt verkracht, mit a l l e n direkten Nachbarn, abgesehen von der besonderen Situation mit der Eidgenossenschaft, so steht dieses wiedervereinigte Deutschland heute, in so einem günstigen Licht dar, wie es niemand Damals vorher sehen konnte.

Was würde Thomas Mann heute schreiben, er würde wohl seine Texte zu Deutschland überdenken und fest stellen, die Deutschen sind nicht spießiger, engstirniger und provinzieller als die anderen und seine von ihm so hoch gelobten US-Amerikaner haben inzwischen, bei näherer Betrachtung auch ihre Unschuld verloren.

Deutschland kann Demokratie und sie scheint dem Land wie auf den Leib geschrieben zu sein. Deutschland ist nicht “primus inter pares”, aber eine Größe an der auch die anderen in Europa und der Welt nicht vorbei schauen können und nicht mehr vorbei schauen wollen. Der Weg der in Bonn begonnen wurde und heute in Berlin weitergeführt wird, hat Deutschland aus der Isolation geführt und zum integralen Teil der EU werden lassen. Was heute ist, war 1945 undenkbar, auch wenn immer noch gerne plakativ gespottet wird, mit:

Am deutschen Wesen, soll die Welt genesen!

Die“ Regierungen, insbesondere in West-Deutschland haben ihre Chancen genutzt, die Beziehung zu unsern Nachbarn auf Versöhnungskurs gebracht, so dass zukünftig der 8. Mai einen Wendepunkt markiert, den es zu feiern gibt, mit Beethoven und vielleicht auch mit Straßenfesten. Es ist mir bewusst, meine Eltern werden den Tag immer anders in Erinnerung behalten, – als Erlösung und als “Vernichtung”, wie es Theodor Heuss zusammen gefasst hat.


  • Der FAZ Journalist Rainer Blasius hat zum 70. Jahrestag des Kriegsende  lesenswerte Analysen  und Zusammenfassungen („Bonn und der 8. Mai“ -Feiern: vom 1.Jahrestag bis Heute) zu Papier gebracht, die ich gerne empfehle.
  • Und ich empfehle ein Interview mit dem israelischen Schriftsteller David Grossman in der SZ vom 10.Mai.2015, zu 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. Es ist ein gute Illustration, wie Deutschland 2015 u.a. von Israel aus gesehen werden kann.

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