Yehuda Amichai – vertrieben seit 1935 – „mein Volk lebt“ – von Würzburg nach Jerusalem


(Alte Mainmühle am Mainkai in Würzburg,
Meefischli und ein Bocksbeutel Steinwein auf dem Tisch
)

Einer: „Sie haben es hingenommen.“
Der Andere: „Was haben sie hingenommen?

Einer: „Die Vertreibung!“

Der Andere:„Was meinst du mit Vertreibung?“

Einer:„Na, die Vertreibung vom Ludwig!“

Der Andere: „Von wem redest du?“

Einer: „Vom  Pfeuffer Ludwig!“

Der Andere:„Ach so, den meinst Du! Wollten die nicht sowieso gehen?“

Einer:„Ja, was weiß ich viel!“

Der Andere:„Haben sie es bedauert?“

Einer:“Sieht nicht so aus…“

Der Andere: „…jeder da, wo er hingehört!“

Einer:„..der Pfeuffer Ludwig war ein Kind, wie wir. 10 Jahre waren wir“

Der Andere: „Hast du ihn noch mal getroffen?“

Einer: „Nein“


DIR

Wie ein Säugling, /der sich mit Essen beschmiert,/ will ich mich beschmieren mit den Problemen der Welt./ Mein ganzes Gesicht, /meine Augenbrauen, mein Hemd, /meine Hosen, das Tischtuch. /Das Kleid meiner Geliebten. /Meine Mutter. Die Berge. Die Himmel. /Die Leute. Die Füße der Engel.


Zeit

Der Ort, / an dem wir recht haben,/ ist zertrampelt und hart wie ein Hof. /Zweifel und Liebe aber lockern die Welt auf / wie ein Maulwurf, wie ein Pflug. n/ Und ein Flüstern wird hörbar /an dem Ort, wo das Haus stand, / das zerstört wurde.


  • Jehuda Amichai: Zeit. Gedichte. Übersetzt aus dem Hebräischen von Lydia Böhmer und Paulus Böhmer. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1998. 67 Seiten, 14,30 EUR. ISBN-10: 3518409875

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s