Ehe für alle – vertragsrechtliche Zweisamkeit


Einsam, zweisam – grausam

„Die Zivilehe kam erst durch die französischen Besatzungsmacht in den deutschsprachigen Raum … Der Code Civil mit seinem Konzept der Ehe, als staatlich-vertraglicher Vereinbarung, kollidierte damals heftig mit dem Sakraments-Konzept der kirchlichen Ehe … So beendete die Zivilehe das eifersüchtig gehütete Monopol der Staatskirche, legale Ehen zu schließen (und ungenehmen Bürgern zu verweigern) … Insbesondere die zivilrechtliche Möglichkeit der Ehescheidung erschien Kirchenleuten als Sittenlosigkeit … Nach Frankreichs Rückzug überstand die (aus kirchlicher Sicht) anrüchige Zivilehe alle Versuche, sie in der Restaurationszeit wieder abzuschaffen… Preußen führte die Zivilehe obligatorisch mit Gesetz vom 23. Jan. 1874 ein. Das Deutsche Reich orientierte sich an dieser Vorgabe … Das Spannungsverhältnis zwischen Zivilehe und Kirchenehe besteht bis heute (So ist es in Deutschland nur im Kirchenrecht erlaubt, 14jährige Mädchen zu ehelichen) …“ (Klaus Fischer, FAZ, 28.05.2015  Die Homo-Ehe ist eine Niederlage für die Kirche)

Die Kirche als Hüterin der Zivilehe ist eine Absurdität.
Die Zivilehe, wie sie der „code civil“ an dachte, ist so auch fester Bestandteil des BGB, das am 1. Januar 1900 in Kraft trat.

Das BGB steht in der Tradition des rheinischen Rechts (dem scholastisches Denken) und im Gegensatz zum angelsächsischen Recht (dem forensischen Denken). Eines der 5 Bücher, des BGBs umfasst das Familienrecht, es ist in starkem Maße an definierten Normen orientiert, wohin gegen im angelsächsischen Raum, so auch im Familienrecht, das Gewohnheitsrecht bestimmend ist. So beeindruckt das moderne Familienrecht Kanadas, weil es in seinen Gesetzen stärker die präjudizierende Wirklichkeit widerspiegelt, als es das deutsche Familienrecht kennt.

Dies wird auch an der aktuellen Diskussion um die „Ehe für alle“ und das Plebiszit in Irland deutlich! Die Gegenargumente sind an Werten und Normen orientiert, das Für an den  gelebten Gewohnheiten.

Die Diskussion spiegelt einen Streit zwischen zwei Rechtsauffassungen wieder, die nebeneinander auf dem Kontinent existieren und das EU Recht beeinflussen. Es ist leicht Schlagbäume abzubauen, aber die unterschiedlichen Rechtskreis auf eine zu reduzieren, alles andere als einfach.

Es ist ein Irrtum zu meinen, Irland hätte über Nacht seinem tief verankerten Katholizismus die kalte Schulter gezeigt. Irrland hat vielmehr, in der Tradition des Gewohnheitsrechtes, einen Tatbestand bestätigt der mehrheitlich unstrittig ist. Sie sind wohl katholisch, folgen jedoch dem common law des Königreichs und nicht einer kontinentalen Rechtsauffassung.

Wenn der Fraktionsvorsitzende der CDU Volker Kauda die Ehe, als ein Bündnis zwischen Frau und Mann definiert, dann tut er dies nicht auf der Basis des Gewohnheitsrechtes, sondern des rheinischen Rechts. Er macht einen konstruierten, normativen Unterscheidet zwischen der Ehe (für Fau und Mann) und der eingetragenen Lebenspartnerschaft (zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern). Die Befürworter antworten daraufhin, mit Hinweisen auf die gelebte Wirklichkeit, verweisen auf die Tatsache das Männer und Frauen vor dem Gesetz gleich sind,  ergo eine fortgesetzte Unterscheidung zwischen Frau und Mann diesem Gleichheitsgebot widerspricht.

Letztendlich belegt die Diskussion den Wertewandel in unserer Gesellschaft und ist Ausdruck der Weiterentwicklung des Rechtes. Im Zusammenhang mit der EU Weiterentwicklung und der Angleichung nationalen an europäischem Rechts, wird vielleicht schon die Nächste Jahrhundertwende, von einem Europäischem Gesetzbuch für Zivilrecht begleitet werden, worin ganz sicher die „Ehe für alle“ gilt.

Sicher wird die Katholische Kirche diese Ehen anders behandeln, um ihrem Eheverständnis treu bleiben zu können, aber es wird dann ein separates, katholisches Verständnis sein und kein universales, so wie es der Vatikan über Jahrhunderte in Europa und der neuen Welt praktizieren konnte.

Eines ist auch klar, die katholische Kirche folgt nicht ihren Schäflein, sondern erwartet, dass die Schäflein ihr folgen. Sie gibt die Moral vor. Sie versteht sich, als die moralische Instanz, über alle Zeiten hinweg und allen gesellschaftlichen Wandlungen zum Trotz.

Ob einsam, zweisam, grausam wird, hängt von den Gewohnheiten und  den Beziehungen innerhalb des zweier Bündnisses ab, deshalb ist auch nicht verwunderlich, wenn in der kanadischen Rechtsprechung explizit von Beziehungen geredet wird. Im BGB kommt das Wort in diesem Zusammenhang gar nicht erst vor. Wer spricht schon von Liebe und Beziehungen, wenn es ums Recht geht?

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