Kant vs. Kant – Aufklärer & Rassist?


„Es ist hier nicht von Philanthropie, sondern vom Recht die Rede, und da bedeutet Hospitalität das Recht eines Fremdlings, seiner Ankunft auf dem Boden eines andern wegen von diesem nicht feindselig behandelt zu werden. Dieser kann ihn abweisen, wenn es ohne seinen Untergang geschehen kann, so lange er aber auf seinem Platz sich friedlich verhält, ihm nicht feindlich begegnen.“

„(…) ein Besuchsrecht, welches allen Menschen zusteht, sich zur Gesellschaft anzubieten vermöge des Rechts des gemeinschaftlichen Besitzes der Oberfläche der Erde, auf der als Kugelfläche sie sich nicht ins Unendliche zerstreuen können, sondern endlich sich doch nebeneinander dulden müssen, ursprünglich aber niemand an einem Orte der Erde zu sein mehr Recht hat, als der andere?“ („Zum ewigen Frieden“)

versus

„Die Negers von Afrika haben von der Natur kein Gefühl, welches über das Läppische stiege. Herr Hume fordert jedermann auf, ein einziges Beispiel anzuführen, da ein Neger Talente gewiesen habe, und behauptet: daß unter den hunderttausenden von Schwarzen, die aus ihren Ländern anderwärts verführt werden, dennoch nicht ein einziger jemals gefunden worden, der entweder in Kunst oder Wissenschaft, oder irgend einer andern rühmlichen Eigenschaft etwas Großes vorgestellt habe, obgleich unter den Weißen sich beständig welche aus dem niedrigsten Pöbel empor schwingen und durch vorzügliche Gaben in der Welt ein Ansehen erwerben. So wesentlich ist der Unterschied zwischen diesen zwei Menschengeschlechtern, und er scheint eben so groß in Ansehung der Gemüthsfähigkeiten, als der Farbe nach zu sein. Die unter ihnen weit ausgebreitete Religion der Fetische ist vielleicht eine Art von Götzendienst, welcher so tief ins Läppische sinkt, als es nur immer von der menschlichen Natur möglich zu sein scheint. Eine Vogelfeder, ein Kuhhorn, eine Muschel, oder jede andere gemeine Sache, so bald sie durch einige Worte eingeweiht worden, ist ein Gegenstand der Verehrung und der Anrufung in Eidschwüren. Die Schwarzen sind sehr eitel, aber auf Negerart und so plauderhaft, daß sie mit Prügeln auseinander gejagt werden müssen.“(„Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen Kapitel V“)

Zwei Textpassagen die aus der Feder von Immanuel Kant (1724-1804) stammen, geschrieben im Jahrhundert des Absolutismus, lange vor Auschwitz. Kant ein viel zitierter Chronist der Vernunft, wenn es einmal wieder darum geht im politischen Diskurs die Vernunft anzumahnen.

Dagegen ist wenig einzuwenden, jedoch um so mehr, wenn er einseitig zitiert wird, um einem politischen Interesse Autorität und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Wie in der aktuellen Diskussion zur offenen Flüchtlingsfrage anno 2015.

Solche durchsichtigen Vereinnahmungen sind leichtfertig, wie jüngsten in der Zeit, wenn es darum geht die gefühlte Dummheit von Mitbürgern – dem „braunen Mob“ aus Freital, mit der Vernunft weltmännischen Journalismus ausstechen zu wollen.

Kant ist nicht sakrosankt bzw. unfehlbar, auch der regest Geist kennt seine Filterblase und irrt – heute würde er, wegen des Zitates über die Neger, mit einem Shitstorm erste Güte bedient werden und ein anderer Mob seine Vorlesungen sprengen.

Kant würde mit der Erfahrung von Auschwitz, seine Kritik der reinen Vernunft, sicher redigieren, anpassen und mit den Erfahrungen eines Elias Canetti, eines Theodor Adornos und einer Hannah Arendt verknüpfen. Vieles, was alt ist, ist noch lange nicht zeitlos.

Entscheidet ist, ob einer Macht hat und Rasissist ist. Was kümmern mich die Ängste einzelner, ich muss sie kaum belehren, jeder hat seinen Formenkreis der Angst, gefährlich wird es erst, wenn einer in Amt und Würden ist. Somit die Angst, in letzter Konsequenz, seine politische  Agenda bestimmt, zum bestimmenden Leitmotiv des politischen Handelns generiert.

Doch lest selbst und bildet euch eine eigene Meinung.

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