Kein Happy Ende für Aylan Kurdi #KiyiyaVuranInsanlik


Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung
aller staatlichen Gewalt.

Ein toter Bub in der Brandung, Wellen umspülen den leblosen Körper, jetzt gehört er ihnen, sie lecken und streicheln ihn. Liebkosungen für einen waisen Leib. Nein, niemals – niemals hätte er dort liegen dürfen, er gehörte in ein Bett, in ein sichere Haus, er hätte toben und spielen sollen, mit seinem Bruder, unter der Sonne des Südens, wie unzählige andere Kinder, in diesem Sommer, an diesem Strand.

Inzwischen kennen wir seinen Namen. Der Bub aus Kobane heißt Aylan Kurdi, er wurde nur drei Jahre alt. Er ist gemeinsam mit seinem 5 jährigen Bruder und seiner Mutter auf der Flucht im Meer der Ägäis ertrunken. Seine Eltern waren auf dem Weg von Syrien zu Verwandten in Kanada, das war ihr Plan, die Bürokratie vereitelte es, Spielregeln die ordnen und sichern sollen, die sie zwangen, die Überfahrt mit einem dieser Seelenverkäufer zu wagen.

Eine Meldung und ein Bild geht um die Welt, da liegt er, mit dem Köpfchen in der Brandung und mit den Füßen im Sand. Aylan trägt ein rotes T-shirt, eine halb-lange, blaue Jeans und Turnschuhe, mit Klettverschluss – keusch und unschuldig im Wasser aufgebahrt, da liegt sein Leib in der Brandung, die Szenerie hat was ikonographisches, ich fühle mich an Caravaggios erinnert, an seinen Über-Realismus. Das Bild passt einfach nicht, Strandimpressionen sehen anders aus, kippen nicht, sind friedlich und erzählen uns andere Geschichten. Diese aber ist brutal und bitter. In der Mitte, die Farben Rot und Blau, Sandbeige, unscharf der Grund,  bleich die Haut, wie, die eines Engels – Raffaelsche Farben.

Das Foto schockiert, es geht auch mir nicht aus dem Sinn, wie der Bub da liegt, dahin gespült von der Brandung, abgelegt vom Meer – Ich muss unweigerlich an meinen Sohn denken, als er drei Jahre alt war, in meinen armen schlief, so schicksalslos dachte ich Damals und ich kann nur erahnen, wie es dem überlebenden Vater Heute geht. Grausam ist die Wirklichkeit, schonungslos und unerbitterlich.

Gestern habe ich einen Tweet abgeschickt und darin unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, wenn ich für diese Tragödie verantwortlich mache. Die EU-Kommission und ganz konkret den griechischen EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos.

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Ich komme immer mehr zu dem Ergebnis, wir werden in Brüssel von einer Horde, vielleicht auch Meute von „anarchistischen Egomanen“ regiert, die nach der Devise operieren – MYOB.

Heute sind die Zeitungen voller Kommentare zu dieser Tragödie, das Bild des Buben dominiert die Headlines. Aber in keiner der Nachrichten und Kommentare lese ich den Namen des EU-Kommissars, als ob er gar nicht existiert, als ob innerhalb der EU-Kommission niemand für die Flüchtlingsfrage zuständig wäre, keiner fordert seinen Rücktritt. Man könnte den Eindruck gewinnen, die Arbeit der Kommission ist ein Ehrenamt und kein hoch dotierter politischer Managementposten. Dabei arbeitet Dimitris Avramopoulos mit einem Team in Bataillonsstärke. Ein kurzer Klick und man ist auf der Seite des EU-Kommissars und dort ist zu lesen, wie er seine Aufgabe definiert, für was er zuständig und was ihm wichtig ist.

Ein aktueller Screenschoot von seinem Twitter-Account zeigt. er und sein Team sind voll beschäftig, habe gerade jetzt keine Zeit zu den aktuellen Ereignissen, auch am 3. September  Stellung zu nehmen.

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Die Verpackung stimmt, aber es ist nicht drin, was drauf steht. Der konservative Politiker der Nea Dimokratia, ist klar und deutlich in seiner Aufgabenbeschreibung – Hätte er dies  Aufgabe erfüllt, dann würde Aylan noch leben können, hätte er, wie viele Millionen anderer Flüchtlinge vor ihm, in einem regulären Liner die sicher Überfahrt nach Kos erleben dürfen.

Nach dem dieses Bild um die Welt ging, steht Aylan – in seinem roten T-shirt und seiner blauen Jeans, stellvertretend für all die Flüchtlingskinder, wie auch die vier, die vor einer Woche, in einem 7,5 Tonner, auf dem Weg von Budapest nach Wien, mit 67 anderen Flüchtlingen, erstickt sind.

Vor 99 Jahren drehte Charlie Chaplin seinen Film „The Immigrants“, ich schau mir den Film an und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen, Charlie Chaplin verharmlost das Elend auf den Flüchtlingsschiffen, macht sich lustig über das Leid der Menschen. Mit den aktuellen Bilder Kopf, ist dieser Streifen eigentlich eine Zumutung und doch auch wieder nicht.

Chaplins Filme haben immer ein Happy Ende, darin sind sie zeitlos, weil er etwas zum Ausdruck bringt, was alle Flüchtlinge, der vergangenen und zukünftigen Tage, auf die lange Reise hat gehen lassen und gehen lässt. Die H o f f n u n g  auf ein besseres Leben, auf ein Leben in Sicherheit und Ordnung, mit erkennbaren Aussichten, wie der nächste Tag sein würde, alles das, was auch die Eltern von Aylan, sich für ihre Kinder wünschten, sie ermutigte die lange und gefährliche Reise, von Syrien nach Kanada, auf sich zu nehmen – Die Hoffnung auf ein besseres Leben, jenseits von Krieg und Barbarei.

Für Aylans Eltern hat sich das als fataler Irrtum erwiesen, es ist schlimmer geworden, sie sind ins offene Messer gelaufen; weil die Welt jenseits von Kobane, auch nicht friedlicher und menschenfreundlicher ist; weil in Brüssel Großkopferte sitzen, mit üppigen Bezügen, bis ans Lebensende, die sich beständig und hartnäckig weigern, legale Brücken der Einwanderung nach Europa einzurichten.

Das Mittelmeer ist ein tödlicher Wassergraben, nicht Schlangen und Untiere gieren hier, sondern die Geister der Untätgkeit.  Nach Auschwitz haben wir gelernt, dass wir nicht nur nach den Taten der Barbaren fragen müssen, sondern auch nach den Untaten, den Unterlassungen, u.a. der Bürokraten, die in klimatisierten Räumen, über Studien grübeln, Daten bewerten, die, die Humanität bewirtschaften.

Ich erwartete, dass gestern ein Shitstorm durch die sozialen Medien brandete, der den EU-Kommissar im Speziellen und die Eu-Kommission in Gänze anklagt, aber nichts ist passiert, der Aufschrei blieb aus. Mister Migration der EU, wird nicht vor die Kameras gezerrt, nicht belagert von Journalisten, nicht von der Creme de la Creme der investigativen Blogger zur Rechenschaft gezogen, angeprangert und bloß gestellt.

Totenstill ist es um ihn, dabei darf man davon ausgehen, dass der griechische EU-Kommissar die besten Beziehungen zu griechischen Rädern unterhält – er hätte einen Fährdienst veranlassen können, um den Schleppern an der türkischen Küste das Handwerk zu legen. Aber eine solche Lösung ist so unwahrscheinlich, wie ein 6er im Lotto.

Und wieder kommen die Verantwortlichen Politiker ungeschoren davon, klopft kein Staatsanwalt auf ihre Finger und fragt, was hast du getan, um diese Tragödie zu verhindern. Wo waren die Einheiten von Poseidon, die die griechischen Gewässer kontrollieren, wie Frontex die italienischen, vor der Libyschen Küste, im Auftrag der EU?

Aylans Eltern hätten niemals so flüchten dürfen, Aylan und sein Bruder hätten in einem Bettchen liegen müssen, auf einem sicheren Schiff, das ihn und seine Eltern, sicher aus der Kriegsregion gebracht hätte, in einen sicheren Hafen, der ihre Hoffnungen wahr hätte werden lassen, wie in Chaplins Film.

Die Nation mit der größten Handelsflotte der Welt – Griechenland, kann keine sicheren Überfahrten von Kriegsflüchtlingen garantieren – das ist beschämend. Die EU sollte, den ihr verliehenen Friedensnobelpreis zurück geben – wenn sie noch einen Funken Anstand in sich spürt, weil es unwürdig ist, wie die EU, die Lösung der Flüchtlingsfrage, in den letzten 10 Jahren hat schleifen lassen. Das war nicht Unkenntnis, sondern Absicht!

Also, wo bleibt der Aufschrei? Wie viele Kriegsflüchtlinge müssen noch sterben auf dem Weg nach Europa? Ach, wie oft wurde diese Frage in den letzten Jahren gestellt und es verändert sich gar nichts. Diese Politik geschieht nicht in meinem Namen, diese EU-Elite hat für dies Politik kein Mandat von mir – ich sage dazu Nein.

Wir brauchen legale Wege nach Europa, Landungsbrücken, die Kriegsflüchtlingen eine Zuflucht bieten. Aylan und die vielen anderen Kinder hätten nicht den Tod finden müssen. Ihr Tod beschämt uns, weil wir ihnen keine Zukunft zu gebilligt haben, weil wir meinten, unsere eigene Zukunft stände mit ihnen auf dem Spiel – was für eine Hybris, was für eine Selbstbezogenheit.

Die Kinder dieser Welt haben besseres verdient, eine Kindheit ohne Gewalt und bürokratischem Terror. Nie wieder Krieg – was für eine unerfüllbar Utopie und dennoch geb ich sie nicht auf. ++ stoppt den Krieg ++

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