Die Heuchler vom Spreebogen – Kabinett Merkel I, II & III


Heute Morgen hat der Kolumnist Harald Martenstein, im Tagesspiegel, auf einen Widerspruch hingewiesen, einen von vielen, der zur Zeit die Diskussion zur Flüchtlingsfrage und die trunkene Willkommens-Euphorie in Deutschland, Österreich und Holland begleitet.

Wir alle sind Helfer, wir packen an, wir nehmen das Schicksal selber in die Hand, wir warten nicht mehr, bis die Politik endlich aus dem Quark kommt, „hört auf mit dem Reden, jetzt ist Helfen angesagt“ – Rebellion heißt heute nicht Fenster einschmeißen, sondern Menschen die illegale Einreise nach Österreich und Deutschland zu ermöglichen.

Wir sind eine Nation altruistischen Fluchthelfer, wir räumen für die Kriegsflüchtlinge, von Wien bis Amsterdam unsere Speicher und schaffen unsere abgetragenen Kleider zu den Bahnhöfen, wir bilden Spaliere, klatschen und skandieren, beschenken die Kinder mit Kamellen und Kuscheltieren.

Wer hinsieht, sieht nicht nur, die in den Himmel gereckten Arme der freudig Empfangenen, der sieht auch die müden Augen der jungen Frauen, die von Trauer und Scham erzählen. Die Flucht ist keine Prozession, die andächtig begangen wird, aber auch kein Karneval. Es ist kein Sommermärchen der Moral und Hilfsbereitschaft, es ist die verdammte Pflicht zur Humanität, für all die Unterlassungen, der Regierenden aus den letzten Jahren. (Bilder Serie des FAZ Reporters Rainer Meyer von HBF München)

Wir haben diese Regierung gewählt, wir tragen sie mit und sie ist es, die sich weigert, hinter der Grenze Syriens, Transitzentren zu errichten, die ihre Botschaft in Beirut verriegelt und zynisch informiert – „NO – Visa request / NO arbic spoken“.

Bildschirmfoto 2015-09-06 um 08.19.52

Für mich sagt dieses Bild alles über die Haltung dieser Bundesregierung, der großen Koalition von CDU/CSU und SPD aus. Ihre Wahrhaftigkeit geht gegen Null.

Ich schäme mich für diese Regierung, sie hat zu verantworten, dass Kriegsflüchtlinge sich Schleppern anvertrauen und den Weg der illegalen Einreise wählen, um ihre nackte Haut zu rette, vor der Barbarei des Kriegs. Der 3 jährige Bub am Strand von Bodrum geht auf das Konto der EU.

Es ist die EU und die Regierungschefs, die dem Appell von Angelina Julie, aus dem April d.J. keine Taten folgen ließen. Ganz im Gegenteil sie nahmen die Eskalation in Kauf, trotz aller Warnungen von Hilfsorganisationen und Journalisten, die aus dem Krisengebiet berichteten.

Zynismus hat einen Namen – Bundesregierung, Kabinett Merkell I, II und III. Flankiert von einer heuchlerischen Boulevardpresse und ihren Chefredakteuren.

Die BILD hetzt seit einem halben Jahr unaufhörlich und systematisch gegen die Armutsflüchtlinge und „faulen“ Griechen – Was ist mit unserem sozialen Gewissen los, hört es auf zu sein, bei den Obdachlosen von Athen?

Heißen wir unsere europäischen Brüder und Schwestern auch willkommen, bauen wir ihnen Unterkünfte, die sie vor Kälte und Regen schützen; heißen wir die Jugend Südeuropas in unsern Reihen willkommen, bieten ihnen Ausbildungsplätze an?

Was ist mit unserer Hilfsbereitschaft, wenn es um unsere europäischen Mitbürger geht? Was ist so gefährlich an einer Transfer- und Sozialunion, die die Not von Menschen lindert? Die Flüchtlinge aus Syrien werden sich noch wundern, was wir für eine Mentalität pflegen, aber für sie ist es alle Mal besser und erträglicher, als die Barbarei in ihrer Heimat.

Was wenn die Solidarität nur geheuchelt ist und doch einen Unterschied macht. Ist sie dann nicht rassistisch motiviert? Diese Regierung heuchelt heute Tatendrang, während ihre Untätigkeit aus allen Poren tropft.

Harald Martenstein trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er auch die Heuchelei in den Reihen der Aktivisten thematisiert.

Die Neubürger, träumen nicht von der Internationale, auch nicht vom Sozialismus und Antikapitalismus – Die wollen den EURO. Die wollen reich werden, die träumen vom Eigenheim, einem SUV; die werden so schnell wie der Wind, Bausparverträge abschließen; die werden bei der Zubereitung ihrer landestypischen Gerichte, nicht darauf achten, ob die Nahrungsmittel glutenfrei sind und aus biologischem Anbau kommen; die werden ihre Augen rollen, wenn sie sehen, wie wir Müll trennen, obwohl wir wissen, dass am Ende alles wieder zusammen in der Müllverbrennung verschwindet.

Sehnsüchte die viele in unserm Land längsten nicht mehr mitverfolgen und für absurd halten. Die Regierung wählt sich das Volk, dass ihren Weg anstandslos mitgeht, Profitoptimierung und Weltmarktführerschaft. Und wir sagen „welcome refugees“.

Ob wohl es eigentlich heißt „you are welcome“, was irgendwann, irgendwer und irgendwie dann wohl auch gesagt werden muss, wenn wir den Menschen als gleichwertiges Mitglied unserer Gesellschaft ansehen und nicht mehr nur den Flüchtling in ihm sehen, der unser Helfersyndrom antreibt. Wir hören es gerne, was der junge Syrer sagt, es streichelt unsere von  dunkler Geschichte beschlagenen Seele:

„I will never forget today.
Austrian people gave me back my life as a human“.

Die Regierenden in Den Haag, Brüssel, Berlin und Wien haben das Schicksal der syrischen Kriegsflüchtlinge ignoriert und mit Untätigkeit quittiert, jetzt betreiben sie Katastrophenhilfe, wie bei der Oderflut – es fehlen nur noch die Bilder, wo die Kanzlerin und ihr Vize bei der Essenausgabe und bei der Kleiderhilfe Hand anlegen.

Die Hilfsbereitschaft berührt, wer will das bestreiten und vom Beifall am Bahnhof begrüßt zu werden, ist allemal besser, als vom eisigen Schweigen, was wir sonst erleben.

Doch das entlässt die Politik nicht von der Pflicht, endlich in den Auslandsvertretungen, in der Türkei, dem Libanon und in Jordanien Visastellen ein zurichten. Baut Transitzentren für die Registrierung der Flüchtlinge, sagt wem ihr Asyl gewährt und wem nicht! Errichtet sichere Landungsbrücken nach Europa – „to provide safety legal avenues for the refugees“.

Hört auf mit der Heuchelei.  – Germany ist kein Disnyland und hier wird auch  kein Sommermärchen der Hilfsbereitschaft inszeniert. Kehrt vor eurer eigenen Tür, im Spreebogen. Wir brauchen keine Wachhunde, für die richtige Moral – Wir brauchen Menschen, die es ernst meinen mit der Humanität, ohne wenn und aber. Dazu gehört auch die Neuankömmling nicht darüber im Unklaren zu lassen, wie wir miteinander umgehen, wie wir zu Tisch bitten. Sicher, die Kriegsflüchtlinge treibt jetzt anderes um, als Antisemitismus, Frauenrechte und Homophobie, der Golan ist heute weiter weg als gestern.

Wir -d.h. Europa sind eine plurale und polyforme Gesellschaft, mit vielen Kulturellen Ausprägungen, mit einer klaren und unmissverständlichen europäischen Leitkultur.

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