Die spinnen, die Deutschen – die Entdeckung der Barmherzigkeit


Stürzt Deutschland Europa ins Chaos? – Die Nachbarn schütteln den Kopf und hinter vorgehaltener Hand hört man sie sagen „die spinnen, die Deutschen“!

„Who is afraid about Germany“ – Niemand, dann laufen wir! Vorweg, niemand in Europa muss sich vor den Deutschen fürchten – oder?

Die Piefken sind eben so, ihnen steigt wirtschaftlicher Erfolg zu Kopf, da handeln sie dann schon mal völlig irrational, weil sie es gut meinen mit Europa, besonders gut meinen, wie vor 500 Jahren, als Luther Europa mit seinem Separatismus beglückte.

Die Deutschen, besonders ihr protestantischer Teil will Musterschüler sein, Primus inter pares, es reicht ihnen nicht, sich einzureihen und anzustellen, sie lassen nicht fünfe gerade sein, wie die Habsburgerlinie, die im Süden siedelt. Deutsche spalten, einst das Atom und jetzt Europa!

Die Deutschen fühlen sich gerne berufen, berufen die wirtschaftliche Überlegenheit an moralische  zu koppeln. Wir Deutschen sind Großmäuler, Windbeuteln und Neunmalklug – was aber nichts anderes meint, als man müsse uns einfach gern haben, eben wegen all dieser Untugenden – es menschelt gewaltig beim Deutschen.

Jetzt ist er barmherzig, heiß im Herzen und voller Freude. Hoffen wir nur für die Deutschen, dass ihren neuen arabischen Mitbürger die 9 von Beethoven genauso gefällt, wie den asiatischen Freuden aus Nippon.

Was ist der Grund für, die große Haddsch? Weshalb bricht die arabische Welt zum Leben nach Deutschland und zum Beten nach Mekka auf? In den Flüchtlingslagern jenseits der syrischen Grenze, in der Türkei, im Irak und in Jordanien erschallt der Ruf vom „German dream“ und die Menschen laufen los, in das 3000 km entfernte Ger-ma-nia. Ist es das Versprechen, was lockt? – Aus der Image Kampagne der Kanzlerin – Gut Leben in Deutschland.

Es war ein deutscher Dichter der, der Welt den Satz schenkte „Es irrt der Mensch, solang er strebt“. „Streber“ ist auch so ein typisch deutsches Wort und die Deutschen mutieren in diesen Tagen zu den Strebern Europas in der Asylfrage. In den Ohren erklingt Bob Dylans Song „Things have changed“ es klopfen Zeilen gegen die Innenwände des Hauses und wollen raus “ I’ve been walking forty miles of bad road. If the bible is right, the world will explode“.

Was ist bloß los mit den Deutschen, was ist anders als vor 2 Monaten? Gab es da nicht auch schon all die Flüchtlinge, all die Toten im Mittelmeer, brandeten da nicht auch schon Kinderleichen, mit aufgedunsenen Bäuchen an die Küste?

Wieso jetzt diese Entdeckung der Barmherzigkeit? Macht die Kanzlerin einen auf Gandhi und Luther? Werden wir sie bald in einfachen Kleidern sehen, mit Papst Franziskus im Partnerlook – ganz in Altweiß? Und sie wird sagen: „Hier stehe ich und kann nicht anders. G’tt helfe mir, Amen!“. Der nächste Friedensnobelpreis ist ihr sicher!

Und die europäischen Nachbarn, die Franzosen, die Europa den Satz „cogito ergu sum“ schenkten; die Britten den Satz „to be or not to be“- was werden sie tun, gegen diese Macht in Berlin – Sein oder Nichtsein? Europa fragt sich, was ist los mit der Kanzlerin, was treibt sie, ist das eine ökonomische oder eine humanitäre Umarmung? Wo war die Barmherzigkeit beim Verhandlungspoker mit Alexis Tsipras, wo als Edward Snowden Asyl anfragte, wo als Matteo Renzi im Frühjahr um Hilfe bat?

„lead someone up the garden path“

Die Kanzlerin führt die europäischen Partner hinters Licht. Sie erklärt die Flüchtlingstrecks aus Griechenland hätte Deutschland überrascht. Nein, diesmal war es kein Tsunamie, der die Deutschen zur politischen Kehrtwende veranlasste.

Die Wende zur Barmherzigkeit ist eine politische Willenserklärung, ein Bekenntnis der Kanzlerin. Ob wirklich, der dahin drapierten Bub, am Strand von Bodrum sie so sehr erschütterte, wie sie der Rheinischen Post erklärte, darf bezweifelt werden. Zu schön klingt die Geschichte von der mitfühlenden Kanzlerin.

Wahrscheinlich ist, dass ein Telefonat die Entscheidung herbei rief und unwahrscheinlich ist, dass ihr in den Morgenstunden ein Engel erschienen ist und ihr die frohe Botschaft verkündete, den geschundenen Seelen in Ungarn und Syrien Zuflucht zu bieten. Das es passierte, wird bleiben und all die Fragen, nach ihren Motiven, verblassen.

Zurück bleiben verunsicherte europäische Partner, die nicht verstehen, was sich Deutschland da selbst beweisen will. Sie hat die Partner nicht konsultiert, nicht ihre Expertise abgefragt, nach kolonialer Erfahrung mit Zuwanderung und Integration. Sie wollen nicht mit auf diesen Zug aufspringen und wenn dann nur symbolisch, mit halbherzige Zusagen z.B. Londons, 20 TSD Migranten in 5 Jahren aufzunehmen.

Merkels Alleingang stürzt Europa nicht gleich ins bodenlose Chaos. Die europäischen Institutionen und Gesetze fallen in die Bedeutungslosigkeit. Sie sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Gesetz ist eben nicht mehr Gesetzt.

Während alle europäischen Nachbarn vorschlagen die europäische Außengrenze dicht zu machen, in der Region die Hilfen auf zu stocken und kontrolliert Asyl zu gewähren – hört die Kanzlerin weg und zwingt die Kommunen im eigenen Land unmögliches wahr zu machen und alle Regeln außer Kraft zu setzen. Das ist Chaos made by Angela Merkel. Ihr Alleingang wird zum Deutschen Menetekel in Europa.

Churchill und Thatcher werden es im Himmel mit Augenrollen quittieren – „and again the Germans“.

Who is afraid about the Germans – the rest of Europe. In der Eurokrise ist der Eindruck entstanden, dass nicht Brüssel das Machtzentrum Europas ist, sondern der Spreebogen in Berlin. Für die USA ist nicht Brüssel die EU-Kommission, Jean-Claude Juncker Ansprechpartner, nicht Hollande oder Cameron, sondern Berlin.

Die Deutschen sind Großmäuler, Windbeutel und Neunmalkluge, das haben sie in diesen Tagen erneut unter Beweis gestellt, ihr erneuter Alleingang wird zum Sicherheitsrisiko für Europa.

Was für die Kanzler von Adenauer bis Schröder Staatsräson war, wischt Angela Merkel mit protestantisch pastoralem Eifer vom Tisch.  Ils sont fous, ces Allemands!

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