„Weil ich ein ….. bin“ – Lückentext für Mythen


Gestern ist Neujahr gewesen. Israel und die ganze jüdische Welt feiert, wirklich die ganze – Nein, es gibt auch einige Unverbesserliche, einer schreibt lieber antisemitische Kommentare.

Bisher bin ich selbst noch nicht direkt angegriffen worden, doch, dass es schwierig ist in Deutschland, mit einer Kippa über die Straße zu laufen, war mir nicht neu – es bleibt immer ein Unterfangen, die Gedanken sind nicht frei und unbeschwert – dieses Land ist kontaminiert und die Halbwertzeit antisemitischer Teilchen ist lang.

Überall, wo ich geh und stehe, über und unter mir, in der Mitte, vor und hinter mir, treffen ich auf positiven und negativen Rassismus, Sexismus, Semitismus. Überall, wieder und wieder, wird nicht der Mensch, im Sinne von Primo Levi  gesehen, sondern das Etikett. Etikettieren und  simplifizieren statt zu differenzieren, weil der Mythos zählt statt die Information.

Auf einem politischen Blog, für den ich regelmäßig schreibe, hat ein Forist – natürlich anonym, seine antisemitische Gesinnung offenbart. Der Blog ist nicht politisch korrekt, hier finden sich Artikel der scharfzüngigen Israelkritikerin  Hecht-Galinski, der Tochter des verstorbenen Zentralratsvorsitzenden Heinz Galinski.

Wie damit umgehen – blocken, löschen, ignorieren – alles veritable Optionen.

Sicher es kann sinnvoll sein zu blocken und zu löschen, in diesem Fall habe ich mich dann doch dafür entschieden, dagegen an zu schreiben. Der Forist wird sich nicht vom Gegenteil überzeugen lassen. Doch sein Antisemitismus kann nicht unwidersprochen bleiben; ich überlasse ihm nicht den öffentlichen Raum; ich halte dagegen und zeige es an; ich leg meine Worte, als Gegengewicht in die Schale.

Sein Satz ist unmissverständlich: In sehr vielen Behörden, Gerichten, Polizei, Bundeswehr sind Personen mit jüdischem Hintergrund in den Führungspositionen.“ Und die Kanzler Schmidt, Kohl und Merkel werden als Beweis für die jüdisch-zionistische Unterwanderung herangeführt.  Meine Antwort auf den antisemitischen Kommentar:

Wie sind Sie denn drauf? Überall Juden, hier, dort, über und unter ihnen. Sind Sie sich sicher, ganz sicher, absolut sicher, dass Sie nicht auch dazu gehören, Lassen Sie sich testen, jede Universitätskliniek nimmt ihnen gerne Blut ab und screent ihr Genom, das lässt sich bis nach Afrika zurück verfolgen, wo her Sie kommen, wessen Genom sie in die Welt hinaus tragen. Machen Sie sich auf, vergeuden Sie keine Zeit. Klären Sie, machen Sie sich glaubhaft, bis ins letzte Glied. Ihr Vorteil – die Selbstauskunft verleiht Ihnen Autorität.

Autorität, die dieses Land so dringend braucht, um gerettet zu werden. Sie brauchen die unbedingte Gewissheit, woher Sie stammen und das Sie nicht doch auch ein Jüdlein sind. Wie Ihr Nachbar über, unter, neben Ihnen – Sie glauben gar nicht, wer alles in diesem Land und auch hier Jude ist – es wimmelt nur von Juden und Sie haben nur einen Gedanken, wie Sie sich die Welt untertan machen – steht ja schon in der Bibel und die ist ja bekanntlich auch … – ach, ich muss Ihren regen Geist nicht langweilen und strapazieren. Das haben Sie doch nicht verdient – Sie nicht!

Denken Sie gut nach, was Ihr nächster Schritt ist, bevor Sie Antworten – wirklich nach denken. Sie wissen, wer ihr Vater ist und wer dessen Vater ist und dessen Vater und dessen Vater und dessen Vater – oder sind sie gar ohne VATER gezeugt – gibt es! Der ganze Mythos Abendland baut auf dieser Geschichte auf, wichtig ist ja, dass man auf der richtigen Seite steht – blöd nur ist, dass man auf beiden Uferseiten der Welt gleichzeitig sein kann, bin ich hier, bin ich gleichzeitig auch dort – glauben Sie nicht, lesen sie nach – wer lesen kann ist … Lesen Sie Heisenberg und seine Unschärferelation. Denken Sie mal unscharf. Sie sind nicht hier, Sie sind nicht dort – wo sind Sie – da hilft auch keine Staatsangehörigkeit – ist ja doch nur eine Konstruktion, was Ausgedachtes – so, dass kennen Sie ja, ausdenken ist auch Ihre Stärke.

Zusammenhänge herstellen kann jeder, das ist keine Kunst. Wirklich brillant sind Sie erst dann, wenn Sie ohne Kausalketten auskommen. Sie haben sich das schön ausgedacht. Ausdenken können Sie. Das ist die Crux mit dem Beobachten, was mache ich bloß mit all meinen Eindrücken, die ich sammele? Ich muss sie ordnen, einordnen – etikettieren, mit einer Nummer versehen, einem Strichcode – ich muss den Code lesen – ich muss.

Wie hat sich das angefühlt, als sie diesen Kommentar mit senden abgeschickt haben – waren sie gespannt, ob das veröffentlich wird – war das so ihr kleiner Test – mal sehe, ob die mich auch blocken – sollte man, wollen Sie das?- Dann sagen Sie es doch! Aber der Herr des Hauses zieht den Stecker, wann er will und er fragt auch niemanden um Permission! Der ist ganz radikal, tief verwurzelt in seinem Freiheitsdrang und seiner Überzeugung. Also, wie hat es sich angefühlt? Sie haben was gefühlt, was?

Übrigens, wegen der Abstammung Kohls, hab ich nachgefragt, die sind rein katholisch, sie müssen sich da im Namen geirrt haben und miteinander verbunden haben, was nicht zusammen passt.

Und gut, dass Sie wissen, wo die Paragraphen-Taste zu finden ist – drei Tasten weiter nach links und Sie sind gerettet, einfach Mal ausprobieren – ist auch eine gute Erfahrung – eine Beobachtung wert. Haben Sie schon gesehen, dass die Tastenkombination JU und DE neben einander liegen, damit man nicht so lange suchen muss, um JUDE zu schreiben – versuchen Sie einmal Christ oder Moslem zu schreiben, unmöglich, da muss man hin und her springen, wenn man sich da mal nicht vertippt! Da brauchen Sie schon einen Katechismus, um nicht auf der Tastatur auszurutschen. Und noch verdächtiger ist ja, dass ER, WER & WERT, die einzigen dt. Worte sind, die auf Anhieb in richtiger Reihenfolge gesetzt sind.

Ordnung ist alles und sie lieben die Ordnung – machen Sie weiter – ordnen Sie Ihre Gedanken – ein Tipp – Wer die § kennt, kennt die ganze Welt und was sie zusammen hält – oder? Machen Sie sich groß und lesen Sie, lesen hilft – man kann nicht zu wenig lesen – Sie auf jeden Fall nicht.

Gehören Sie auch zu den Zeitgenossen, die noch denken, die Sonne ginge auf – versuchen Sie es mal so zu beschreiben, wie es wirklich ist, aus der Sicht der Sonne. Verdammt noch einmal, die geht nicht auf und nicht unter! Wer steckt hinter dieser Lüge – Wer wohl? Sicher wissen Sie es – Sie wissen es! Wer – schauen Sie auf Ihre Tastatur, da steht’s.

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