Die Nemesis der Kanzlerin


„Der Sommer war sehr groß, leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren und auf den Fluren lass die Winde los“ – Rilke, der Lyriker aus Böhmen hat die Stimmung idealisiert und seine Zeilen enden mit einer Warnung an den Herbst, sagen wir an den deutschen Herbst – „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr, wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen,(..)“ und keine langen Briefe schreiben – sie werden stattdessen lange Gesichter machen, sie, die  heute noch – „Ger-ma-ny, Ger-ma-ny“ gerufen haben.  Wie Rilkes Zeilen wohl übersetzt im Arabischen klingen?

Die Sozialministerin Münchens Brigitte Meier hält in Berlin eine Brandrede und die CDU Bundestagsabgeordnet Veronika Bellmann schreibt einen Brandbrief, der im Handelsblatt als Gastbeitrag veröffentlich wird.

Endlich möchte man sagen. Beide appellieren an die Öffentlichkeit, sie fordern der aktuellen Herausforderung mit planvollem Handeln zu begegnen statt mit wohlfeilen Heilsversprechen der Kanzlerin; sie reden gegen den Größenwahn an und begegnen ihm mit Realismus.

Mit bebender und verzweifelter Stimme tut es die Münchner Sozialministerin, mit abgeklärter Nüchternheit die Bundestagsabgeordnet aus Sachsen. Ihre Blicke/Beoabachtungen sind „vom Vorübergehen der“ Menschenmassen „so müd‘ geworden, dass sie nichts mehr hält“ und sie sprechen aus, was ihnen auf der Zunge brennt. Sie sagen, was gesagt werden muss und sie geben keine Einzelmeinung wieder, sie klagen ordnende Strukturen ein, damit die Kommunen ihren gesamtgesellschaftlichen Verpflichtungen gerecht werden können.

Leider fehlt beiden die Courage die Erfinderin des Migrationsglücks selber Paroli zu bieten. Sie verschonen sie, obwohl die Kanzlerin allein die Verantwortung für die unkontrollierte Zuwanderung trägt. Nein, nicht die Deutschen sind verrückt geworden, sondern die Kanzlerin ist verrückt, regelrecht ver-rückt und sie kann dabei kurioserweise auf das vollumfängliche Vertrauen der kompletten Opposition im Bundestag bauen. Wie ver-rückt muss sie sein, wenn das möglich ist?

Niemand ist in Sicht, der sie aus den eigenen Reihen herausfordert und dem Wahnsinn der Kanzlerin Einhalt gebietet. Wer kann sie noch stoppen?

Vielleicht werden sich in den nächsten Wochen 50 oder mehr Abgeordnete, aus ihren eigenen Reihen zum Widerstand formieren, das aber kann die Kanzlerin gelassen hinnehmen, weil sie ja die Linke, die Grünen und die SPD hinter sich weiß.

Dazu kommt, die Kanzlerin kann sich auf die Claqueure aus den Reihen der Medien verlassen. Keiner der Chefredakteure ergreift das Wort und nennt den Wahnsinn beim Namen, obwohl sie es besser wissen könnten, wenn sie die Daten und Fakten nicht ignorieren würden. Und wenn einer Fraktur redet, wie der Herausgeber der FAZ, dann ist sie weit weg von politischen Forderungen, z.B. nach der Vertrauensfrage, dem Rücktritt der Kanzlerin.

Deutschland muss gezwungen werden weltoffen und großzügig zu sein, so die Zeit in ihrer 37. Ausgabe. Man lese und staune ob der Wortwahl, Brüderlichkeit und Solidarität erzwingt man – In welcher Zeit leben wir und von welchem Geist der Macht werden wir beherrscht?

Wer nicht pariert wird öffentlich gebrandmarkt – Friss oder stirb – Noch können wir beruhigt sein, die Innenstädte sind nicht islamisiert, das Straßenbild ist heimatlich, auch wenn die Agenda in den Rathäusern nicht mehr von Themen der eigenen Bürgerschaft bestimmt wird. Die Kämmerer aller Kommunen schreiben fleißig an ihren Nachtragshaushalten.

Es lohnt in Zeiten des Größenwahns zur eigenen Beruhigung zwei deutschsprachige Bulgaren zu lesen. Da wäre einerseits Elias Canetti und sein Lebenswerk Masse und Macht zu nennen und Ilja Trojanovs Neuerscheinung Macht und Widerstand. Bei soviel Idiotie, die einem in diesen Tag beschert wird, braucht der Geist den frischen Wind unbestechlicher Analysten.

„Nichts fürchtet der Mensch mehr als die Berührung durch Unbekanntes. […] Es ist die Masse allein, in der der Mensch von seiner Berührungsfurcht erlöst werden kann.“[…]
„Nicht Empathie charakterisiere den Menschen, sondern die Furcht vor der Berührung anderer Menschen. Befinde sich der Mensch in der Öffentlichkeit, verlangten zufällige Berührungen mit anderen Menschen nach einer Entschuldigung. Stehe der Mensch im Aufzug, dränge er sich in eine Ecke, um nicht in Kontakt mit den Anderen zu geraten. Und das Einschließen in die Häuser sei nichts anderes als ein Versuch des Menschen, sich dem bedrohlichen Fremden in der Welt zu entziehen“.[…]
Einzig in der Masse, diesem von „Affekten“ geleiteten Gebilde, verliere der Mensch seine Furcht vor der Berührung, könne es zu einem Zustand der „Entladung“ kommen, zu dem Moment, an dem alle „ihre Verschiedenheiten loswerden und sich als gleiche fühlen“. (Elias Canetti, Masse und Macht)

Die Bilder von Dresden, Freital, Heidenau und von den Bahnhöfen in Deutschland, wo Bundesbürger/ freiwillige Helfer, die Migranten/Flüchtlinge singend, klatschend und die Kinder mit Süßigkeiten begrüßen und die Bilder von den Grenzen, wo Menschen – „we want to Germany“ skandieren, belegen gleichsam, wie treffend Elias Canettis Analyse ist. Die Effekte der Massenpsychologie sind offensichtlich, die Sentimentalität spürbar und die Kanzlerin verpasst keine Gelegenheit, ihr Berührtsein mit den Bildern zu verknüpfen. Das Erstaunen folgt einer Absicht, ist nicht uneigennützig. Deutschland pflegt sein Image – „Gut leben in Deutschland!“

„Heute ist die Moral an den Dollar gekoppelt“[…]“Wer’s Karussell dreht, das ist wichtig, nicht, wer,auf welchem Pferdchen sitzt.“[…] „Wahrer Geist ist Widerstand gegen die Macht des Geistes.“ (Ilja Trojanov)

Wer solchen Wind sät erntet kurioserweise keinen Sturm, macht aber nachdenklich, ob der Prinzipien der Macht und der Wirkung auf Massen. Wir sind alle Beobachter und wir können uns alle einen Reim darauf machen, was wir erleben und wir können reflektieren und wir fühlen, was uns am eigenen Leib widerfährt; wie sich die Konsequenzen politischen Handelns anfühlen, ob sie uns freier oder unfreien machen, ob sie unsere Möglichkeiten zu handeln erweitern oder einschränken.

Was also ist die Realität der Macht? Schauen wir hin – In der aktuellen Situation geht es keinesfalls um Barmherzigkeit, sie ist Mittel zum Zweck – es geht um Machtinteressen und wer diese orchestriert. Und in diesem Spiel handelt die Kanzlerin nicht politisch, sondern moralisch. Dabei sind die Massen der flüchtenden und jubelnden Menschen Teil einer Inszenierung und kein Ausdruck spontaner Verbrüderung oder Solidarität.

Die „WelcomeRefugees“ Kampagne ist Teil einer medialen Offensive. Das zivilgesellschaftliche, bisweilen unkonventionelle Engagement der Sozialaktivisten ist gewünscht und gewollt, sie tritt an die Stelle staatlicher Hilfsprogramme und ist Teil privatwirtschaftlichen Unternehmertums in der Sozialwirtschaft. Die zur Schau gestellte Helfer-Moral ist von politischen Interessen gesteuert. Trojanov sagt, „Ohne Moral gibt es keinen Massenmord“, die Aussage macht nachdenklich.

Medial wird kräftig moralisiert statt zu politisieren und Skepsis ist sehr wohl angebracht. Wir sollten uns Fragen, welcher Fahne folgt hier wer, gerade dann, wenn die Eliten, mit in der ersten Reihe stehen und singen. Wer so Politik macht produziert primär Bilder, schindet Eindruck und überlässt es, vom Helfersyndrom getriebenen Aktivisten, nach Wegen aus der Krise zu suchen. Wir sind im 9. Monat des Jahres und die Frage sei erlaubt, was seit dem 7. Januar, seit den Anschlägen von Paris passiert ist; wo stehen wir Heute? Was sind wir und wenn wir ein Einwanderungsland sind, was bedeutet das praktisch?

Die Kanzlerin spinnt, wenn sie meint die demografische Frage Deutschlands auf diesem Weg  zu lösen und gleichzeitig demokratische Prinzipien der Teilnahme am Entscheidungsprozess ignoriert. Die Masse der Bundestagsabgeordneten folgt ihrem Größenwahn. Qualifizierte Kritiker sind Frauen wie Meier und Bellmann, die das „wir schaffen es“ mit Anforderungen an die Politik verknüpfen.

Die Nemesis der Politik ist Ausdruck der Nemesis der Kanzlerin und ihrer Administration – Der Kanzlerin eilt der Ruf voraus unbestechlich und bescheiden zu sein, in diesen Tagen entpuppt sich dieser Mythos, als das was er ist – mehr Schein als Sein. Es wird immer deutlicher, sie hat eine ganz eigene Agenda und die hat wohl mehr mit Katharina der Großen zu tun, als mit dem Gemeinwohl in Europa und Deutschland. Merkel erobert die Welt für Deutschland und sie tut es, wie wir es zur Zeit erleben – rigoros und ohne Rücksicht auf die eigene Bürgerschaft und die Partner in der EU.

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