Eine Gegenrede – Schuld & Sühne


Wir alle sind Sünderlein – auch die lieben Araber

Versöhnung ist eine gute Sache. Jeder ist irgendwann ein Mal in seinem Leben aufgerufen sich zu versöhnen, mit einem Freund, der zum Feind wurde, mit einem Familienmitglied, von dem man sich unversöhnlich trennte. Versöhnung gelingt da, wo das Bewusstsein für die Untat und das damit verbundene Leid wach ist. Vergeben kann man sich nicht selbst, so man nicht selbst Opfer seiner Untaten ist. Opfer vergeben, nicht Täter.

Die Autorin Evelyn Hecht-Galinski hat ihre ganz eigene Vorstellung von Versöhnung. Passend zu Jom Kippur 2015 schreibt sie ihr politisches Sündenbekenntnis. Liest man ihren Artikel, der auch auf opposition24 veröffentlicht wurde, ist man über seine schonungslosen Ton erschreckt. Ihre Sprache ist direkt und unmissverständlich. Differenzierungen in der Darstellung der Zusammenhänge fehlen, sie will jeden Eindruck vermeiden Leid zu relativieren, ihre heißblütigen Pamphleten sind Absicht, die Dame ist fruchtlos und weiß was sie will.

Sie geht davon aus, dass die Araber/Palästinenser die Sündenböcke der jüdischen Zionisten sind. Sie will bewusst, nicht mit dem Finger auf die Sünden der Araber/Palästinenser zeigen, sie sieht allein ihre eigenen Finger, die auf sie selbst gerichtet sind? Deshalb auch ihre lückenlose Auflistung der jüngsten Untaten des jüdischen Staates, unter der Führung Netanyahus? Sie hat das Verlangen in das Buch des Lebens eingeschrieben zu werden – Hecht-Galinskis Eifer für die palästinensische Sache erinnert mich an die Türhüterlegende von Kafka, die er 1915 in der jüdischen Zeitschrift Selbstwehr veröffentlichte.

Auf Jom Kippur folgt in den nächsten Tagen das siebentägige Laubhüttenfest – Sukkot – das aus der bäuerlichen Tradition erwachsene jüdische Erntedankfest, religiöse Juden bauen dann provisorische Hütten unter freiem Himmel, in Erinnerung an die Flucht aus Ägypten. Es heißt dann: „Wenn nicht nur die Getreide-, sondern auch die Weinernte eingebracht ist, sollt ihr sieben Tage lang das Laubhüttenfest feiern. Begeht es als Freudenfest mit euren Söhnen und Töchtern, euren Sklaven und Sklavinnen und mit den Leviten in eurer Stadt, den Fremden, die bei euch leben, den Waisen und Witwen.“

Die streitbare Autorin betrachtet den Gazastreifen als ein Gefängnis, bewacht von „Bluthunden“ des jüdischen Staates. Sie weiß aber auch, dass die Grenze nicht weniger hermetisch nach Ägypten hin abgeriegelt ist und so erträumt sie sich den freien Weg von Gaza nach Kairo, den Auszug der Palästinenser aus Gaza.

„Stellen wir uns einmal vor, dass Ägypten endlich die Grenze zum Gazastreifen öffnen würde, um das Leid der etwa 2 Millionen Menschen in Gaza zu beenden und diese so als legale Asylsuchende nach Deutschland und Europa fliehen zu lassen. Wäre das nicht eine wunderbare Vorstellung, die Deutschland/Europa beflügeln könnte, die Regierung im „Jüdischen Staat“ zur Aufgabe der Besatzung und der völkerrechtswidrigen Verbrechen zu zwingen?“

Was für eine Vorstellung, es wäre für mich ein Albtraum und ich sehe auch nicht wieso, die Flucht von 2 Millionen Menschen deren soziale Not lindert – Die soziale Not würde allein der Wohlstand einer florierenden Wirtschaft lindern.

Die Ägypter selbst haben keinen guten Grund die Grenze nach Gaza zu öffnen und das liegt nicht allein an der Militärdiktatur Ägyptens, sondern auch an der palästinensischen Führung und ihrem Charakter. In der arabischen Welt sind die Palästinenser so beliebt, wie die Kurden in der Türkei, die Russen in der West-Ukraine – und das hat einen guten Grund, weil niemand im Orient den palästinensischen Autoritäten traut.

Sie sind unerwünscht und keine gern gesehenen Gäste, weder in Jordanien, noch in den Golfstaaten, sie sind nützliches Werkzeug im geostrategischen Gerangel um die Vorherrschaft im Orient.

Mit dem Finger auf Israel zu zeigen und Brandbriefe gegen Israel zu schreiben führt nicht aus der Krise, es ist nur ein weiterer Rundumschlag im Propagandafeldzug.

Es geht in diesem Konflikt nicht um Menschenrechte und die Linderung der sozialen Not von Millionen von Arabern, es geht um vielfältige Interessen, einzelner Clans in der Region. Die arabische Welt verdient ihr Geld mit der Ausbeutung ihrer Rohstoffe und nicht mit der Herstellung von Produkten des Lebensalltages und dem Handel damit.

Die ganze arabische Wirtschaft ist kindisch auf Alimentation ausgerichtet und als Gegenleistung werden die Bodenschätze geplündert. So kann man reich werden und sich auch alles leisten, aber denen, die an dieser Ausbeutung nicht partizipieren, geht es hundsmiserabel Schlecht in der arabischen Welt. Vielleicht hoffen ja die Palästinenser einst unter der Erde von Gaza auf Öl zu stoßen?

Wenn ich mir die Golfstaaten so aus der Ferne Mitteleuropas anschaue, dann muss ich unausweichlich an den Händler Ali Baba und seine Räuber denken. Irgendwo lebt einer immer auf Kosten des Schatzes eines anderen – und das funktioniert in dieser Welt, mit ehrlicher Arbeit hat das wenig zu tun.

Den Arabern/Palästinensern geht das Selbstbestimmungsrecht ihrer eigenen Bürger so am Arsch vorbei. Sie schicken ihre Bürger lieber als Bauernopfer an die Front. Ihr Sündenbock sind die Juden. Sie führen einen 1400 Jahre alten Konflikt fort, den einst Mohammed in Medina gegen die dortigen Juden führte.

Es ist einfach die Juden für all ihr Elend verantwortlich zu machen, während man die Milliarden an UN-und EU-Hilfen, die für den Ausbau der sozialen Infrastruktur gedacht waren, veruntreut. Bei den Arabern/Palästinensern geht es nur einer Gruppe wirklich gut, der Führungsclique und ihren Derivaten, der Rest führt ein jämmerliches, aussichtsloses Dasein und das Israel ankreiden zu wollen ist gerade zu naiv.

Hecht-Galinski weiß es besser, Rechtsstaatlichkeit ist nicht das Markenzeichen der Führungen in Gaza und in Ramallah. Wo lassen sich die Araber medizinisch versorgen, wer macht mit ihnen Geschäfte, was und wo kaufen sie ein? So scheiße kann Israel gar nicht sein, wie Hecht-Galinskis Sündenregister suggeriert. Was steht eigentlich auf der Haben Seite? Jom Kippur heißt Bilanz zu ziehen und zu schauen, ob mehr Gutes als Schlechtes zu vermelden ist.

Es ist ehrenwert und wichtig für die Menschenrechte und deren Einhaltung zu streiten – aber niemand sollte sich dabei vor den Karren spannen lassen, auch nicht vor den Karren der Palästinenser, insbesondere dann, wenn er sich als unabhängiger Journalist versteht.

Heute ist der Aktivist gefragt und nicht der nüchterne unparteiische Chronist seiner Zeit. Ganz besonders hoch im Kurs sind die Netzaktivisten und auch Hecht-Galinski ist eine Aktivistin, sie hat eine palästinensische Agenda und so sind dann auch ihre Tirade nachvollziehbar, sie klagt die Heuchelei der israelischen Obrigkeit an und verschont dabei die der Palästinenser und das ist schwer erträglich.

Heute hat die Rechte in Israel ein leichtes Spiel, die Unzuverlässigkeit der palästinensischen Autoritäten stärkt in Israel all die Kräfte, die keinen Jota Platz machen wollen und die einen kompromisslosen Umgang mit der Palästinenserfrage fordern. Die liberalen und moderaten Kräfte – wie u.a. die Peace Now Bewegung Israels, haben es schwer gegen die Extremisten in beiden Lagern – Für diese Kräfte zählt nur die Waffe in der Hand und nicht die ausgestreckte Hand – Obwohl es gerade auch in diesen Tagen zu Jom Kippur & Eid Mubarak Beispiele genug für Versöhnliches zwischen Juden und Muslimen gibt – darauf hin zuweisen wäre auch eine Antwort gewesen.

Hecht-Galinskis Blick ist allein auf das Unrecht, dass den palästinensischen Bürgern widerfährt gerichtet und dafür macht sie ganz allein Israel und die USA verantwortlich. Sie gesteht sich nicht ein, dass jeder Konflikt zwei Seiten braucht – was aber eine Voraussetzung wäre für eine Lösung des Konfliktes. Sie irrt, sie verklärt die Anteile der Araber/Palästinenser. Sie verleugnet deren Macht, deren Barbarei.

Seit Beginn des Konfliktes setzen die Araber/Palästinenser auf diesen Opferkult und auf eine militärische Lösung. Israel ist nur deshalb ein so wehrhafter Staat, weil es von Feinden umgeben ist. Sich diese Feinde zu Freunden zu machen will ein großer Anteil der Bürger Israels, aber eine Mehrheit traut eben auch gleichzeitig den Palästinensern nicht. Die israelische Zivilgesellschaft ist zerrissen – Versöhnung wäre eine gute Idee, aber gelingt nicht. Und Versöhnung kann wohl auch kein Ziel sein, sondern nur ein Prozess, aber die Strukturen geben es nicht her – zu viele Feinde auf allen Seiten.

Die Palästinenser/ Araber sind weit entfernt, entfernter den je den Weg einer friedlichen Lösung zu gehen, sie sitzen in ihren Bunkern und rüsten auf statt ab.

Die Politik von Netanyahu ist nicht sakrosankt und Kritik ist angebracht, vieles stimmt nicht, vieles liegt im Argen in Israel und die Kompromisslosigkeit ist kein Weg aus der Krise, es ist die Fortsetzung des Krieges.

Aber wer bin/sind ich/wir, fern ab im sicheren Europa sagen zu können, wie der Barbarei Einhalt geboten werden kann – ich sehe keinen Protagonisten der heute im Orient und Jerusalem Frieden stiftet – ich sehe, dass der israelische Staat der einzige in der Region ist, der als parlamentarischer Rechtsstaat funktioniert, ansonsten sehe ich nur Diktaturen, Theokratien und Monarchien.

Es ist gut, dass es Israel gibt und die jüdische Kultur und auch Hecht-Galinskis ist Teil dieser jüdischen Streitkultur und diese Kultur hält die Menschheit nicht auf, auf ihrem Weg zu mehr Gerechtigkeit und Glück. Ich will in keiner Welt leben, wo es keinen jüdische Kultur und keinen jüdischen Staat mehr gibt und ich will ganz sicher nicht in einem Staat leben indem die Rechtsmoral einer Religion, die Sharia die Rechtsnorm bestimmt und auch Hecht-Galinski wird das wohl kaum wollen – oder wird doch Houellebeqs Vision wahr?

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