Gastbeitrag: Die Antibassisten – Rassismus unter Musikern


Denn die Muse kommt und geht zu demjenigen, dessen Geist offen ist für ihre Seele. Wer ihr die Hand reicht, wird reich beschenkt. Wer sie mit Füßen tritt oder sie auszunutzen gedenkt, den verlässt sie so schnell sie gekommen ist.

Tag eins, nach den Jubelfeiern zur Silberhochzeit der beiden deutschen Staaten in Frankfurt. Das an den Beginn gestellte Zitat stammt von Wolfang van der Rydt. Er hat heute mit einem genialen Text über den Rassismus unter Musikern meine Aufmerksam geweckt. He made my day – mein favorisierter Gastbeitrag! 

Die Antibassisten: Rassismus unter Musikern
Brassismus – die unbekannte Form der gruppenbezogenen Musikerfeindlichkeit
Veröffentlicht am 4. Oktober 2015 von Fantareis

Ja – es gab und gibt rechtsradikale, üble Rassistenmusiker und Bands – einer davon war Johnny Rebel – ein Pseudonym, das der Country Musiker Clifford Joseph Trahan für Aufnahmen rassistischer Songs gegen Schwarze verwendet haben soll.

Musik lässt sich eben nicht nur für Werbezwecke entstellen und missbrauchen, sondern für jeden üblen Zweck.

Kein Wunder, dass die Nazis Marschlieder gegen Juden verwendeten oder in Südafrika die Schwarzen mit Hymnen wie „Kill the boers“ auf den Rassismus der weißen Minderheit im Apartheidsregime antworteten.

Die Liebe zur Musik und die Begeisterung für Meister ihres Faches ließ aber schon immer die Grenzen zwischen den Rassen, zwischen Herrschenden und Beherrschten überwinden.

Ähnlich wie beim Sport schon lange vor dem Ende der Rassentrennung in den USA Vertreter dieser Minderheit gut genug dafür waren, die Medaillen bei Olympischen Spielen nach Hause zu tragen, kamen Louis Armstrong als begnadeter Trompeter und Sänger oder die Tänzerin Josephine Baker weltweit zu großem Ansehen.

Ihre Hautfarbe spielte dabei plötzlich gar keine Rolle – in der Heimat bekamen sie dennoch nicht das Wahlrecht zugesprochen, sie blieben Menschen zweiter Klasse.

In Europa erlebte der Zigeunerjazz durch Django Reinhardt erste Höhenflüge – der Musiker aus der heute berühmten Sinti – Familie gilt als Begründer des europäischen Jazz.

Was wäre Rock’n Roll ohne Chuck Berry, der nebenbei auch der Erfinder des Duck Walks ist, den Angus Young von AC/DC heute noch immer zu seinen legendären Gitarrensoli auf der Bühne rockt?

Die weißen Jungs der australischen Band zählen zwar zum Genre Hardrock, doch alle Songs beruhen ausnahmslos auf dem Bluesschema, ohne das die Musik von AC/DC keinen einzigen Fan in die Stadien bringen würde – unmöglich.

Jeder wirklich Musikbegeisterte und Musikschaffende weiß, auf welchen Wurzeln seine bevorzugte Musik beruht.

Übrigens stehen Asiaten ganz besonders auf Klassik a la Beethoven, Mozart, Bach und Co. Nicht nur ein großes Kompliment für die alten Meister, sondern auch ein Beweis dafür, dass Musik Brücken bauen und kulturelle Schranken überwinden kann.

Denn die Muse kommt und geht zu demjenigen, dessen Geist offen ist für ihre Seele. Wer ihr die Hand reicht, wird reich beschenkt. Wer sie mit Füßen tritt oder sie auszunutzen gedenkt, den verlässt sie so schnell sie gekommen ist.

Und trotzdem grassiert unter Musikern noch eine ganz besondere Form von Rassismus, denn auch die offenen zarten Künstlerseelchen sind keinesfalls vor der dunklen Seite der Macht und Anhaftungen übelster Ressentiments gefeit.

Richtigen Blues können nur Schwarze, dasselbe gilt für Soul und nur besondere Ausnahmeinterpreten, wie Joe Cocker (nicht mein Favorit) dürfen in einem Atemzug mit den schwarzen Soulheiligen genannt werden.

Nur Schotten können Dudelsack spielen und weiße Rapper wie Eminem setzten den angeblichen Raubzug fort, der einmal mit „White Men stole the Blues“ begonnen haben soll.

Wer hat zuerst die revolutionären Double Stops in sein Gitarrenspiel eingebaut? Der „farbige“ US Amerikaner Jimi Hendrix oder der weiße Eric Clapton?

Clapton hatte als Brite und Weißer gleich zwei Gründe, um seine Finger aus dem Blues herauszuhalten, doch in der Tat war Mr. Slowhand der erste, der sie bei Studioaufnahmen einsetzte.

Ursprünglich kommt diese Technik aus dem Violinenspiel, wie etwa bei Konzerten von Johann Sebastian Bach.

Die Fachwelt stritt seinerzeit über solche Fakten, auch heute noch heisst es oft, Elvis Presley haben den Schwarzen ihre Musik geklaut. Sein früher Tod sei die Strafe der Musen für diesen Frevel. Im Nachhinein klingen solche Legenden immer logisch.

Eric Clapton coverte auch die Musik eines Schwarzen – seine Version von Bob Marleys „I shot the sheriff“ machte den Reggae über Nacht berühmt. Wie kommt es, dass Bob Marley schon lange tot ist, während sich Clapton immer noch bester Gesundheit erfreut?

Es gibt noch mehr Verwirrungen und Irrungen in der Welt der Künste – das unterschätzte Phänomen des Antibassismus.

Ja, richtig gelesen: A N T I B A S S I S M U S.

Nicht alle Bassisten sind solche Ausnahmetalente wie Jack Bruce, doch ist ihre tragende Rolle in vielen modernen Besetzungen unerlässlich. Die kanadische Band The Doors um den unvergessenen Jim Morrison kam ohne einen Bassisten aus, doch das können sich die wenigsten leisten.

Und trotzdem wird über keine andere Musikergruppe so viele Witze gerissen, wie über Bassisten. Sie sind langsam und können nichts – so das immer gleiche Vorurteil.

Bassisten – sind das nicht die Typen, die mit Musikern rumhängen dürfen?

Was sitzt im Proberaum mit einem IQ von 50? Antwort: Zwei Bassisten…

Sagt der Arzt zum Bassisten: „Sie haben nur noch fünf Monate zu leben!“
Darauf der Bassist: „Wovon denn?“

Natürlich darf bei den Bassistenwitzen nie die Story vom verzweifelten Außensaiter fehlen, der den Gitaristen verprügelt, weil der ihm eine Saite verstimmt hat und nicht sagen will, welche.

Und auch zwischen den Musikgenres gibt es traditionelle Feindschaften.

Wieviele Country & Western-Musiker braucht man, um eine Glühbirne zu
wechseln?
Vier, einer wechselt und drei singen darüber, wie gut die alte war!
Alleinunterhalter stehen dabei ganz unten auf der Skala, dass es nicht mal mehr Witze über sie gibt, weil keiner mit ihnen spielen will.

Kein von der Muse geküsster und in freudiger Erwartung der Wiederholung dieses Phänomens begeisterter Musiker mit oder ohne Talent ist vor diesen Wirrungen gefeit.

Ich werde gelegentlich von einer Sonderform dieser Charakterschwäche befallen, dem Brassismus.

Das hat nichts mit Blasmusik zu tun (engl. brass), doch sobald ich teure Fenderbässe oder Stratocaster Modelle im Equipment irgendwelcher Volksmusik Combos erblicke, kriege ich das, was man als BRASS bezeichnet.

Was zum Teufel fällt diesen Weicheiern ein, diese heiligen Insignien mit ihrem Tralala zu entweihen?

Das ist Blasphemie, denen sollte man gehörig den Marsch blasen – Brassismus eben!

Manchmal geht es nicht anders.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s