Hillary vs. Sanders – Die Sehnsucht entscheidet


Gestern Nacht fand bei CNN die erste große Debatte der Demokraten statt. Wer tritt an, um 2016 einen republikanischen Präsidenten zu verhindern und die Nachfolge von Barak Obama anzutreten? Bisher schien es klar und eindeutig zu sein. Sie, Hillary R.Clinton wird die Kandidatin der Demokraten, doch seit Monaten füllt ein anderer die Säle – Bernie Sanders aus Vermont.

Tausende kommen um ihn zu hören, der Self-Made-Man ist der Antityp, nicht Frau, nicht Black, nicht Latino, nicht Trans, er ist 74 Jahre alt,  aber er kommt an, gerade bei denen, die sich abgehängt fühlen. Eine regelrechte Graswurzelbewegung trägt ihn in das Rampenlicht der Öffentlichkeit. Er ergreift die Stimme für eine soziale USA, Kritiker werfen ihm Sozialismus vor, er aber nimmt sich das Wesen des skandinavischen Sozialstaats zum Vorbild und es kommt an – besteht bei den US Amerikanern die Sehnsucht nach sozialer Sicherheit und einem versorgenden Staat?

Man könnte die Debatte der Nacht mit einem Satz zusammenfassen. Bernie rette Hillary die Haut. Denn als die Journalisten von CNN auf die leidige E-Mailaffaire Clintons zusprechen kommen, ergreift Bernie das Wort und setzt, mit seinem markigen vermonter Akzent, einen Punkt hinter die Debatte:„Das amerikanische Volk hat es satt, von Ihren verdammten E-Mails zu hören“.

Wer weiß – vielleicht wird sich Clinton an diese Intervention noch einmal erinnern – ihre strahlenden Augen haben gezeigt – Bernies Interruption fand ihr Gefallen.

Doch wo nach sehnen sich die Amerikaner – nach einem Amerika á la Sanders oder Clinton?

Ob Bernie Sanders Hillary R.Clinton die Kandidatur streitig machen kann, wird sich erst noch zeigen. Was er geschafft hat, er mobilisiert Wähler, er füllt Säle, er legt den Fokus der Debatte auf die soziale Gerechtigkeit – Clinton tut das nicht, sie bestimmt nicht die Agenda und sie muss noch unter Beweis stellen, dass sie auch Volkstribune sein kann. Bernie Sanders Pfründe sind seine Position als Außenseiter, seine großväterliche Attitüde und seine Unbestechlichkeit – er ist ein Maverick, wie ihn die US-Amerikaner schätzen.

Clintons Problem ist nicht Sanders, sondern Donald Trump. Auch weil sie ihm intellektuell überlegen ist und weil sie seinem Populismus nichts anderes als die alten Lösungen des Washingtoner Establishments entgegen zu setzen hat. Die New Yorker Erfahrungen teilt sie mit Trump, der sich als Macher und Berserker bei der weißen, republikanischen Wählerschaft und mit markigen Sprüchen, einfachen und schnellen Lösungen beliebt machen will, wo Hillary differenziert und den Interessenausgleich sucht.

Hillary ist zu lange im Geschäft, als dass ihr eine glaubwürdige Distanz zum politischen Establishment Washingtons zugetraut wird. Sie ist für viele Wähler Teil des Problems und nicht die Lösung. Wird ihr paradoxerweise die Erfahrung zum Verhängnis? – ganz so unwahrscheinlich ist das nicht.

Die Wähler in den USA haben eine Sehnsucht, die sich in den Sympathiewerten für Sanders und Trump ausdrücken. Die Kampagnen sind von innenpolitischen Themen bestimmt und das obwohl der Präsident innenpolitisch so machtlos ist, wie kein anderer Präsident einer präsidialen Demokratie. Die Stärken des US Präsidenten liegen in der Außenpolitik und da stellt sich die Frage: Was Trump und Sanders anders machen würden, als Clinton?

Den, mit jeder neuen Wahl ersehnte Neuanfang, sehen die männlichen Wähler der USA, sicher nicht bei Hillary und ob die Frauen der USA die Wahl entscheiden, dies muss sich noch zeigen.

Der Kandidat gewinnt, der die Sehnsucht der Wähler in Worte fasst und ihm seine Stimme gibt. „Yes we can“, war so eine Sehnsucht.

Welche Sehnsucht der Wähler wird die Präsidentschaftswahl 2016 bestimmen?

Der Pfeil nach Rechts im H von Hillary – á la „forward attack“ oder das trotzige Aufbegehren eines ungezogenen Donald Trumps? Wo nach sehnen sich die USAmerikaner?

Nach Sicherheit, nach sozialer Gerechtigkeit, nach Kontinuität, nach alter Stärke, nach schnellen Lösungen – in einer immer komplexeren und von Gefahren reichen Welt?

Der Präsidentschaftswahlkampf 2016 hat erst begonnen – doch eines ist sicher, die Sehnsucht der Wähler entscheidet, wer Präsident_in in den USA wird.

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