Eine Revolution ohne Lieder


Das Schweigen der Künste: über das Geheimnis von Dunkeldeutschland –
Deutschland in der schwärzesten Kreativitätskrise
Veröffentlicht am 17. Oktober 2015 von Fantareis

Keine Revolution, keine politische Bewegung kommt ohne Lieder aus.
Im Land der Dichter und Denker stagnieren Kunst und Kreativität.

Im Rampenlicht finden sich die immer gleichen Protagonisten, Tiefgang sucht man vergebens, neue Impulse erst recht. Wo man singt, da lass dich nieder – böse Menschen kennen keine Lieder – ist das wahr? Das ist es, worauf ich eigentlich hinaus will.

Ja, böse Menschen kennen keine Lieder, darum lassen sie andere für sich singen. Sie haben keinen eigenen Zugang zur Kreativität, zur Quelle der Künste. Nicht mal die seichteste aller Musen vermögen sie für sich zu gewinnen.

So singen die Konformen unter den Kreativen das Lied der Mächtigen, der Industrie und des jeweiligen politischen Systems. Wer anders tickt, der verstummt und wird verbannt.

Tucholsky überlebte sein Schreibverbot im NS Regime nicht, selbst im schwedischen Exil ließ man ihn nicht mehr zur Feder greifen, ein Erich Kästner dagegen schrieb trotz Bücherverbrennung unter Pseudonym sehr erfolgreich weiter. Auf einen so kreativen Geist wie ihn konnten die Nazis nicht verzichten.

Das mag ein Grund für seinen späteren Alkoholismus gewesen sein. Er hat die Diktatur überlebt, weil man ihn nicht gänzlich seines Wesens beraubte, doch er hat es bitter, sehr bitter bereut.

Die deutsche Gesellschaft, wenn man sie denn noch überhaupt so bezeichnen kann, befindet sich heute in einer der schlimmsten Krisen überhaupt.

Allen Ernstes werden so billige Machwerke, wie der Kinoklamauk „Fuck ju Goethe“ als künstlerisch wertvoll vermarktet und das Eingesicht Til Schweiger darf seine Gossensprüche in Polittalks unterbringen, ebenso wie der Fotografenklatscher Herbert Grönemeyer, rein „gesichtlich“ betrachtet (abgeleitet von Gesicht) die Verkörperung der deutschen Kartoffel, nur Konformitäten statt Kreativität ausbrütet und sich schon lange ins bewachte Exil nach England verabschiedet hat.

Weit und breit ist keine Kreativität im Deutschland der Master und Bachelor Studiengänge mehr auszumachen, der Raum dazu fehlt.

Ein Goethe, ein Schiller, ein Büchner – wo wäre ihr Platz heute?

Im Fernsehen, auf den Bühnen und der Spiegelbestsellerliste? Oder eher im Gefängnis und der Psychiatrie?

Dort wo die Kunst fortbleibt, da gedeiht weder Gutes noch Schlechtes, da gibt es nur ein allverschlingendes schwarzes Loch. Dort gerät alles zum Stillstand, es gibt kein Fortkommen mehr, keine Hoffnung, kein Morgengrauen ist mehr zu erwarten, nur ewige, immerwährende Finsternis.

Deutschland ist so dunkel wie nie zuvor, es ist verstummt, gehindert daran, sich selber auszudrücken.

Stattdessen stehen Humanimporte vom Kaukasus, eingedeutscht und blondiert als Fischerhelenen auf der Bühne in den Arenen der Großkonzerne und tragen pseudogermanisches Schlagerliedgut vor, das eine reine Simulation ist, ein Abklatsch vom Reißbrett geschäftstüchtiger Produzenten.

Nichts davon hat irgendeine Rückkopplung zum Wesenskern unserer Kultur, sondern korrespondiert nur mit der Oberfläche – triviale Folklore, die jedermann und frau zum Besten geben kann.

Es geht um Zahlen und Quoten, niemand hat es besser ausgedrückt als der deutsche Dichter Novalis, ein Weggefährte Schillers, von dem er sich am Krankenbett die Schwindsucht (TBC) holte und viel zu früh daran starb.

Das ist das Geheimnis über Dunkeldeutschland:

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freye Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu ächter Klarheit werden gatten,
Und man in Mährchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

Novalis (1800)

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