„Auf die Kultur des Todes mit Lebensfreude antworten“


Zu den Anschlägen in Paris schreibt der Islam-Kritiker Hamed Abdel-Samad auf seiner Facebookseite das folgende: 

Eigentlich bin ich viel zu traurig und fassungslos um irgendwas zu schreiben. Viel ist schon gesagt und geschrieben worden. Vieles wird miteinander vermischt: der Terror in Paris mit der Flüchtlingsdebatte; Islamismus mit Muslimen, Angst mit Maßnahmen. Die Stadt der Liebe ist blutverschmiert. Das Land der Freiheit hat seine Grenzen dicht gemacht.
Ich halte nicht viel von pathetischen Appellen, die ins Leere laufen. Dennoch muss ich etwas sagen:
Nichts anders wollen die Terroristen erreichen außer dass wir von der Angst getrieben werden. Sie wollen 100 töten und dabei Hundertmillionen erschrecken.
Liebe Nichtmuslime, den Terror kann man nur bekämpfen indem man mit Muslimen zusammenarbeitet, die eindeutig gegen Terror und Gewalt sind. Hass kann man niemals mit Hass beseitigen!
Liebe Muslime, den Terror kann man nur bekämpfen indem man seine Quellen ehrlich und offen thematisiert!
Nicht Gebete, nicht „je suis irgendwas“-Statusmeldungen, nicht Hass und Pauschalurteile, nicht Apologetik und „das hat nichts mit dem Islam zu tun“ kann uns in diesem Kampf gegen den Terror helfen. Wir müssen auf die hinterhältige Gewalt mit selbstbewusster Wachsamkeit, auf die Kultur des Todes mit Lebensfreude, und auf die Kräfte des Mittelalters mit dem Geist der Freiheit und des Humanismus antworten!

UND im selben sozialen Netz schreibt der Franzose Antoine Leiris:

Meinen Hass bekommt ihr nicht. Freitagabend habt ihr das Leben einer außergewöhnlichen Person geraubt, sie war die Liebe meines Lebens, die Mutter meines Sohnes, aber ihr werdet meinen Hass trotzdem nicht bekommen. Ich weiß nicht, wer ihr seid, und ich will es auch nicht wissen. Ihr seid tote Seelen. Wenn dieser Gott, für den ihr blind tötet, uns nach seinem Ebenbild erschaffen hat, war jede Kugel, die den Körper meiner Frau traf auch eine Kugel in sein Herz“ Antoine Leiris

UND das Satire Magazin Charlie Hebdo titelt in seiner aktuellen Ausgabe:
„Sie haben die Waffen. Wir scheißen auf sie, wir haben den Champagner!“
CharlieHebdo-sie-haben-die-waffen-wir

Im Januar hatten sie noch mit „Tout Est Pardonné“ geantwortet, jetzt mit einem Trunkenbold, der dem Bösen mit Champagner begegnet.

An einer anderer Stelle wird von einem Vater berichtet, der seinen Sohn tröstet u.mit unverbesserlichem Optimismus seinem Sohn erklärt, dass wir uns mit Blumen & Kerzen gegen die Terroristen schützen können – ganz im Sinne der Metapher „das weiche Wasser bricht den harten Stein“.

Es sind solche Appelle, die uns vermeintlich über die Gräuel und Barbarei hinweg helfen sollen. Wir sprechen uns Mut zu, wider besseren Wissens. UND die islamischen Extremisten rufen uns zu „Ihr liebt das Leben, wir leben den Tod“.

Ja, wir lieben das Leben u n d achten den Tod und das ist gut so, alles andere wäre  Wahnsinn. Wie unerträglich es auch immer ist, in diesen dunklen Augenblicken, jetzt an die Lebensfreude zu appellieren und Galgenhumor zu beweisen hilft, aber wir müssen über diesen Galgenhumor hinaus wachsen, mit Vernunft, Liebe zum Nächsten und Selbstkritik. Was wir jetzt auf jeden Fall brauchen ist nicht weniger Demokratie, weniger Partizipation und noch mehr Ausnahmezustand. Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg antwortete auf das Massaker auf der Insel Utøya mit einem Appell für mehr Offenheit und Demokratie.

„Unsere Antwort wird mehr Offenheit und mehr Demokratie sein“

Wir brauchen mehr Demokratie, mehr Partizipation, d.h. mehr Liebe, mehr Vertrauen und mehr Freiheit der Meinung, mehr Achtsamkeit  u n d weniger Ausnahmezustand; d.h. den radikalen und unbedingten Willen uns gegen den religiösen und politischen Extremismus  zur Wehr zu setzen.

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