„Muslime tragen den neuen Judenstern“- Wie Bitte!


Unfassbar, aber es ist wahr. Es gibt Zeitgenossen, die die soziale Lage der Muslime in Deutschland und Europa, mit denen der Juden in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts vergleichen. Was soll das Bitte sein, der „neue Judenstern“?

Von Pogromen und systematischen Sonderbehandlungen von Muslime in Europa kann nicht die Rede sein. Was singt da Xavier Naidoo? Er irrt und vergreift sich im Ton Wort. Er bestätigt mit dieser Zeile den Vorwurf seiner Kritiker. Er wird ja nicht den nationalen Boykott der Werke von Akif Pirincci gemeint haben?

Geschichtsvergessen und anmaßend ist, wer mit solchen Vorurteilen den Diskurs betreibt. Es ist kein Einzelfall und Hamed Abdel-Samad widerlegt treffend diese Analogie mit seinem Blogbeitrag auf Facebook. Auch Wolfgang van der Rydt greift in einem aktuellen Beitrag auf opposition24.de das Thema auf.

Der Vergleich zwischen der Judenfeindlichkeit im Dritten Reich und dem Misstrauen gegenüber dem Islam als gleichwertige Religion zum Christentum hinkt in mehrfacher Hinsicht und relativiert die Geschehnisse im Dritten Reich.

Die soziale Lage der Muslime ist mit Nichten vergleichbar mit der Situation der Juden in Deutschland und Europa. Die Analogie ist Teil einer perfiden Propaganda die gerade in arabischen Medien grassiert. Muslime tragen keinesfalls den neuen Judenstern. 

Niemals haben Juden in Deutschland vor 1933 in solcher Weise für sich Rechte gelten gemacht, wie es heute Islamverbände für sich meinen tun zu müssen. Die Juden bestanden Mitte des 19 Jahrhunderts zu Recht auf gleiche Bürgerrechte und waren hierfür bereit, sich mehr als nötig zu assimilieren.

Muslime in Deutschland genießen, wie alle anderen Ethnien auch, dieselben Bürgerrechte. Eine strukturelle, von staatlichen Stellen initiierte Stigmatisierung von Muslimen ist fern ab von jeder Realität. Die Wirklichkeit erzählt andere Geschichten. Muslime sind bis in höchste politische Gremien integriert und aktiv beteiligt an der Gestaltung unserer Zivilgesellschaft.

Von Assimilation kann man bei europäischen Islamverbänden an keiner Stelle sprechen, es gibt auch niemanden der es von ihnen verlangt. Es gilt unsere Rechtsordnung zu achten, aber es wird immer deutlicher, die Islamverbände gehen einen Schritt weiter und wollen, dass wir neben unserer Rechtsordnung die Sharia akzeptieren.

„Muslime tragen den neuen Judenstern“ Das zu behaupten in einem Land, das gerade über eine Million hauptsächlich muslimische Flüchtlinge aufgenommen und dessen Kanzlerin den Islam für einen Teil Deutschlands erklärt hat, ist nicht nur ignorant, sondern auch dumm. Muslime erfahren weder in Deutschland noch irgendwo im Westen staatliche Verfolgung und systematisches Schikanieren. Von Massenvernichtung und Vertreibung will ich gar nicht reden. Einzelne Muslime erleben selbstverständlich ab und an Diskriminierung wie sie auch Afrikaner, Hindus und Vietnamesen im Westen oft erleben. Aber das kann man nicht mit der Judenverfolgung im Dritten Reich vergleichen. Es leben weltweit 1,6 Milliarden Muslime in über 50 islamischen Staaten, mit denen der Westen gute politische und wirtschaftliche Beziehungen pflegt. Obama, Hollande und Cameron bestätigen regelmäßig, dass der Islam eine Religion des Friedens sei. In Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweden und Dänemark müssen nach wie vor nicht Moscheen, sondern Synagogen von der Polizei überwacht werden.
Komisch ist, dass dieser Vergleich mit dem Judenstern überhaupt nicht damals kam als der IS die Christen aus Mossul vertrieb und ihre Häuser mit dem Buchstabe „N“ markiert hatte. Auch nicht als die Juden von Malmö in Schweden die Stadt verlassen mussten weil sie oft von muslimischen Jugendlichen angegriffen wurden.
Auch die falschen Kriege die der Westen in der islamischen Welt führte, richteten sich nicht gegen die „Muslime“ als eine Glaubensgemeinschaft, sondern gegen bestimmte Gegner des Westens. Ob in Afghanistan oder im Irak kämpften auch Muslime an der Seite der westlichen Allianz gegen al-Qaida, Taliban oder Saddam.

Die Vergleiche sind teil einer Propaganda, die von arabischen und palästinensischen Aktivisten geschürt wird. Hinter den Kampagnen stecken Lobbyisten der Islamverbände, die mit solchen Analogien Aufmerksamkeit für ihre Angelegenheiten zu erheischen wünschen.

Sie sind es, die das Bild eines anachronistischen Islams repräsentieren und nicht eines aufgeklärten, selbstkritischen Islams. Sie verhöhnen Islamkritiker wie Hamed Abdel-Samad und beschuldigen ihn der Häresie. Die Muslime Europas müssen sich entscheiden, ob sie dazu gehören wollen, oder ob sie sich ausgrenzen und isolieren.

Die überwiegende Mehrheit der hier lebenden Muslime sind bewusst aus ihren Heimalländern ausgewandert, weil sie in einer modernen, liberalen, das Individuum wertschätzenden Zivilgesellschaft leben wollen. Der Islam europäischer Prägung kann nicht einer sein, der das Individuum bevormundet und an einem Gängelband durch die Zeit führt.

Wer Wertschätzung fordert ohne diese selbst für andere aufzubringen, wird diese nicht erhalten. Sie ist ein Geschenk und keine Pflicht. Wo bleibt die Wertschätzung für unsere demokratische Gesellschaft, unser Sozial- und Bildungssystem? Ex-Muslime, geflohene Christen und Kritiker aus islamischen Ländern wissen sehr wohl und oft viel besser als Inländer, warum sie in einer westlichen Gesellschaft leben. Von muslimischen Verbänden hört man jedoch immer nur Wehklagen und Gezeter wegen Diskriminierung.  – Wolfgang van der Rydt

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