Umgangssprachlich – den Krieg erklären


Mittags in Berlin, der erste Dezember, die Bundespressekonferenz, die bohrenden Fragen von Jung & Naivder Sprecher des Außenministers mit Schnappatmung. – „Ich hab ein Problem mit ihrer Wortwahl“ Wie den Krieg umgangssprachlich erklären?

Wenn die Pressesprecher der Regierung informieren glaubt man am Ende seinen eigenen Worten nicht mehr. Was eben noch selbstverständlich war, gerät unmittelbar ins Schwanken. Also wir lernen, wenn die Regierung von Krieg spricht, dann ist das Umgangsdeutsch und dann ist das aber völkerrechtlich noch lange kein Krieg. „Situation normal, all f*** up“.

„Sie befürchten die Antworten könnte die Bevölkerung beunruhigen, weil da was Bedrohliches auf sie zu kommt. Gut, das kann man verstehen, weil das würde beunruhigen, wenn ihr nicht schweigen würdet. Also, habe ich das richtig verstanden, ihr meint, wir würden das alles schweigend besser ertragen. Es ist klar worauf das hinausläuft, das Schweigen – Verschweigen heißt dulden, ausharren, ertragen und meint stillschweigend mitmachen.“

Also, wir lernen, wir führen gar keinen Krieg. Der Krieg gegen den Terror ist was anderes … Was denn? Also, es gibt Kriege, die keine Kriege genannt werden, die da her kommen wie ein Krieg und geführt werden wie ein Krieg, aber doch kein Krieg sind und die solange kein Krieg sind, bis ein dynamischer Mittvierziger, mit Adelsprädikat sagt: Es ist Krieg!

„Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt wird, nicht stimmt, dann stimmen die Werke nicht. Gedeihen die Werke nicht, so verderben Sitten und Künste. Darum achte man darauf, daß die Worte stimmen. Das ist das Wichtigste von allem.“ Konfuzius

Die Krieger des Da-esh sind keine Krieger im völkerrechtlichen Sinne, sie sind Kriminelle. Wir bekämpfen die Kriminellen mit einer Armada von Kriegswaffen. In Syrien trifft sich die mächtigste Waffenlobby der Welt und das Schlachtfeld ist ein riesiges Versuchsfeld, ein Truppenübungsplatz und hier gelten die Gesetze des Wilden Westens und nicht die des Völkerrechts.

Jetzt geht es los! Heute beschloß der Bundestag das Deutschland mitmacht am „Krieg gegen den Terror“. Niemand in Berlin will mit verschränkten Armen zusehen, wie die Tyrannen des Da-esh die Macht im Orient übernehmen. Die Mehrheit des Parlamentes wagt erneut den Sprung ins Dunkel. Gleichzeitig wird vollmundig versprochen keine Bodentruppen einzusetzen, auch wenn Experten diesen für notwendig erachten, soll der Feldzug keine never ending story werden. „Wir selber werden jedenfalls keine europäische Armee, keine deutschen Soldaten sozusagen als Bodentruppen nach Syrien schicken“ so der Fraktionschef der SPD im Bundestag.

Der loyale Pressesprecher des Ministers ist es gewohnt die Dinge seines Ministers im hellsten Licht erscheinen zu lassen. Er ist geübt im Beschönigen, der Pressesprecher lebt „Propaganda in Futor 2“, denn Politiker, zumal, wenn sie in Amt und Würden sind, sind Weltverbesserer und wollen auch nichts anderes von sich verlautbaren lassen. Der politische Pressesprecher wird zum Spinndoktor, er überlässt das Bild, von seinem Weltverbesserer, nicht dem Zufall oder der Meinungsbildung der Bürger; er kommuniziert Meinung und keine Information.

Schon den Einsatz in Afghanistan verklärten die Pressesprecher. Sie nannten es „einen humanitären Einsatz“, weil, da würden Brunnen gebaut und Mädchenschulen errichtet. Der Kriegseinsatz dauerte 13 Jahre, die afghanischen Rebellen sind immer noch da. (Ich weiß nicht, wie viele Brunnen und wie viele Mädchenschulen in 13 Jahren gebaut wurden – 13?)

Nach dem Vorbild am Hindukusch, verteidigen wir jetzt unsere Freiheit am Euphrat, vorerst noch ohne Bodentruppen, das kann sich schnell ändern. Der Kriegsverlauf ist unbestimmbar!

Zuvor haben sich, über mehr als 3 Monate hinweg, Hunderttausende von Kriegsflüchtlingen aus Syrien vor den Bomben in Sicherheit gebracht. Verständlich! Man könnte deren Flucht auch als die größte Massenevakuierung der Menschheitsgeschichte interpretieren, die auch noch von den Betroffenen selbstfinanziert wurde. Respekt!

Da wirken die Anschläge von Paris, wie ein Initialfunke für den großen Krieg gegen den Da-esh, so kann die finale Schlacht beginnen. Heute kämpfen mehr als 40 Nationen in Syrien. Die Gefechtslage ist verwirrend, die Fronten verlaufen asymmetrisch. Wer heute dein Feind ist, kann morgen dein neuer Verbündeter und Übermorgen, schon wieder dein Feind sein. Die Feindbilder fluktuieren. „Situation normal, all f*** up“.

Sicher wird die deutsche Bundeskanzlerin nach dem „Endsieg gegen den Terror“ nicht so gefeiert werden, wie einst der deutsche Reichskanzler, denn einen Endsieg wird es nicht geben im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Das wird ein asymetrischer Krieg gegen eine Guerilla – Truppe, die mit allen schmutzigen und kriminellen Tricks kämpft. Noch schlimmer ist die mangelnde Übersicht im Krieg in Syrien, wer eigentlich gegen wen kämpft und wer welche Interessen verfolgt. Schon alleine die asymetrische Kriegsführung des IS wird zum Scheitern der Syrien – Mission führen. Rainer Kahani

Die Schlachtfelder in Syrien liegen nur 4 Flugstunden von Frankfurt entfernt. Der Bombenlärm und die Schreie der Kinder und Frauen sind fern. Zuhause hören wir das Rauschen voller Bäche, den Wind in den Tannen, die Rufe der Möwen, die weihnachtlichen Lieder aus den Kehlen unserer Kinder. Was aber, wenn der Schlachtenlärm zu uns zieht, wie in Paris, in die Häuserschluchten, in unsere Behausungen – Was dann, wenn das Jammern kommt und das Weinen? Dann werden sie nicht sagen, „situation normal, all f*** up“ oder doch?

Aber, bis dahin werden wir Sieger sein.

Ja, wir werden Sieger sein; endlich wieder Sieger sein dürfen und auf der richtigen Seite der Geschichte stehen; mit am Tisch sitzen, wenn dem Tyrannen der Frieden diktiert wird – der einst, wenn wir gesiegt haben werden.

Das Parlament hat entschieden, statt roter Nelken können sich die Soldaten jetzt das völkerrechtliche Parlamentsmandat ans Revers heften.

„Die Deutschen können sicher sein: Der Syrien-Einsatz der Bundeswehr verstößt weder gegen das Völkerrecht noch gegen das Grundgesetz. (..) er erfolgt auf der Grundlage von Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen, welche das Recht auf kollektive Selbstverteidigung garantiert und im Zusammenhang mit den Resolutionen 2170 (2014), 2199 (2015) und 2249 (2015) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen stehen. Die Unterstützung für Frankreich erfolge darüber hinaus „in Erfüllung der Beistandspflicht des Artikels 42 Absatz 7 des Vertrags über die Europäische Union“. Die Entsendung erfolge zudem „im Rahmen und nach den Regeln eines Systems gegenseitiger kollektiver Sicherheit nach Artikel 24 Absatz 2 des Grundgesetzes“, so der Justizminister. Schauen wir mal, es gibt auch andere Ansichten, z.B. zur  Anwendung der Solidaritätsklausel § 222 des AEUV. 

Es musste schnell gehen und es ist schnell gegangen. Deutschland ist einsatzbereit und ab kommender Woche im Gefechtsmodus.

Es muss denn das Schwert nun entscheiden…. Kaiser Wilhelm II, (nachträgliche Aufzeichnung der Balkonrede vom 6.August 1914)

In der Welt der „Propaganda Futor 2“ sind Krieger die neuen Helfer, das Töten und Vernichten das neue Helfen! Wir helfen den Franzosen im Angesicht der Anschläge von Paris. Wer wollte da nicht helfen? Wir helfen nicht in den Vororten von Paris! Wir helfen in der Levante, den Weiten des Zweistromlandes.

Auch die „Propaganda Futor 2“ braucht Helden, Supertypen, Siege, Erfolgsmeldungen. Die Pressearbeit wird der Diktion folgen keinen Pathos aufkommen zu lassen, es wird Geschäftsmäßigkeit suggeriert, weil der Einsatz dem Kriegsmanagement folgt. Die Tagesschau wird jetzt nicht Frontberichte veröffentlichen, es sei denn einer unserer 6 Tornados ist in Schwierigkeiten. Nur hin und wieder, wenn es im Land rumort werden sie in Ansprachen und Aufrufen die Loyalität mit den Streitkräften einfordern. Dann werden sie reklamieren, das Trennende zu ignorieren und den gemeinsamen Feind im Auge zu behalten. Sie werden von jedem zumindestens den moralische Beistand einfordern. Eine „Balkonrede“ an die Nation, wie „Ich kenne keine Parteien und auch keine Konfessionen mehr; wir sind heute alle deutsche Brüder und nur noch deutsche Brüder“ (Kaiser Wilhelm II), wird die Kanzlerin, mit aller Wahrscheinlichkeit nach, nicht halten,

Die Kriegserklärer von Heute, werden, wie die von Damals die Feigheit der Aggressors benennen und keinen Zweifel darin aufkommen lassen, dass Handlungsbedarf besteht und der Verteidigungsfall greift. Auf eine allgemeine Mobilmachung, wie im Sommer 1914 können sie verzichten, wie auch scheinbar auf einen Oberfehl und ein Hauptquartier. Wer nun das Oberkommando hat, wird nicht vermeldet, das wird wohl geschmeidig und flexibel, von Fall zu Fall entschieden, vielleicht ist es auch ein großes Experiment, wie alles funktioniert unter so vielfältigen Bedingungen. Fragen danach werden sie neudeutsch beantworten, genaues weiß keiner oder will auch keiner wissen, bis zur nächsten Bundespressekonferenz, wenn Tilo Jung naive Fragen stellt, die Pressesprecherinnen sprachlos macht und keiner gewillt ist, klipp und klar zu antworten. „Situation normal, all f*** up“.

Zukünftig, zumal in Kriegszeiten wird den Kritikern ein scharfer medialer Wind entgegen blasen und es wird heißen, heute kennen wir nur noch zwei Arten von Europäern, die „Beherzten“ und die „Hasenherzigen“, die mit „warmen“ und die mit „kalten“ Herzen, die „solidarischen“ und die „unsolidarischen“, die mit einem „freundlichen“ und die mit einem „unfreundlichem“ Gesicht. Und die Kriegsfürsten Europas werden sinngemäßes sagen – „Ich will in keinem Europa leben, wo man nicht mal Freunden hilft oder von Freunden Hilfe annehmen kann – das ist dann nicht mehr mein Europa“.

Der französische Historiker Marc Bloch beschrieb die Gefühlslage in seinem Land, nach der Besetzung 194o:„Es gibt zwei Kategorien von Franzosen, die nie die Geschichte Frankreichs begreifen werden: diejenigen, welche sich von der Erinnerung an die Königsweihe von Reims nicht anrühren lassen, und diejenigen, welche den Bericht über das Bundesfest [von 1790] ohne innere Anteilnahme lesen“

«Il est deux catégories de Français qui ne comprendront jamais l’histoire de France, ceux qui refusent de vibrer au souvenir du sacre de Reims ; ceux qui lisent sans émotion le récit de la fête de la Fédération». (L’ètrange dèfaite)

Kein Krieg läuft mechanisch, wie ein Uhrwerk ab, das sich stets in ein und dieselbe Richtung dreht. „Wir können den Kriegsbeginn bestimmen, aber schon nicht mehr dessen Verlauf „, sagte einst D.D.Eisenhover über den Krieg. Die Verkettungen der kriegerischen Ereignisse bleiben unberechenbar – Der Krieg ruft die niedersten Instinkte des Menschen hervor. Der Krieg ist ein Dämonen, seine Barbarei kennt nicht Recht noch Ordnung, er wird erst schweigen , wenn der letzte Krieger ausgeblutet und erschöpft ist. „Situation normal, all f*** up“.

Propaganda in Kriegszeiten tarnt, trickst und beschönigt, sie ist Mittel zum Zweck, damit das Kriegsspiel ungestört seinen Verlauf nehmen kann. Realistische Kriegsberichterstattung ist das Geschäft von Einzelgängern, mutigen, waghalsigen Jägern. Chatching of information onder fire. In Syrien marschiert die mächtigste Waffenlobby aller Zeiten auf und verwandeln ein ganzes Land in ein Versuchsfeld. Sie werden viel lernen, wie sie es besser machen, ohne es besser zu machen. Rette sich wer kann. Der Zivilbevölkerung, unter welchem Regime auch immer, wird es schlecht ergehen, während die Apologeten des Krieges fest an ihren Sieg glauben und daran den Lauf der Geschichte und Ereignisse in ihrem Sinne bestimmen zu können. Der Wunsch ist so alt, wie die Menschheit.

„Inmitten einer schrecklichen Tragödie, in die unser eigener Irrsinn uns gestürzt hat, gelingt es uns kaum, uns selbst zu verstehen. Vor allem aber möchten wir unser Schicksal voraussehen und es vielleicht ein wenig bestimmen. (..)“ Marc Bloch

Ein Bankräuber zum Richter: „Ich hab ja gar nicht für mich die Bank ausgeraubt, ich hab’s für meine Mutter getan. Nein, ich bin nicht kriminell. Wirklich! Ich weiß es war nicht richtig, was ich getan hab. Es tut mir auch leid, aber bedenken sie, ich hab’s meiner Mutter versprochen, ihr mein Ehrenwort gegeben – Das Ehrenwort ihr zu helfen und ich konnte nicht anders und wie gesagt, ich hab es nicht für mich getan – ich tat’s für meine Mutter. Ich hab ihr mein Ehrenwort gegeben, das werden sie doch verstehen – Ehrenwort.“

Heute hat das Neue-Deutschland dem Da-esh umgangssprachlich den Krieg erklärt.
„Situation normal, all f*** up.

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