Dumme Franzosen ….


„Le choc“ titeln die französischen Zeitungen, einen Tag nach der ersten Runde der Regionalwahl. Wie dumm sind eigentlich die Franzosen? Da wählt jeder dritte Franzose den Front National.

Der Front National ist – der reine Hass! Nur, dass das klar ist.“, sagt per Twitter, der Deutsche Journalist Nils Minkmar und weiter Frankreich zeigt der Welt den Mittelfinger“. Haben sie also Hass gewählt?

Der Deutsche EU Abgeordnet Sven Giegold twittert noch am Wahlabend eine Sozialstudie, über die Verteilung der Berufsabschlüsse bei den Wählern des Front National ( „Bildung ist der Schlüssel!Stimmen für den FN nach Bildungsabschluss.“). 

Man kann nach dem Lesen solcher Reaktionen auf den Wahlausgang den Eindruck gewinnen, ein Drittel der Franzosen muss nachgeschult, umerzogen oder gar befreit werden. Vielleicht empfiehlt es sich Flugblätter über dem Nord-Pas de Calais-Picardie und dem Osten Frankreichs abzuwerfen. In Frankreich ist nur noch der Südwesten rot, ansonsten ist alles blau – „allez le bleu“ –  56% der Franzosen haben der Opposition ihre Stimme gegeben.

Es ist die erste Wahlrunde, das Spiel ist noch nicht vorbei. Es ist Halbzeit, der 13. Dezember entscheidet. Wie die Regionalparlamente definitiv besetzt werden, wird auch davon bestimmt, welche Allianzen jetzt gebildet werden, um die Kandidaten des Front National zu verhindern und um alte, eingeübte Seilschaften, der traditionellen Parteilager zu pflegen.

Doch was sagt das Ergebnis aus? Die Franzosen spinnen, sind dumm und verweigern jetzt, in der Stunde der Not, wo die Franzosen zusammen stehen müssen, – drei Wochen nach den Anschlägen in Paris,  dem Kriegspräsidenten die Unterstützung? 23 % für die PS, das muss den Präsidenten an die Nieren gehen.

Wer die Geschichte Frankreichs kennt, der kann das Wahlergebnis der Regionalwahlen einschätzen. Es wird in zwei Wahlgängen gewählt. Der erste Wahlgang gestern war wie immer nur ein Signal der Unzufriedenheit der Franzosen mit der aktuellen Politik der Sozialisten und hat relativ wenig zu bedeuten. Entscheidend ist der zweite Wahlgang. Dort wird sich wahrscheinlich die legendäre Situation des zweiten Urnengangs bei der Wahl des damals allseits unbeliebten Präsidenten Jacques Chirac wiederholen. Die bürgerlichen Parteien werden einen Aufruf an die kleinen Parteien wie die Sozialisten, die Grünen und die Extrem Linken erlassen, eine sogenannte „Barrage“ gegen den FN zu bilden und die Republikaner zu wählen. Das wird dann ein hoffentlich ein völlig anderes Ergebnis werden und die Macht des FN zumindest eingrenzen. Die Franzosen sind etwas kompliziert, aber sicher keine Antisemiten, keine Rassisten und keine fanatischen Anhänger des Front National.  Patricia Kahni
Francoise Hollande hat als Kriegspräsident die Franzosen weder, mit dem Ausnahmezustand, noch, mit dem Krieg gegen den Da-esh überzeugt – Die Franzosen sind unzufrieden und haben Hollande den Mittelfinger gezeigt, auch wissend, dass diese erste Wahlrunde, symbolischen Charakter hat, wo man ungefährdet zum Ausdruck bringen kann, wie zufrieden man, mit der Arbeit des Präsidenten ist.
Frankreich ist Frankreich, in vielem unvergleichbar, in vielem sehr speziell und eigen. So ist die Nation stolz auf ein Maskottchen, dessen Lebensglück darin besteht, mit geschwollener Brust auf seinem eigenen Misthaufen zu stehen und lauthals die Stimme zu erheben.  Je suis un coq. 
Die Franzosen wollen von ihrer Regierung nicht für dumm verkauft werden. Wahlen in Zeiten des Ausnahmezustandes sind besondere Wahlen und die Franzosen wissen, die Probleme in den Banlieus, in den Vororten von Paris, werden nicht am Euphrat und in der Levante gelöst und nicht mit Bomben auf Rakka. Die Franzosen fragen sich „Kann man mit Militärschlägen in Syrien Freiheit und Sicherheit an der Seine garantieren?“ und sie antworten lakonisch „Klar, kann Mann, nach dem Floriansprinzip“.
Für die einen ist der Front National das Problem; für die anderen nur ein Symptome für die Erosion der etablierten Parteien und für ein Drittel der Wählern am Sonntag, die Rettung der Republik. „Je suis de la République“.
Am Front National kondensiert Frankreichs Frust über die Diskrepanz einerseits Weltmacht und global Player sein zu wollen – die große Nation – und andererseits mit den Folgen der Globalisierung fertig zu werden. Die ländlichen Regionen veröden und werden immer unbedeutender und die damit verbundenen Aussichten aussichtsloser. Die Republik sucht ihren Retter, ihre Retterin.
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