Zuckerberg & der Antisemitismus


Ja, es ist nicht der Zuckerberg von Rio gemeint. Es sind die „Klügsten“ Deutschlands, die über Marc Zuckerbergs offenen Brief an seine Tochter Max diskutieren. Ein Nebenprodukt des Diskurses ist die Frage: Ist die Kritik an Marc Zuckerbergs Geschäftsmodell antisemitisch oder nicht?

Zwei Texte illustrieren diesen Diskurs in der Deutschen Öffentlichkeit und es haben sich zu Wort gemeldet, alle die Rang und Namen haben – Zuckerberg ist in aller Munde.

Die Wortmeldungen gipfeln jetzt in einem offenen Brief des FAZ-Herausgebers Jürgen Kolbe, der nun wiederum meint, seinem Kollegen Michael Hanfeld, mit einem Plädoyer in Schutz nehmen zu müssen; der seinerseits den Brief Zuckerbergs an seine Tochter Max für eine Regierungserklärung der Facebook Company hält. Das ist der erste Text.

Der Zweite folgt so gleich, hierin bezeichnet der Historiker Götz Aly die Häme gegen Zuckerberg als antisemitisch.  

Was ist antisemitisch und was nicht?
Mir scheint der Begriff ist selbst unter Deutschlands intellektueller Elite strittig – Unsicherheit charakterisiert dem Umgang damit, zumal dann, wenn die Kritik persönlich wird – Ja, und die Verunsicherung offenbart sich, wenn schon allein der Hinweis auf Parallelen zum Nazi-Opa den Vorwurf ein Antisemit zu sein antizipiert. Es wird der Eindruck erweckt, als ob es keine unmissverständliche, glasklare Definition zu geben scheint. 

Für mein dafürhalten konnte auch Jürgen Kaub mit seinem Plädoyer das nicht klären. „Getroffene Hunde bellen“, möchte ich da dem engagierten Herausgeber entgegen rufen.

Ich habe mir die Kritik Hanfelds an Zuckerbergs Engagement nochmals durch gelesen und die Kritik Götz Alys. (Dankenswerterweise waren ja die Links im Text enthalten, was ich mir dann hier auch zum Vorbild nehme).

Nachdem lesen komme ich zu dem Schluss – Aus Michael Hanfeld einen Antisemiten gemacht zu haben, diesen Vorwurf muss sich der Herausgeber selbst machen.

Ich kann nicht erkennen, dass Götz Aly den Journalisten Hanfeld als Antisemit bezeichnet, nur weil er dessen  Art und Weise die Zuckerbergs zu kritisieren, einreiht in eine Kette von Kritiken, die für ihn ein Beleg sind, dass der Diskurs nicht frei ist von strukturellem Antisemitismus der Medienmacher. Hanfeld selbst überhöht den offenen Brief zur Regierungserklärung – Was Bitte, soll diese rhetorische Überspitzung? Aly weißt auf eine Qualität des Diskurses hin und zeichnet niemanden aus.

Die von deutschen Bloggern und Journalisten Mark Zuckerberg zugedachten Charaktermerkmale lauten: selbstsüchtig, hinterhältig, unsauber, räuberisch, verlogen, ausbeuterisch, knallhart, unehrlich. So redeten unsere Nazi-Opas und -Omas. Götz Aly /BZ

Hanfelds Kritik an Zuckerberg ist polemisch und unterstellt ihm niedere Absichten, auch kolportiert er einen Mythos – das Facebook Steuern unterschlägt.

Mit der Würdigung Steuerpflichtiger verhält es sich, wie mit dem Geschmack, man kann darüber streiten, ob jemand genug Steuern zahlt oder nicht. Fakt ist, allein das Finanzamt und nicht eine empörte Öffentlichkeit bewertet ob Facebook angemessen Steuern zahlt.

Genau hier bedient der FAZ Kolumnist Vorurteile und alte Mythen – das Zuckerbergbashing bekommt dadurch einen besonderen Spinn – berechtigte Sachfragen zum Steuerrecht und der Steuerpolitik der Bundesregierung bleiben dabei außen vor.

Ich bin bis dato davon ausgegangen, dass das Recht Steuern zu erheben und deren Höhe und Umfang zu bestimmen, allein zum hoheitlichen Recht des Staates selbst gehört und nicht zu den Aufgaben der  freien Wirtschaft.

Es stände dem Qualitätsmedium FAZ gut, wenn sie hier weniger auf populistischen Wellen mit reiten würde. Worte wie „Camouflage“ sind unsachlich und unterstellen eine bewusste Täuschung und das im Kontext mit Steuerpflichten.

Wenn Hanfeld konkrete Tatbestände bekannt sind, dann soll er Facebook beim Finanzamt anzeigen, das ist unkompliziert und führt zu einer strengen Kontrolle von Seiten des Finanzamtes.

Wie schon gesagt, leider ist auch Hanfelds Text nicht frei von Mythen und Vorurteilen und hier nähert er sich schon im Niveau der Polemik dunkler deutscher Tage an. Alys Text empfindet und kommuniziert das, man mag ihm Hypersensibilität unterstellen, aber so ganz von der Hand zu weisen, sind die Analogien, dann eben auch nicht.

Es ist die schreibende Zunft selbst die Zuckerbergs jüdische Wurzeln betont und in der Tat, ein Blick auf die Bio Zuckerbergs lässt erkennen, dass er diesen Bezug selbst nicht herstellt – Zuckerberg handelt allein aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen und im Rahmen gesetzlicher Vorschriften.

Man mag über das Steuerrecht politisch Diskutieren, dass er es zu seinen Gunsten anwendet ist sein gutes Recht und alles andere wäre Dummheit!

Statt sich an den Zuckerbergs abzuarbeiten könnte die FAZ-Redaktion den Themen Steuergerechtigkeit und Steuerreform sehr viel mehr Aufmerksamkeit widmen.

Im übrigen wundert es mich schon seit einer geraumen Zeit, dass die FAZ dem strukturellen Antisemitismus in Deutschland und Europa wenig Raum einräumt.

Eine echte Diskussion wäre wünschenswert, aber Jürgen Kaubes offener Brief an Götz Aly ist selbst so polemisch, dass ich mich Frage, was ist loß mit der FAZ – kennt sie ihre eigenen Wurzeln nicht mehr?

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